Seit 25 Jahren intelligente DIAL-Lichttechnik in Lüdenscheid

Ein Herzstück der Entwicklungsschmiede „DIAL“: Im „Schwarzen Labor“ werden  Lichtwirkungen gemessen.
Ein Herzstück der Entwicklungsschmiede „DIAL“: Im „Schwarzen Labor“ werden Lichtwirkungen gemessen.
Foto: Matthias Graben
Seit 25 Jahren entwickelt die Firma „DIAL“ im sauerländischen Lüdenscheid intelligente Licht- und Gebäudetechnik – und hilft beim Energiesparen. In seinem „Schwarzen Labor“ testet und misst das Dienstleistungsunternehmen die Wirkung von Leuchten.

Lüdenscheid.. „Schwarzes Labor“ steht auf dem Türschild. Hört sich verdächtig nach Alchemistenküche an. Oder nach illegaler Produktionsstätte, Herstellung im Schatten des Gesetzes. Hinter der Tür empfängt tatsächlich: die Dunkelheit. Wände, Decke und Fußboden in dem schmalen, aber gut acht Meter langen Arbeitsraum sind tief schwarz.

Sie sollen alles Ablenkungslicht absorbieren, denn es würde stören: In seinem „Schwarzen Labor“ testet und misst „DIAL“ die Wirkung von Leuchten. Das Unternehmen, das vor 25 Jahren seinen Anfang als „Deutsches Institut für angewandte Lichttechnik“, kurz: DIAL, im Lüdenscheider Entwicklungs- und Gründerzentrum nahm, feiert jetzt Jubiläum als Dienstleister der Licht- und Gebäudetechnikbranche – mit Kunden weltweit.

Keine Lichtschalter,keine Telefonanlage

Lichtschalter? Gibt es bei DIAL nicht. Sensoren und Bewegungsmelder steuern die Beleuchtung der Büros und Seminarräume, sorgen mittags für helleres und in der einsetzenden Dämmerung für warmes Licht. Telefone? Ebenfalls Fehlanzeige. Alle Mitarbeiter arbeiten mit Smartphones, die auch die Eingangstür über eine hauseigene Vernetzung öffnen.

Heizung? Wird nicht benötigt; Wärmepumpen und Lüftungsanlagen sorgen für das Raumklima. Die Jalousien vor den Fenstern fahren automatisch rauf oder runter, je nachdem, welche Werte die Windmesser auf dem Gebäudedach oder die Lichtsensoren an Sonnenschein feststellen und an die Systemsteuerung übermitteln. „DIAL“ lebt mit seinem zwei Jahre alten Firmensitz im Lüdenscheider Bahnhofsumfeld, das gerade zum „Wissensquartier“ umgebaut wird. Seine Unternehmensphilosophie: „Bessere Architektur durch Licht und Automation“.

„Das Haus hat ein Nervensystem“, vergleicht DIAL-Geschäftsführer Dieter Polle die Gebäudetechnik bei „DIAL“ mit dem Steuerungssystem des menschlichen Körpers, das (Außen-)Reize weiterleitet und darauf - möglichst sinnvoll - reagiert. „Energie sparen durch Gebäudedämmung ist inzwischen ausgereizt. Der nächste Effizienzschritt geht nur noch über die automatische Steuerung der Gebäudetechnik“, stellt Andreas Bossow, stellvertretender DIAL-Geschäftsführer, fest und beschreibt damit das Geschäftsfeld des Unternehmens, das in den zurückliegenden Jahren beständig gewachsen ist und mit dem Schlagwort „Smart Building“ zusammengefasst wird: intelligente Architektur. Nicht der Letzte macht das Licht oder die Heizung aus – sondern das Haus selbst.

DIAL arbeitet dabei wie eine Entwicklungsschmiede: als Softwarehersteller, Wissensvermittler, Produkt- und Qualitätsprüfer. Mittlerweile beschäftigt DIAL 85 Mitarbeiter, Tendenz: steigend. Mit „sechs bis acht Auszubildenden, die in aller Regel übernommen werden“, erreicht das Unternehmen auch beim Nachwuchs eine erstaunliche Quote.

Kunden von DIAL sind Leuchten-Hersteller, Planer/Architekten, Installateure, also Anwender. „Das Werkzeug, das wir liefern, ist die Software“, erklärt Dieter Polle: „DIALux“ heißt das Lichtplanungs-Programm aus Lüdenscheid, das weltweit inzwischen in 189 Ländern eingesetzt wird. „Sogar im Vatikan“, wie Polle und Bossow feststellen. Mit „DIALux“ lässt sich die Wirkung einer ausgewählten Leuchte in einem Raum – egal ob Straßenkreuzung oder Büroarbeitsplatz – am Computer simulieren.

DIAL erforscht Leuchtmittel im "Schwarzen Labor"

Die dazu notwendigen Werte der Leuchten und Leuchtmittel ermittelt DIAL zuvor in seinen zertifizierten Labors: Im „Schwarzen Labor“ messen die Mitarbeiter, wie viel Licht aus einer Leuchte in welchen Raumwinkel fällt. Im „Weißen Labor“, unter dessen beweglicher Decke eine Vielzahl unterschiedlicher Lampen hängt, geht es um die Wirkung. Dort finden auch Seminare statt.

Etwa zur Shopbeleuchtung: Wie erzeugt Licht Aufmerksamkeit, wie strukturiert oder inszeniert Licht. In der Gebäudetechnik lernen Seminarteilnehmer, Bewegungs-, Wind-, Licht- und Temperaturfühler sinnvoll zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Das Dach über allem: „Triviale Einzelfunktionen zu einem funktionalen Gebäudesteuerungssystem zusammenzuführen“, erklärt Dieter Polle. Ein technisches Gesamtkonzept also. Mit dem Anspruch, sowohl die Ästhetik wie die Funktionalität zu bedienen. „Beide müssen sich nicht ausschließen“, sagt Polle. Und dann gerät der Diplom-Ingenieur, Fachrichtung Elektrotechnik, fast ins Philosophieren: „Am Ende setzt sich immer das Schöne durch.“

Der Freitagabend wird für die Sensoren und Steuersysteme von Licht, Luft und Wärme bei „DIAL“ zur Herausforderung: Im Atrium des Gebäudekubus findet die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Unternehmens statt. Dabei stellt sich allerdings eine Frage nicht: Wer als Letzter das Licht ausmacht. Das macht das Gebäude schließlich ganz von selbst.