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Sprachstreit um die kleine Hexe - Zensur in Kinderklassikern?

21.01.2013 | 17:12 Uhr
Sprachstreit um die kleine Hexe - Zensur in Kinderklassikern?
Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ ist ein Kinderbuch-Klassiker. Die Neuauflage erscheint künftig ohne den Begriff Neger.Foto: dpa

Hagen.   Der Thienemann Verlag ersetzt in Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ das Wort Neger. Die Meinungen dazu sind geteilt, auch in der Buch-Szene Südwestfalens

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan – zumindest im Kinderzimmer. Seit der Thienemann Verlag angekündigt hat, aus seinen Kinderbuchklassikern Wörter zu streichen, diskutieren Eltern, Lehrer und die Buchszene, ob dieses Vorgehen Zensur ist. Es geht um Begriffe, die heute als diskriminierend gelten.

Vor allem an der Bezeichnung „Neger“ entzünden sich die Bedenken. In der Neuauflage von Otfried Preußlers „Die Kleine Hexe“ wird das Wort ersetzt. Das Vorgehen sei mit der Familie Preußler abgestimmt, so der Verlag.

"Vorauseilende politische Korrektheit"

Es hagelt Kritik. Denn als Preußler seinen geliebten Klassiker schrieb, hatte die Vokabel noch keinen negativen Beigeschmack. So beklagt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, dass hier zuviel vorauseilende politische Korrektheit am Werke sei. „Literatur sollte so akzeptiert werden, wie sie entstanden ist“, sagte Kraus der Nachrichtenagentur dpa.

Die Kinderbuch-Experten in der Region sind geteilter Meinung, was nachträgliche Eingriffe in literarische Kunstwerke angeht. Zumal das heute beanstandete Wort Neger ja weder bei Astrid Lindgren noch bei Michael Ende noch bei Otfried Preußler je abschätzig gebraucht wird, sondern das Bedürfnis aller Kinder nach exotischen Orten und Figuren anspricht. Und die Bücher, um die es geht, gelten als beispielhaft emanzipatorisch.

Kinderbuch-Debatte
Lehrerverbandspräsident gegen Änderungen an Kinderbüchern

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, ist dagegen, diskriminierende Worte wie "Neger" aus Kinderbüchern zu entfernen. Er argumentiert, dass sonst ein großer Teil der Weltliteratur über Bord geworfen werden müsste. Kraus setzt stattdessen auf Diskussionen zwischen Eltern und Kind.

Verständnis für die Bedeutung von Begriffen

„Wenn man alles weichspült, wird es langweilig“, unterstreicht Ute Hachmann, Leiterin der Stadtbibliothek Brilon. „Es gibt viele Kinderbücher, in denen der Alltag aufgegriffen wird: Der Schnuller ist weg, warum habe ich Angst vorm Schlafen? Aber richtig gute, aufregende Kinderliteratur macht aus, dass sie Reibung enthält, Diskussion, Fragen, Sprechen möglich macht.“ Die Entstehungszeit mit ihrem Sprachgebrauch sei Bestandteil dieser Klassiker.

Das sieht auch Gerd-Peter Zapp so. Der Deutschlehrer am Gymnasium Maria Königin in Lennestadt ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen öffentlichen Büchereien in Lennestadt: „Wenn man die Bücher zusammen liest, können Kinder Verständnis dafür entwickeln, dass Begriffe früher eine andere Bedeutung hatten als heute. Ich halte es für übertrieben, dass das jetzt so um sich greift.“

Regisseurin plädiert für Fußnoten statt Änderungen

Birgit Simmler ist Regisseurin an der Freilichtbühne Hallenberg. Sie macht einen Unterschied zwischen gedrucktem Text und gesprochener Bühnenfassung. „Es ist gängige Theaterpraxis, Stücke zu aktualisieren. Auf der Bühne würden bestimmte Begriffe tatsächlich abwertend wirken. Aber jede Literatur steht sprachlich und historisch in einem Kontext. Im gedruckten Buch würde ich das eher über Fußnoten aktualisieren, als in die bestehenden Text einzugreifen. Dann versteht man auch mehr darüber, wie abwertende Worte zustande kommen.“

Georg Spielmann von der Buchhandlung Dreimann in Olpe ist anderer Meinung: „Ich finde es eigentlich richtig, dass solche Textstellen geändert werden; das sind Wort-Relikte, die nicht ohne Grund in der täglichen Umgangssprache nicht mehr verwendet werden. Die Diskussion gab es schon viel früher bei dem Tim- und Struppi-Band ,Kohle an Bord’, wo später als rassistisch empfundene Passagen umgearbeitet wurden. Das ist ein sehr schwieriges Thema.“

Der Unterschied zwischen Alltags-Sprachgebrauch und Literatur

Norbert Hilchenbach ist Intendant des Theaters Hagen und macht das jährliche Weihnachtsmärchen zur Chefsache. „Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen täglichem Sprachgebrauch und Literatur“, betont er. „Es ist richtig, dass man sehr sensibel in diesen Dingen geworden ist. Aber das ist im Ergebnis oft sehr kurz gedacht, denn Weglassen ist keine Möglichkeit, Aufklärung und Emanzipation zu erreichen.“

Michael Endes Jim Knopf darf ein Negerbaby bleiben. „In ,Jim Knopf’ würden Änderungen schwierig werden, weil ,ein kleiner Neger’ Teil der wörtlichen Rede von Herrn Ärmel, dem altklugen Inselbewohner ist. Würde man den Begriff ersetzen oder den Satz entfernen, wäre die Ironie in der Szene verloren“, so Thienemann. Pipi Langstrumpfs Papa allerdings ist bereits seit 2009 kein Negerkönig mehr, sondern ein Südseekönig.

Monika Willer


Kommentare
23.01.2013
18:25
Sprachstreit um die kleine Hexe - Zensur in Kinderklassikern?
von hudege1 | #6

Schauen Sie doch einmal bei Google im Duden nach unter "Neger"
Sie werden sich wundern.

23.01.2013
18:23
Sprachstreit um die kleine Hexe - Zensur in Kinderklassikern?
von hudege1 | #5

Es ist schon sehr seltsam, wenn man wegen angeblicher "politischer Korrektheit" bei Pipi Langstrumpfs Vater den Globus derart verformt, dass die ganze Geographie verhunzt. Wie kann man einen afrikanischen König in die Südsee verbannen.
... und was passiert denn mit unserem Negerkuss, diese Herrschaften möchten daraus wohl einen Afrokuss machen? .. mir gruselts davor.
Die ganze politische Korrektheit ist bescheuert - nicht der Name ist entscheidend - sondern wie wir diese Menschen behandeln. Da haben wir allerdings oftmals ein großes Defizit.

23.01.2013
17:19
Sprachstreit um die kleine Hexe - Zensur in Kinderklassikern?
von heiland | #4

meine frage an alle für die das wort neger ein schimpfwort ist.

wie soll man andersfarbige nennen ?
wir sogenannten weissen sind doch auch farbig, oder ist weiss keine farbe ?

schwarze sind es ja auch nicht, sie sind doch braun, mal heller mal dunkler.
braune kann man sie auch nicht nennen, das hat einen beigeschmack der missverständlich sein könnte.
auf den frachtschiffen mit denen ich gefahren bin wurden sie die "bunten" genannt, das ist aber auch nicht das wahre ?
afrikaner sind es ja auch nicht immer, also, für mich ist das wort neger kein schimpfwort, aber ich lasse mich gern belehren !

23.01.2013
08:59
Sprachstreit um die kleine Hexe - Zensur in Kinderklassikern?
von hobbesdu | #3

Als nächstes geht es dem Zigeunerschnitzel an den Kragen. Politisch korrekt müsste es dann "Sinti- und Romaschnitzel" heißen...

21.01.2013
18:32
Sprachstreit um die kleine Hexe - Zensur in Kinderklassikern?
von prorevier | #2

Im deutschen Sprachgebrauch war und ist das Wort Neger nicht negativ belegt. Wer es benutzt will nicht beleidigen und darum geht es. Es bezeichnet völlig wertfrei einen schwarzen Menschen. Auch die Bezeichnung Negerkuss war nie abwertend gemeint und war eine gleichwertige Bezeichnung wie z.B. Amerikaner.
Das Wort Mohr war eher abwertend gemeint, wurde aber in der historischen Kunst häufig benutzt. Aus Gründen der Authentizität sollte man es nicht austauschen, aber auch nicht neu verwenden.

21.01.2013
18:02
Sprachstreit um die kleine Hexe - Zensur in Kinderklassikern?
von Hoffi65 | #1

...und die sich betroffen fühlen könnten lachen sich krank. Ich hatte einmal einen Arbeitskollegen aus dem Senegal, der mit dem Wort Neger gar kein Problem hatte und sich selber sogar mit dem zweiten G in der Mitte titulierte; alles natürlich mit einem Augenzwinkern. Politisch korrekt heißt hier in dem Fall doch nur, das man ja keinem auch nur ansatzweise auf die Füße treten darf und alle Eventualitäten ausschließen will. Dummes Gewäsch von einigen Wenigen, die damit ihre Daseinsberechtigung begründen. Man kann alles übertreiben.....

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