Schwarz-gelbe Trauer und Wut

Dortmund..  In der „Fanwelt“ neben dem Stadion ist schon Ausverkauf. Der BVB-Schal muss raus für 14,95 Euro, das Kinder-T-Shirt ist ein Schnäppchen von 17,95, und auch der BVB-Schaumwein wird einem nahezu hinterhergeworfen. Besonders billig ist aber ein Buch geworden: Ganze 5,95 Euro erbittet der Verein noch für das „BVB-Jahrbuch 2014/2015“.

Wer weiß schließlich, ob es nach Spieltag 34 überhaupt noch jemand kauft? Außer vielleicht auf Schalke?

Es ist nur Winterschlussverkauf für Fanartikel und doch die pure Symbolik: Borussia Dortmund im freien Fall. 18. Letzter. „Zweite ­Liga, damit könnte ich nicht, das wäre, wie wenn ein geliebter Mensch stirbt“, sagt Ulli Ziegler. Am Tag nach der Niederlage ist der 25-Jährige erstmals überhaupt im Fanshop aufgetaucht, hat dort ­Hose und Pullover gekauft aus Trotz: „Dabei bin ich gar nicht der Fanartikel-Typ, ich hab’ eigentlich nur einen schwarz-gelben Schal, und den hat Oma gestrickt.“

„Wenigstens den Tabellenplatz gehalten“, vermerkten einige, doch langsam verlässt die Anhänger auch noch der (Galgen-)Humor. An diesem Morgen ist Schnee auf Dortmund gegrieselt, gemischt mit Fassungslosigkeit und einem nennenswerten Haufen Wut. „Ich könnte knallhart sagen, die verdienen zu viel Geld“, sagt Christiane Ufe, und Frank Wiegand meint: „Schaffste nix, kriegste nix.“ Man darf mal kommen sehen: Von „Scheiß Millionäre“ trennen die Mannschaft nur noch ein, zwei Niederlagen.

Für die Facebookseite „BVB 1 000 000“ schufen sie am Donnerstag einen neuen Kopf: eine Mannschaftsaufstellung, auf jeder Position statt eines Spielers ein Wort – „Kämpfen“. Und „stümperhaft“ oder „einen aufgescheuchten Hühnerhaufen“ nennen sie, was sie auf dem Platz sahen. „Traurig“, so Iris, „wenn man den Eindruck hat, dass es den Spielern egal ist.“

Montags live

Doch zurück noch mal auf die Strobelallee, zu Fanwelt und Stadion, wo jeder Slogan aus besseren Tagen plötzlich ein G’schmäckle hat: Die schwarz-gelben Reklamen einer Tresorfirma, „Hinten dicht machen“ und „Stark im Abschluss“? Und wie fühlt sich die Werbung des Fernsehsenders Sky an: „Hol dir die Aufholjagd!“ Über einen Bildschirm läuft „Spür das Adrenalin“ – das kann jedenfalls so stehen bleiben.

Da kommt noch Steve Arensdorf des Weges, der Luxemburger. „Das Spiel war schon ein bisschen krass, wie die Leute verarscht wurden. Ich glaube, mancher sieht sich in Gedanken schon bei Real spielen“, sagt der 39-Jährige. Er kommt seit 30 Jahren, muss sich frei nehmen für jedes Spiel unter der Woche. Und wird daran auch nichts ändern: „Höchstens nehme ich dann montags frei.“

Montags? Zweite Liga live.