Spanien statt Tunesien: Hochbetrieb in Südwestfalens Reisebüros

Touristen am Strand von Mallorca. Hierhin zieht es nun viele nach dem Terroranschlag von Tundesien.
Touristen am Strand von Mallorca. Hierhin zieht es nun viele nach dem Terroranschlag von Tundesien.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Nach dem Attentat in Tunesien buchen auch in Südwestfalen viele Reisende um. Begehrt, aber teuer sind Ziele auf den Balearen und Kanaren.

Hagen.. Hochbetrieb im Reisebüro – zu Beginn der Sommerferien kaum bemerkenswert. Jetzt kommen traditionell diejenigen, die für die zweite Ferienhälfte noch ein Last-Minute-Schnäppchen buchen möchten. So viele Anfragen wie an diesem Montag – das ist allerdings außergewöhnlich. Gefühlte hundertmal hat in dem kleinen Reisebüro „Mehrblick“ in Hagen allein am Vormittag das Telefon geläutet.

Hundert Prozent der Kunden, die hier in den vergangenen Monaten eine Tunesien-Reise gekauft hatten, wollen nun nach dem schrecklichen Attentat umbuchen, erklärt Geschäftsführerin Caroline Schäfer. „Das ist klar“, fügt sie hinzu. Bisher habe man die Zentren der Städte, große Plätze, touristische Attraktionen meiden können, wenn man sich um die Sicherheit sorgte. Doch nun nach dem Attentat sei deutlich geworden, dass Touristen auch am Hotelstrand gefährdet sein können, erklärt sie.

Alternative Spanien

Nach dem Terrorangriff am vergangenen Freitag haben die großen Reiseveranstalter wie Tui kostenlose Stornierungen und Umbuchungen angeboten. „Nun wollen alle in den westeuropäischen Raum: Balearen, Kanaren, Portugal – Hauptsache sicher“, berichtet Schäfer. Egal, um welchen Preis.

Kapazitäten gibt es dort. Wer allerdings noch ein Hotel bekommen will, der muss deutlich mehr bezahlen als bisher für die Tunesien-Reise veranschlagt. Draufgeschlagen haben die Anbieter nach dem Attentat nicht, „die Preise waren schon vorher ziemlich hoch“, so Caroline Schäfer. Jetzt noch etwas Gutes, nicht allzu Teures zu finden, so die Fachfrau, „das ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“. Und betont doch gleich, dass man in den vergangenen Jahren zum Beispiel in Ägypten bereits Erfahrung nach Attentaten habe sammeln können, so Schäfer. „Wir sind daran gewöhnt, schnell zu handeln. Wir kriegen das für die Kunden schon irgendwie hin.“

Auf Fuerteventura zum Beispiel. „Zu Top-Preisen“, sagt Marija Linnhoff vom gleichnamigen Reisebüro in Iserlohn. Zwei Wochen im Vier-Sterne-Hotel für 1000 Euro. „All in“, betont Marija Linnhoff. „Und direkt am Strand.“

Türkei und Bulgarien

Das gleiche Preis-Leistungs-Verhältnis wie in Tunesien gibt es derzeit insbesondere in der Türkei und in Bulgarien, so Ernst Hochstein. Bisher ist es dem Geschäftsführer des Arnsberger Reisebüros „El Mundo“ gelungen, alle Tunesien-Kunden auf andere Ziele umzubuchen. „Einer hat sich für Ägypten entscheiden“, wundert sich Hochstein selbst ein wenig.

Unsicherer als dort sei es in Tunesien auch nicht, gibt Marija Linnhoff zu bedenken. Sie will auch nicht generell von einem Urlaub in Tunesien abraten. „Man schadet dem Land“, sagt sie. Und so haben sich einige ihrer Kunden nun dafür entscheiden, trotz allem an ihren Reiseplänen festzuhalten.

Tipps für Griechenland

Keinen Weg zurück gibt es für die Griechenland-Urlauber. Reisen dorthin sind bereits im Winter häufig verkauft worden, so Linnhoff. Die dortigen Turbulenzen sind den Reiseveranstaltern nun aber kein Grund, den Touristen die Möglichkeit kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen einzuräumen. Schließlich sind Flug, Transfer, Hotels, meist auch die Verpflegung vorab bezahlt. Da brauchten sich die Urlauber keine Sorgen machen, heißt es aus den Reisebüros Südwestfalens.

Und für das Taxi, den Museumsbesuch oder den Rotwein in der Taverne empfiehlt Caroline Schäfer, genügend Bargeld mitzunehmen – und sicher im Hotelsafe zu deponieren. Dazu auch noch die Kreditkarte, die ihrer Überzeugung nach in Hotels weiter akzeptiert werde.

Im Übrigen, so hat Marija Linnhoff von Kunden aus Kos, Kreta und Rhodos per Handy-Botschaft erfahren, gebe es auf den Inseln an den Bankautomaten noch genügend Bargeld. Und in den Hotels freundliche Mitarbeiter, schließlich sei man gerade auf den Inseln wirtschaftlich von den Touristen abhängig. „Nur über Politik“, so die Reisebüro-Chefin, „würde ich nicht diskutieren.“