Südwestfalens Lehrer wollen weiter streiken

Warnstreik der Lehrer Anfang März: Mit dem Ergebnis der Tarifverhandlungen sind die Lehrer keineswegs zufrieden.
Warnstreik der Lehrer Anfang März: Mit dem Ergebnis der Tarifverhandlungen sind die Lehrer keineswegs zufrieden.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Die Unzufriedenheit über den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst ist groß. Vom Beamtenbund fühlen sich angestellte Lehrer nun im Stich gelassen.

Hagen.. Mehr als 4 Prozent mehr Lohnsteigerung. Die Hälfte jetzt, die andere im kommenden März. Ein Ergebnis, mit dem man zufrieden sein kann? „Überhaupt nicht“, sagt Burkhard Schindler, angestellter Lehrer am Berufkolleg Lippstadt und Mitglied der Gewerkschaft GEW. Mehr Geld – darum war es ihm gar nicht in erster Linie gegangen, als er in den vergangenen Wochen gestreikt hatte. Er wollte vielmehr Gerechtigkeit: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Dass angestellten Lehrern netto von ihrem Lohn mehrere Hundert Euro weniger bleiben als den verbeamteten, will der Briloner nicht hinnehmen.

30 Euro mehr pro Monat

Und deshalb lehnt er den Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst ab. Ihm fehlt, wie seiner Gewerkschaftsführung, der Einstieg in die Paralleltabelle: Angestellte zum Beispiel, die in der vergleichbaren Tätigkeit als Beamte Besoldungsgruppe A 12 hätten, sollten künftig E 12 erhalten, statt wie bisher E 11. So erklärt die GEW ihre Forderungen. Burkhard Schindler zum Beispiel würde als Beamter 400 Euro mehr verdienen, rechnet er vor. Doch zu diesem Zugeständnis schienen die Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen nicht bereit. 30 Euro mehr pro Monat für einzelne Lehrergruppen ab August 2016, so lautete ihr Angebot.

Der Tarifabschluss, so fürchtet Thomas Seeck, Hauptschullehrer aus Arnsberg, verfestige die Lohnunterschiede zwischen Beamten und Angestellten nicht nur. „Die Schere wird immer weiter auseinander gehen.“ Denn das Plus von mehr als vier Prozent werden auch die Beamten bekommen. Weil die angestellten Lehrer aber Sozialabgaben leisten müssten, vergrößere sich die Lücke in vielen Fällen weiter, fürchtet zumindest Seeck, Mitglied von Schall NRW, einer Interessenvertretung der angestellten Lehrer. Tarifstreit

Während des Streiks wussten Seeck und Schindler ihre verbeamteten Kollegen im Lehrerzimmer hinter sich. Dass deren Vertretung, der Deutsche Beamtenbund (dbb), nun das Tarifergebnis akzeptiert hat, ärgert beide. Als „unsolidarisch“ bezeichnet die GEW sogar das Verhalten des Beamtenbundes.

Auf sich allein gestellt

Und so wollen Burkhard Schindler und Thomas Seeck wieder auf die Straße gehen, falls die GEW ihre Ankündigung wahr macht, und im Sommer weiter streikt. „Ich bin wieder dabei“, sagt Seeck. „Es besteht keine Friedenspflicht“, so die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern. „Insofern sind wir weiter streikfähig. Ich schließe nicht aus, dass es erneut zu Warnstreiks von angestellten Lehrern kommt.“

Auf sich allein gestellt, ohne andere Angestellten des öffentlichen Dienstes, dürften die Lehrer allerdings nicht ganz so schlagkräftig sein. „Wenn das Problem nur im Bewusstsein der Öffentlichkeit bleibt“, sagt Thomas Seeck, „dann haben wir schon viel gewonnen. Das war in vergangenen Jahren nicht der Fall.“