Sorge nach Hackerangriff nimmt bei Hagener Politikern zu

Der Reichstag in Berlin unter einem blauem Himmel. Bislang unbekannte Täter haben das interne Datennetz des Deutschen Bundestags attackiert.
Der Reichstag in Berlin unter einem blauem Himmel. Bislang unbekannte Täter haben das interne Datennetz des Deutschen Bundestags attackiert.
Foto: Gregor Fischer/dpa
Was wir bereits wissen
Nach dem Hackerangriff auf den Bundestag sind die südwestfälischen Abgeordneten in Sorge, wie eine Umfrage ergab. Gefordert werden erweiterte Sicherheitsstandards.

Berlin/Hagen.. Auch in der Bundeshauptstadt Berlin ist der Sommer eingekehrt. Natürlich gehört in diesen Tagen im Büro der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag der verstärkte Griff zur Wasserflasche zum Standard. Die Rechnung für den Durstlöscher überweist die Politikerin nicht mehr von ihrem Bundestagsrechner aus. „Das mache ich nur noch zu Hause“, sagt die Iserlohnerin. Eine ihrer Konsequenzen aus dem Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag.

Die Cyberattacke ist wahrlich kein Sommerloch-Thema im politischen Berlin. „Das ist für uns alle eine beunruhigende Situation“, sagt Cemile Giousouf (Hagen) von der CDU - die übrigens dienstlich bedingte Kontoüberweisungen weiterhin von ihrem Bundestags-Rechner aus macht.

„Man muss vorsichtig sein im weltweiten Netz"

SPD-Parlamentarierin Petra Crone findet kritische Worte: „Auch wenn ich weiß, dass Cyberattacken in der digitalen Gesellschaft passieren - ein Parlament darf nicht ausgespäht werden“, sagt sie und fordert höhere Sicherheitsstandards. Die Politikerin aus Kierspe hat sich abgewöhnt, Datenmengen auf Sticks zu speichern und mit nach Hause zu nehmen. „Man muss vorsichtig sein im weltweiten Netz“, sagt sie. „Dies gilt nicht nur für Abgeordnete, sondern für alle Menschen.“

Für den Hagener SPD-Abgeordneten René Röspel hat die unerfreuliche Angelegenheit ein Gutes: „Die Öffentlichkeit wird für das Thema Sicherheit in der digitalen Welt sensibilisiert.“ Schließlich lauerten vielerorts Gefahren: „Nehmen Sie mittelständische Unternehmen, deren Patente ausgespäht werden. Da droht ein riesiger wirtschaftlicher Schaden.“

Öffentlichkeit wird sensibilisiert

Ein Schaden ist auch möglich, wenn höchst vertrauliche Dokumente des Bundestages in die falschen Hände geraten. Aber da beruhigt Volkmar Klein (CDU, Siegen): „Verschlusssachen sind nur in der Geheimschutzstelle des Bundestages einzusehen. Sie liegen noch nicht einmal ausgedruckt vor.“

Apropos Papier: Der Siegener SPD-Abgeordnete Willi Brase hat seine eigene Art, mit vertraulichen Dingen umzugehen: „Die schreibe ich mit einem Kugelschreiber auf ein Blatt Papier. Der Inhalt landet dann nicht im Netz.“ In seinem Berliner Büro hat er einen Anschluss, wie er sagt, der nicht über das Bundestagsnetz läuft. „Mein Laptop ist schneller als das Bundestagsnetz.“

Brases Laptop ist mutmaßlich von der Bundestags-IT sicherheitsüberprüft. Eine Forderung, die Wolfgang Hellmich (SPD, Bad Sassendorf) nach dem „gezielten Angriff“ aufstellt, „der alles übersteigt, was in der Vergangenheit in Richtung deutscher Institutionen passiert ist“: Die Sicherheits­standards müssten deutlich erhöht und umfassend kontrolliert werden. „Das System ist nicht geschlossen. Da ist es möglich, dass Menschen Lücken ­bieten.“

Politiker arbeiten bereits an anderen Lösungen

Derweil wird Parteifreund Patrick Sensburg (Brilon) gefragt, was mit Daten und Dokumenten aus dem NSA-Untersuchungsausschuss ist. Die seien von Anfang nicht mit dem Bundestagsnetz verbunden gewesen, so der Vorsitzende. Sondern? „Da haben wir eine andere Lösung, aber die verrate ich Ihnen natürlich nicht.“ Man meint in diesem Moment durchs Telefon zu hören, dass Sensburg mit der Berliner Sonne um die Wette lacht.