Siegen in Angst vor dem Feuerteufel

Siegen..  Cindy Menn klappt die Autotür zu und einen roten Knirps auf. Mit einem mulmigen Gefühl lässt die 24-Jährige ihren alten Opel zurück. Ob er nach der Arbeit noch so da steht? „Was soll ich machen“, fragt sie. Die junge Frau arbeitet in Siegen und ist auf ihr Auto angewiesen. Der Parkplatz in der Nähe der Siegerlandhalle ist einer der wenigen kostenlosen in der Innenstadt und entsprechend voll. Der Feuerteufel schlug dort zuletzt am Sonntag bei einem A6 zu – er hält die ganze Stadt in Atem.

Der oder die Täter gehen offenbar wahllos vor. Weit mehr als 30 gelegte Feuer registriert die Polizei seit Silvester. Darunter mehr als 20 Fahrzeuge – alte Rostlauben, aber auch neue Modelle, Bullis, Wohnmobile. Stets zündelt er in den gleichen Ecken. Drei Feuer wurden auch auf dem Ikea-Parkplatz gelegt. Viele der Kunden dort trifft es unverhofft – sie kommen aus dem Westerwald, Olpe oder dem Märkischen und haben von dem Brandstifter bislang nichts gehört.

Die Polizei hat eine Ermittlungskommission eingerichtet. Ein junger Mann wurde letzte Woche vorläufig festgenommen. Da sich der Verdacht gegen ihn laut Polizei „nicht weiter erhärtet“ habe, wurde er wieder entlassen. Die Beamten sind unermüdlich im Einsatz.

Ein Streifenwagen rollt langsam durch die Gassen auf dem Parkplatz des Real-Marktes in der Eiserfelder Straße. Es riecht nach Hähnchen. Eine Frau in einem teuren Steppmantel räumt Katzenfutter in den Kofferraum. „Ich hoffe, dass die Polizei den bald schnappt“, sagt sie. „Es kann wirklich jeder sein. Deshalb kann man sich auch nicht schützen.“ Sie sei sehr in Sorge. Trotz Vollkaskoversicherung.

Auf dem Gelände wurden schon mehr als zehn Feuer gelegt. Zuletzt brannte am Freitag ein Kia. Die Besitzerin arbeitet bei Real. Anfang Januar hatte dort schon das Auto eines Kollegen gebrannt. Damals dachte noch keiner an einen Serientäter. „Das Auto ist wieder repariert“, erzählt der Geschädigte und pustet Qualm in die Luft. Zigarettenpause. Der Mann mit der blauen Krawatte und den freundlichen Lachfalten möchte nicht mit Namen in die Zeitung. Man wisse ja nie. „Bei so einem...“

Ausschau nach Verdächtigen

Auch rund um den Lebensmittelmarkt Dornseifer an der Leimbachstraße wurden Feuer gelegt. Vor einer Woche brannte mittags ein Van in der Tiefgarage. Einige Mitarbeiter würden sich kaum noch trauen, ihre Autos auf dem Gelände abzustellen, sagt der stellvertretende Marktleiter Manuel Rohner. Im Verhalten der Kunden sei bisher kaum eine Veränderung zu beobachten. Die Marktleitung patrouilliere nun regelmäßig draußen und habe abseits geparkte Autos im Blick. Nachts ist ein Sicherheitsdienst im Einsatz.

„Ich fühle mich unwohl, wenn ich abends zum Auto komme“, sagt ein Mann, der gerade eine Kiste Sprudel ins Auto hievt. Er arbeitet in der Nähe und mietet einen Stellplatz in der Tiefgarage. Er achte nun sehr auf seine Umwelt und präge sich Gesichter ein. Die Frau aus Netphen, die neben ihm parkt, zieht eine ganz andere Konsequenz: „Mein Auto bleibt über Nacht nicht in Siegen.“

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