Schneiderheinze mit Drazek auf dem Weg zur WM-Medaille

Start in Winterberg: Bobpilotin Anja Schneiderheinze (vorn) und Anschieberin Annika Drazek.
Start in Winterberg: Bobpilotin Anja Schneiderheinze (vorn) und Anschieberin Annika Drazek.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Im Zweierbob der Damen liegt das Duo Anja Schneiderheinze/Annika Drazek bei der WM in Winterberg nach zwei von vier Läufen auf dem zweiten Platz.

Winterberg.. Ihre Schultern sind in eine Deutschland-Fahne gehüllt, als sie vorsichtig an das Absperrgitter tritt. „Anni“, ruft die Dame. Erst zaghaft, dann ein weiteres Mal etwas lauter. „Anni.“ Wenige Meter entfernt dreht sich Annika Drazek schließlich doch um, gibt ihrer Pilotin Anja Schneiderheinze einen kleinen Schubs und macht geschwind kehrt. Es folgt eine innige Umarmung über das Metallgitter, ein Bussi links, ein Bussi rechts. Die Dame ist Drazeks Mutter. „Schön, dass wir uns endlich mal kennen lernen“, sagt die hinzu eilende Schneiderheinze - und lacht herzlich.

Die ersten zwei Läufe der Weltmeisterschaft im Zweierbob der Frauen liegen hinter dem deutschen Duo. Es ist Halbzeit, am Samstag geht es in zwei weiteren Durchgängen um die Medaillen. Deshalb sprühen Schneiderheinze und Drazek ohnehin vor guter Laune, welche durch die (erwartbare) Familienzusammenführung noch gesteigert wird. Nach einem starken Auftakt liegen die zwei Damen auf dem zweiten Platz, nur geschlagen von der Amerikanerin Elana Meyers Taylor, die ihrer haushohen Favoritenrolle gerecht wird, erst einen Startrekord auf- und dann einstellt (zweimal 5,48 Sekunden) und zudem zweimal die Bahnbestmarke verbessert (56,65/56,64). Mit der Gesamtzeit von 1:53,29 Minuten besitzt Meyers Taylor einen komfortablen Vorsprung von 0,39 Minuten.

Nolte schiebt Szczurek auf Rang vier

„Der erste Lauf war fahrerisch super, im zweiten habe ich den Schlitten einfach runter knallen lassen“, sagt Schneiderheinze, die Pilotin aus Erfurt. „Mit dem Start sind wir insgesamt sehr zufrieden“, ergänzt Drazek, die Anschieberin aus Winterberg. Ihr Ziel für Samstag? „Angriff!“, antwortet Schneiderheinze blitzschnell und ergänzt allerdings mit Blick auf die geringen Abstände zu den folgenden Plätzen: „Wenn wir keine Medaille holen, heule ich.“

Die, die hinter Schneiderheinze/Drazek lauern, tragen jedoch ebenfalls diese gelb dominierten Jacken, an denen die deutsche Mannschaft von weitem zu erkennen ist. Cathleen Martini/Stephanie Schneider (Oberbärenburg/Meiningen) und Stefanie Szczurek/Erline Nolte (Oberhof/Winterberg) belegen die Plätze drei und vier und lassen Bundestrainer Rene Spies sehr zufrieden auf den Auftakt an der Kappe zurückschauen. „Das war sehr gut“, sagt er, „das war mehr als wir erwartet haben.“

Bob-WM Während Schneiderheinze bei der Hatz durch den ihr so bekannten Eiskanal im Rahmen der Erwartungen fährt, imponieren besonders die Auftritte von Martini und Szczurek, die von der Winterbergerin Erline Nolte angeschoben wird. „Das war ihr bestes Rennen der Saison“, lobt Rene Spies das Duo Szczurek/Nolte. Zwar grinst die Anschieberin im Zielbereich über das gesamte Gesicht, allzu hoch will sie die Erwartungen jedoch nicht schrauben. „Es war erst der erste Teil. Es kommen noch zwei Läufe“, erzählt Nolte. „Und von denen, die hinter uns liegen, können viele nochmal einen klasse Lauf raushauen.“

Gold ist (fast) vergeben

Die starken Amerikanerinnen Jazmin Fenlator und Jamie Greubel Poser etwa, oder die Kanadierin Kaillie Humphries. „Es ist auf jeden Fall möglich, Medaillen zu holen“, sagt Rene Spies. Der Tag Pause gefällt ihm: „Ich finde das gut. Wir können durchatmen und regenerieren. Die, die hinten dran sind, müssen grübeln. Aber wir müssen nicht grübeln.“ Die Goldmedaille, die sieht Spies jedoch bereits vergeben: „Da muss bei Elana schon einiges schief gehen.“