Soester Hochspringer Falk Wendrich kehrt Wattenscheid den Rücken

Falk Wendrich startet seit dem 1. Januar wieder für LAZ Soest.
Falk Wendrich startet seit dem 1. Januar wieder für LAZ Soest.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Er gilt als das größte Nachwuchstalent im Hochsprung: Der Soester Falk Wendrich startete zwei Jahre für den TV Wattenscheid. Zum neuen Jahr jedoch kehrte der 19-Jährige zurück in die Heimat - er ist zurück beim LAZ Soest. Die ungewöhnliche Rückkehr - sie ist eine Herzensangelegenheit.

Soest..  Die rote Tartanbahn ist noch feucht vom fiesen Nieselregen der vergangenen Stunden. Außerdem schaukelt der dann und wann aufheulende Wind nicht nur die blattlosen Äste der hohen Bäume rund um die Sportanlage des Schulzentrums in Soest hin und her, sondern er vertreibt - oberflächlich betrachtet - an diesem kühlen Vormittag den letzten Rest Lust auf sportliche Betätigung. Falk Wendrich und Harald Bottin treten trotzdem heraus aus den schlichten weißen Garagen, die dem LAZ Soest teils als Kraftraum, teils als Lagerstätte für Trainingsmaterial dienen.

Wenige Augenblicke später starten Hochspringer Wendrich und sein Trainer Bottin in die geplante Übungseinheit - und zwar mit einer Begeisterung, die zufällige Beobachter ob der äußeren Bedingungen in Staunen versetzt. Doch genau dieses im Winter karge Umfeld, dieses einsame Trainieren fehlte dem 19-Jährigen in den vergangenen zwei Jahren. Es fehlte ihm sogar so sehr, dass sich Wendrich, eines der hoffnungsvollsten Talente Deutschlands, zu einem ziemlich ungewöhnlichen Schritt entschloss: Seit dem 1. Januar startet er wieder für seinen „kleinen“ Soester Heimatklub anstatt für den „großen“ TV Wattenscheid, den manche als „FC Bayern München der Leichtathletik“ bezeichnen.

Finanzieller Verzicht

„In Wattenscheid wurde alles für mich getan, dort hat man als Leistungssportler ein tolles Umfeld“, erklärt der Hochspringer später. Von der natürlich besseren finanziellen Unterstützung ganz zu schweigen. Aber trotzdem beschlich ihn bereits im vergangenen Sommer dieses komische Gefühl, erstmals kurz vor einem großen Wettkampf in Mannheim.

„Ich lag auf einer Liege, habe mich ausgeruht und plötzlich kamen die ersten Gedanken, wie es wohl wäre, wieder zurück nach Soest zu wechseln“, sagt Wendrich rückblickend. Und das Heimweh wurde von Tag zu Tag größer. „Es hört sich vielleicht kitschig an, aber die Herzlichkeit und die familiäre Atmosphäre beim LAZ haben mir gefehlt. In Wattenscheid herrscht nunmal eine gewisse Anonymität vor“, erklärt der Student, der weiterhin in Bochum wohnt und wie in den vergangenen Jahren auch mit Bundestrainerin Brigitte Kur­schilgen in Dortmund trainiert.

Harald Bottin hörte übrigens bereits vor einigen Monaten davon, dass seine Entdeckung zurück zu den Wurzeln kehren möchte. Von seiner Sprinterin Gina Lückenkemper, die ebenfalls zur nationalen Spitze im Nachwuchs gehört. „Aber ich habe ihr nicht so richtig geglaubt“, sagt der Trainer und schmunzelt. Seit Jahrzehnten ist Bottin im Geschäft und kennt die Wege der Talente. Falk Wendrich war schließlich nicht der erste Athlet, den das LAZ an einen größeren Klub mit besseren Bedingungen verloren hatte. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass er zu uns zurückkehrt. Aber es ist natürlich schön, so ein großes Talent wieder hier zu haben“, erzählt er nun und schaut zu dem 2,24-Meter-Springer, der bei der U20-WM in Eugene/USA Rang fünf belegte.

Wendrich lässt Hallensaison aus

Auf den Tag, an dem der Hochspringer wieder im Trikot des LAZ Soest abhebt, muss der Trainer allerdings noch warten. Auf die Hallensaison verzichtet Wendrich, um sich intensiver auf die Sommersaison vorzubereiten. „Ich möchte das mal ausprobieren und hoffe, dass ich so besser auf technische und konditionelle Ziele hinarbeiten kann“, sagt er. Training im Freien gehört dazu. Die Einheit an diesem Morgen am Schulzentrum sei sogar eine der angenehmeren, sagt 19-Jährige grinsend. „Wir waren auch wieder wie früher zum Bergtraining im Wald“, erzählt er, „bei strömendem Regen.“