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Schützenvereinen gehen die Schützenkönige aus

23.05.2012 | 20:00 Uhr
Grund zum Jubeln haben die Schützen längst nicht immer: In jedem dritten Verein gibt es offenbar Probleme, einen König zu finden. Foto: Focke Strangmann/dapd

Hagen/Meschede.   Wer Schützenkönig werden will, braucht zunächst ein ruhiges Händchen, um den Vogel zu treffen. Doch dann geht es vor allem um Zeit und Geld, denn als König hat man zahlreiche Verpflichtungen. So viele, dass etliche Schützenvereine Probleme haben, neue Könige zu finden.

Es war ein Volltreffer. Und das, obgleich die Damen nicht einmal abgedrückt hatten. Weil sich bei den St.-Josefs-Schützen Heinrichsthal-Wehrstapel zunächst kein männlicher Anwärter auf die Königswürde fand, stürmten am vergangenen Wochenende die Frauen den Platz unter der Vogelstange - und legten auf das Tier an. Mag sein, dass die Herren es so weit dann doch nicht kommen lassen wollten - jedenfalls haben die Mescheder Männer am Ende nach einer ernsten Krisensitzung doch noch ihren Schützenkönig gefunden.

Bernd Kenter heißt er, den „Glücklichen“ mag man ihm kaum nennen: „Bevor das Ding da oben bleibt...“, kommentierte er seinen Erfolg lapidar. Kein Einzelfall: Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren die Chancen des Vogels deutlich gestiegen, ungerupft davon zu kommen. „Es gibt manchmal, in einzelnen Fällen Schwierigkeiten, einen König zu finden“, bestätigt Addi Grooten, stellvertretender Bundesoberst des Sauerländer Schützenbundes. Bei einem Drittel der Bruderschaften gebe es mittlerweile Probleme, schätzt Rolf Nieborg, Sprecher des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften.

Der Schützenkönig kommt aus dem Nachbarort

Offenbar ebenso bei den St.-Hubertus-Schützen im Warsteiner Ortsteil Suttrop. Laut mag es zwar niemand sagen, aber auch hier ist in diesem Jahr die Königskür wohl so schwierig gewesen, dass der Regent nun aus dem Nachbarort Hirschberg kommt.

Immerhin hat bei den Suttropern überhaupt jemand den Vogel abgeschossen, selbst wenn es ein „Fremder“ war. Bei der Schützenbruderschaft St. Michael in Werl-Holtum dagegen hat der Vogel im Jahr 2005 das Feuergefecht überlebt. Damals fand sich kein Kandidat, der die Regentschaft übernehmen wollte. Das erste Mal in der über 300-jährigen Vereinsgeschichte - und bisher auch das einzige. Der Schock war heilsam: Nach der Krise 2005 hat es in jedem Jahr einen Thronfolger gegeben.

„Wir haben einiges verändert“, erklärt Brudermeister Michael Fehr genannt Hoberg. Früher habe es zwei Tage Umzug mit Parade gegeben, heute nur noch einen. Was bedeute, dass die Königin auch nur noch eine Robe brauche, nicht mehr zwei. „Das hat die Kosten in etwa halbiert“, schätzt der Brudermeister, fügt aber noch hinzu: „Es liegt nicht am Geld allein.“

Kreisschützenbund in Affeln

 

Einige Schützenvereine verzichten auf die Königin - aus Kostengründen

Weil ein solches Kleid mehrere tausend Euro kosten könne, feierten manche Bruderschaften nun ganz ohne Königin, erzählt Rolf Nieborg. Oder die Gemahlin dürfe schlicht im Kostüm erscheinen. Bei anderen Vereinen würde gesammelt oder würden Spardosen aufgestellt, um mit dieser Summe den Schützenkönig zu unterstützen. Und oftmals müsse der Vorstand als Regent herhalten, weil kein anderer wolle.

Von den Frauen allerdings möchten sich viele Vereine und Bruderschaften in Südwestfalen dennoch nicht aus der Bredouille helfen lassen. „Frauen dürfen nicht schießen, das ist in unserer Satzung nicht vorgesehen“, so Michael Fehr genannt Hoberg. Der Sturm der Damen auf die Vogelstange in Heinrichsthal-Wehrstapel bleibt also wohl ein Spaß.

Auch wenn die Schützenbruderschaft St. Antonius in Hallenberg-Braunshausen in diesem Jahr schon zum zweiten Mal ein offenes Schießen nur für die Frauen veranstaltet. Ein rosa Krönchen hat der Vogel auf dem Haupt, hält statt Apfel und Zepter ein Sektglas und eine Handtasche als Insignien.

Andernorts wird der Schützenkönig nur noch jedes zweite Jahr bestimmt

Abgeguckt haben sich das die Hallenberger bei den Nachbarn vom Schützenverein St. Hubertus in Medebach-Küstelberg. Während die Männer dort nur noch jedes zweite Jahr zum Schießen antreten, weil längst jeder in dem 200-Einwohner-Ort schon einmal Regent war, halten seit 2008 immer mehr Damen jährlich auf das Federvieh an. Aber nur, um mit diesen Festen die Vereinskassen aufzubessern; fünf Euro Schussgeld zahlen die Frauen in Braunshausen. In Küstelberg wird von den Einnahmen unter anderem die Schützenhalle in Stand gehalten, erzählt Vereinssprecherin Stefanie Koch.

Am „richtigen“ Königsschießen der Männer aber möchte sie gar nicht teilnehmen, selbst wenn die Herren sie ließen. Zu hohe Kosten, lässt sie durchblicken, aber auch zu große Verpflichtungen. Sie schätzt das Frauenfest „ganz ohne Kleid und ohne Zwang“. Es geht ihr nicht um das Zeremoniell, sondern allein um den Spaß.

Den allerdings haben die Männer letztlich auch irgendwie: „Am Ende“, erzählt Brudermeister Michael Fehr genannt Hoberg, „hat noch jeder König gesagt: Es war toll!“

Schützenfest-Freitag in Olpe

 

Nina Grunsky



Kommentare
24.05.2012
15:15
Schützenvereinen gehen die Schützenkönige aus
von Ibizagirl | #1

Hallo zusammen,
da ich auch eine der Frauen war die letzte Woche die „Vogelstange“ gestürmt habe, möchte ich mich zu dem Thema natürlich auch gerne zu Wort melden.
Also als erstes sollte das eigentlich gar keine Diskussion lostreten, wie sie jetzt entstanden ist. Es war lediglich ein Spaß um uns selber wie aber auch alle Besucher und Gäste unseres Schützenfestes zu erheitern und wie man so schön sagt „bei Laune zu halten“.

Als ehemalige Schützenkönigin möchte ich aber auch noch ein paar Sätze zu dem Inhalt des Artikels schreiben.

Sie schreiben hier „Zitat“ Weil ein solches Kleid mehrere tausend Euro kosten könne, feierten manche Bruderschaften nun ganz ohne Königin, erzählt Rolf Nieborg „Zitat Ende“

1 Antwort
Schützenvereinen gehen die Schützenkönige aus
von Ibizagirl | #1-1

Das kann und will ich so nicht bestätigen, auch ich habe zwei Kleider kaufen „müssen“ oder wie ich finde dürfen und selbst wenn ich beide Kleider zusammen rechne komme ich nicht auch mehrere Tausend Euro. Also ich denke mal da ist jedes Königspaar so flexibel um das so zu machen wie sie es gerne möchten. Natürlich kann man ganz ohne Frage sehr viel Geld auch für Kleider ausgeben, aber man MUSS es nicht.
Ich persönlich denke dass die Gründe nicht immer nur im finanziellen gesucht werden dürfen sondern auch viel mit der Identifizierung mit dem Vereine/der Bruderschaft/ etc. zu tun hat. Wenn man nicht richtig hinter der Sache bzw. dem Verein steht ist man vielleicht auch nicht unbedingt gewillt Aufgaben und Ämter zu übernehmen.

Ich kann nur sagen wir hatten ein tolles Königsjahr und ich möchte es auch nicht missen!
Schönen Gruß
Sonja Thamm

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