Soester TV jubelt nach einer emotionalen Saison

Gute Stimmung herrschte im Soester Party-Bus.
Gute Stimmung herrschte im Soester Party-Bus.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Damit hatte kaum einer gerechnet: Die Handballer des Soester TV spielen auch in Zukunft in der 3. Liga. Mit einem Sieg in Zweibrücken sicherten sie sich den Klassenerhalt nach einer Saison voller Verletzungspech, mit Existenzängsten und einem Todesfall.

Soest..  Es ist dunkel dort draußen. Schwarze Nacht, tiefste Nacht. Nur ab und an stören blaue, gelbe oder grüne Tankstellenbeleuchtungen die Szenerie außerhalb des Busses, mit dem die Handballer des Soester TV auf dem Rückweg aus Zweibrücken sind. Die längste Reise der Saison - gut 400 zähe Kilometer sind es aus der Börde am Rande des Sauerlandes in die Westpfalz am Rande des Saarlandes - wird noch einige Stunden in Anspruch nehmen.

Und trotzdem schläft niemand.

Im Gegenteil.

„Das war der beste Termin für dieses Spiel und diese Tour“, sagt Max Loer im Nachhinein. Er sagt es lachend. Max Loer ist einer der Handballer des STV, die in ihren wahlweise schwarz-roten oder rot-schwarzen T-Shirts oder Trainingsjacken durch den innen schwach beleuchteten Bus schwanken, sich gegenseitig in den Armen liegen, Getränke zu sich nehmen und immer wieder ihre Soester Jubellieder anstimmen. Mit einem 27:21-Sieg beim SV 64 Zweibrücken hatten sie sich zuvor den direkten ­Klassenerhalt in der Staffel West der 3. Liga gesichert.

Die stimmungsvolle Fahrt zurück ist die Belohnung für den Triumph in einem Abstiegskampf-Krimi am letzten Saison-Spieltag. Alles wäre möglich gewesen für die Soester, die als Aufsteiger und Außenseiter gestartet waren - der Klassenerhalt, die Verlängerung in der Relegation oder die direkte Rückkehr in die Oberliga.

Müller stirbt bei Motorradunfall

„Wir haben es selbst in der Hand und wollen mit einem Sieg in Zweibrücken den Klassenerhalt schaffen“, sagte STV-Trainer Dirk Lohse im Vorfeld. Seine Spieler setzten die Anweisung um und sorgten für ein glückliches Ende einer Saison, die nicht nur Nerven kostete, sondern die Emotionen aller auf eine wilde Achterbahnfahrt schickte. „Es war wirklich alles dabei“, sagt Max Loer, einer der erfahrensten und ältesten Spieler. Loers Stimme senkt sich, als er spricht.

Denn als sei unfassbares Verletzungspech in weiten Teilen der Saison nicht genug für den familiär geführten und mit einem geringen Etat agierenden Klub gewesen, bedrohte zeitweise auch der eingeführte Mindestlohn die Existenz des Drittligisten. Der größte Schicksalsschlag traf Dirk Lohse, seine Mannschaft sowie die gesamte Handball-Abteilung des STV ­jedoch im Februar, als Abteilungsleiter Bernhard Müller bei einem Motorradunfall in Südafrika im Alter von 52 Jahren ums ­Leben kam. Sechs Jahre hatte der aus dem Sauerland stammende Unternehmer an der Spitze der Handballer gestanden. „Beim Heimspiel gegen den TV Korschenbroich (25:32) herrschte eine ziemlich schwierige Situation“, sagt Lohse rückblickend, „aber die Mannschaft ist beachtlich gut damit umgegangen.“ Im Eingangsbereich der Bördehalle hatte eine Art „Altar“ mit Kerzen und einem Bild von Bernhard Müller gestanden. „Das prägt sich ein“, erklärt Max Loer.

Siegesserie zum Schluss

Die Rückkehr einiger Langzeitverletzter, ein einsetzender Lerneffekt - dank fünf Siegen in Folge zum Saisonende gelang die kaum noch für möglich gehaltene Rettung. „Ich habe durchgehend darauf gehofft, dass wir beweisen, dass wir es können“, sagt Dirk Lohse. „Aber wir haben auch immer gesagt, dass die Teilnahme an der 3. Liga ein Abenteuer für uns ist.“ Eines, dessen Kapitel während der Busfahrt zurück aus Zweibrücken vor vielen geistigen Augen vorbeiziehen.

Als der Tross in Soest eintrifft, bricht ein neuer Morgen an. Es wird wieder hell für den STV.