Sirenen sollen wieder heulen

Hagen..  Jahrzehntelang galten sie als der letzte Heuler, nun sind die Sirenen wieder angesagt. Zehn Millionen Euro hat das Land den Kommunen zur Verfügung gestellt, ein Warnsystem für die Bevölkerung aufzubauen.

Nachdem drei Jahrzehnte lang Stille in der Stadt geherrscht hatte, muss Medienberichten zufolge zum Beispiel Münster auf 150 meist öffentlichen Gebäuden Sirenen installieren – für insgesamt 1,5 Millionen Euro. 130 000 Euro hat das Land zugeschossen. Millionen dürfte es wohl auch die Stadt Dortmund kosten, wieder Sirenen zu installieren. Nur 230 000 Euro gibt es aus dem NRW-Etat.

Hagen wird beneidet

Alles richtig gemacht hat man dagegen in Hagen. Jahrelang sei man von anderen Kommunen belächelt worden, so Gerd Sikowski von der Berufsfeuerwehr. Jetzt werde man um die 55 Sirenen im Stadtgebiet vermutlich beneidet. Damit alarmiert man in Hagen nach wie vor die Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr. Auch weil die alten Geräte weniger störanfällig seien als die moderne Technik, so Gerd Sikowski.

Ursprünglich hatte der Bund das Sirenennetz in Deutschland unterhalten, um die Bevölkerung vor einem Nuklearangriff zu warnen. Doch nach dem Ende des Kalten Krieges hielt die Regierung dieses Warnsystem für überflüssig – und bot den Kommunen die Sirenen zur Schenkung an. Hagen nahm das Angebot an, während man andernorts entweder gleich dankend ablehnte oder die Sirenen im Laufe der darauffolgenden Jahre nicht mehr nutzte.

Auch, weil der Unterhalt Geld kostet. 120 Euro wendet die Stadt Arnsberg zum Beispiel pro Jahr je Sirene auf. Denn auch hier setzt man nach wie vor auf die alte Technik. Das sei immer noch billiger, als weitere Funkmeldeempfänger für Hunderte Freiwillige Feuerwehrleute anzuschaffen. Ein solches Gerät koste etwa 500 Euro, rechnet Stadtsprecher Elmar Kettler vor. Und so heulen die Sirenen in Arnsberg immer in großen Schadensfällen, wenn viel Personal benötigt wird.

Stumm bleiben sie im Kreis Siegen-Wittgenstein, so Kreisbrandmeister Bernd Schneider, auch wenn die alten Pilze vielerorts noch auf den Dächern sprießen. Nun lässt der Kreis prüfen, ob sich die Sirenen wieder ertüchtigen und auf digitale Technik umrüsten lassen, erklärt Schneider. Oder ob es nicht vielleicht doch günstiger kommt, wenige neue Sirenen mit einer besseren Schallausbreitung anzuschaffen, ergänzt Matthias Ebertz, Siegener Stadtbrandmeister. Vielleicht aber seien in einem großen Flächenkreis wie Siegen-Wittgenstein mobile Sirenen auf Fahrzeugen eine bessere Lösung, überlegt Schneider.

Gewarnt werden sollen die Bürger mit dem neuen System zum Beispiel vor gesundheitsschädlichen Emmission nach Großbränden. Denn immer wieder hatte man in den vergangenen Jahren vor der Frage gestanden, wie man die Bevölkerung darauf aufmerksam machen konnte, Türen und Fenster zu schließen, im Haus zu bleiben. Um über Radio und Internet zu informieren, musste man die Bürger erst dazu bringen, die Geräte einzuschalten oder ins Netz zu gehen.

Neun Standorte

Ein Problem, vor dem man im Jahr 2009 auch beim Großbrand im Chemieunternehmen Weka in Iserlohn stand. In der Waldstadt hatte man nämlich längst die Sirenen abgeschafft. Nun will man voraussichtlich an neun Standorten im Bereich von so genannten Störfallbetrieben wieder welche einführen. So sieht es ein Konzept vor, das im Februar im Feuerwehrausschuss vorgelegt werden soll.

Dagegen muss man sich in Hagen derzeit nur darüber Gedanken machen, ob man die vorhandenen Sirenen auf Digitaltechnik umrüstet. Ob man vielleicht einzelne „alte Pilze“ gegen moderne Geräte austauscht. Oder ob man die Mittel vom Land in eine Aufklärungskampagne investiert, um die Bürger zu informieren, bei welchem Signalton sie das Radio einschalten müssen. Das nämlich ist auch in Hagen in Vergessenheit geraten. In jedem Fall komme man günstiger weg als Städte ohne Sirenen, hofft Gerd Sikowski.