Spargelbauern aus Hagen hatten ein schlechtes Jahr

Grüner Spargel ist herber und würziger als weißer. Außerdem muss von ihm nur das untere Ende geschält werden. Allerdings ist erempfindlicher gegen Kälte.
Grüner Spargel ist herber und würziger als weißer. Außerdem muss von ihm nur das untere Ende geschält werden. Allerdings ist erempfindlicher gegen Kälte.
Foto: picture alliance / dpa-tmn
Was wir bereits wissen
Der größte Erzeuger in NRW arbeitet in Lippetal-Niederbauer. Beim weißen Spargel liegt die Ernte im Durchschnitt. Letzter Hersteller im Kreis Soest gibt auf.

Hagen.. Gut zwei Wochen noch. Dann ist alles vorbei. Zumindest offiziell. Am 24. Juni ist Johannistag, und dann endet traditionell die Spargelsaison. Mitten im Schlussspurt deshalb die Frage: Wie war die Saison? Die Antworten darauf fallen sehr unterschiedlich aus.

In Lippetal-Niederbauer sitzt der König des grünen Spargels. Marktführer in NRW. Seit 1988 baut Wilhelm Dieckmann-Großhundorf das in Deutschland noch immer ein wenig exotische Gemüse an. Auf zehn Hektar sandigem Boden und mit viel Begeisterung. Aber 2015 wird als sein bisher schlechtestes Jahr in die Bilanz eingehen. Schädlinge und die Witterung haben seine Ernte stark dezimiert.

Kalte Nächte bis Ende Mai

Ein generelles Problem? „Für den grünen Spargel schon“, bestätigt Ralf Große-Dankbar, Spargelanbau-Berater bei der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer. „Von Anfang April bis Ende Mai hatten wir noch sehr kalte Nächte. Und anders als der Bleichspargel ist der grüne Spargel nicht durch einen Erddamm und eine Folie geschützt.“ Die Folge: „Die Stangen sind teilweise abgefroren. Die platzen und werden dann weich – ein Frostschaden.“ Vom schlechtesten Jahr seit Jahrzehnten will er allerdings nicht sprechen.

Und dazu kommt noch etwas anderes: Der grüne Spargel hat zwar in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugelegt, vor allem in den Großstädten, macht aber noch immer weniger als zehn Prozent der Produktion aus. Und für den hierzulande beliebteren weißen Bruder war es ein ganz normales Jahr: „Wir liegen mengenmäßig im Durchschnitt“, sagt Große-Dankbar.

Kann das stimmen? Die Saison hat doch sehr spät begonnen. Ostern gab es noch keinen Spargel. „Der Ausreißer war eher das vergangene Jahr“, gibt der Spargel-Experte zu bedenken. 2014 habe die Ernte Anfang April begonnen, dieses Jahr Mitte April. Und das sei völlig normal.

„Wie soll man die genauen Pausenzeiten kontrollieren?"

Und was ist mit dem im Vorfeld groß diskutierten Problem der Lohnkosten, wegen des neuen Mindestlohns? „Die 8,50 Euro sind gar nicht einmal das Problem“, erläutert Große-Dankbar. viel schlimmer seien die begleitenden Aufzeichnungs- und Dokumentierungspflichten. „Den Arbeitsbeginn kann man ja noch gut aufzeichnen, aber wie soll man die genauen Pausenzeiten kontrollieren? Manche Betriebe haben dafür extra Leute eingestellt.“ Auch die Beschränkung der Arbeitszeit sei keineswegs der Wunsch der Saisonarbeiter.

Höhere Kosten gleich höhere Preise? So hatte man sich das im Vorfeld vorgestellt. Ob sie sich durchsetzen ließen, kann der Berater noch nicht sagen, die Zahlen liegen ihm noch nicht vor. Zufrieden ist er jedenfalls mit Saison-Verteilung und Verkauf: „Insgesamt ist 2015 durch ein ausgeglichenes Angebot-Nachfrage-Verhältnis gekennzeichnet.“

Nur sehr viel Regen könnte schaden

Im Kreis Soest allerdings ist das Angebot stark geschrumpft. „Wir haben keinen weißen Spargelbauern mehr“, sagt Petra Drees-Hagen vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband. Der letzte war Bernhard Schäfermeier aus Lippstadt-Niederedinghausen.

„Mit dem Mindestlohn ging es jetzt nicht mehr“, sagt er. „Wir haben ohne Folie angebaut und mussten deshalb zweimal am Tag stechen – das wird zu teuer.“ Er habe bereits von sechs Hektar auf drei reduziert und andere Aktivitäten begonnen: Seit 2009 betreibt man einen Campingplatz, schon länger einen Hofladen, und nun auch noch ein Hof-Café. „Die Familie hat Arbeit genug.“

Und wie wird das Finale? „Gut. Das Wetter soll ja erst einmal so bleiben“, sagt Ralf Große-Dankbar. Nur sehr viel Regen könne jetzt noch schaden. Ein wenig jedenfalls, „denn 80 Prozent sind bereits geerntet“, berichtet der Spargel-Fachmann.