Tod von Frau (90) beschäftigt Justiz

Siegen..  Als Lotte O. (90) vor rund eineinhalb Jahren in einem Siegener Pflegheim stirbt, ist von einem natürlichen Tod zunächst keine Rede. Polizisten schauen sich Leiche und Zimmer an. Die Beamten bitten Spezialisten aus Hagen um Unterstützung.

Ins Visier der Ermittler geraten eine Pflegefachkraft und eine Pflegeassistentin, damals 24 und 41 Jahre alt. Der Verdacht: Die beiden Frauen haben die Seniorin fallen lassen. Doch statt sich um die Verletzte zu kümmern und einen Arzt zu verständigen, sollen sie die Frau ins Bett gelegt haben. Wenig später ist sie tot.

Die beiden Pflegerinnen müssen sich seit Mittwoch vor dem Amtsgericht in Siegen verantworten. Allerdings wirft ihnen die Staatsanwaltschaft nicht mehr fahrlässige Tötung vor. Ein Gutachten hat laut Anklage kardiopulmonale Insuffizienz, Herz-Kreislauf-Versagen, als Todesursache ausgemacht.

Ungeklärt jedoch sind bislang die Gründe für die Verletzungen Lotte O.’s. Der Staatsanwalt spricht von Blutergüssen und flächenhaften Hauteinblutungen. Der Notarzt, er stellte am 6. Oktober 2013 gegen 15 Uhr den Tod der 90-Jährigen fest, will eine Kopfplatzwunde diagnostiziert haben. Eine Krankenschwester, die die beiden Beklagten in der Spätschicht ablöst und an diesem Morgen als Zeugin aussagt, erzählt von einer Wunde am rechten Handgelenk und Blut in den Haaren. Eine weitere Zeugin, sie ist Pflegehelferin, sagt, auf dem Bett sei Blut gewesen.

Der Sturz wird nach Aussagen einer Zeugin bei der Schichtüber­gabe thematisiert. Das Opfer, soll die Jüngere der Angeklagten gesagt ­haben, sei in der Tat aus dem Rollstuhl gerutscht. Aber nicht auf den Boden, sondern auf einen weichen Untergrund. Ihr sei es gut gegangen. Verletzungen seien nicht festzustellen gewesen.

Ein Urteil ist am Mittwoch nicht gefallen. Notarzt und Rettungsmannschaft sollen noch aussagen.