Das aktuelle Wetter NRW 18°C
Konjunktur

Schmiede-Industrie – einem Drittel droht Kurzarbeit

24.01.2016 | 08:56 Uhr
Schmiede-Industrie – einem Drittel droht Kurzarbeit
Einem Drittel der Schmieden, die an die Maschinenbauindustrie liefern, droht Kurzarbeit.Foto: Oliver Mengedoht

Südwestfalen.   Die Konjunktur in der Schmiede-Industrie ist gespalten: Autozulieferer sind gut ausgelastet, Lieferanten an den Maschinenbau müssen kämpfen.

Gespaltene Konjunktur - wenn Wirtschaftsexperten davon reden, klingt das nicht immer verständlich. Ein Praxisbeispiel: „Gut ein Drittel der Schmieden in Deutschland, die an die Maschinenbauindustrie zuliefern, haben in Teilbereichen bereits Kurzarbeit eingeführt oder beschäftigen sich mit dem Gedanken daran“, sagt Holger Ade, Abteilungsleiter Betriebswirtschaft beim Industrieverband Massivumformung in Hagen, der die Schmieden vertritt.

Schwache Auftragslage

„Das sind zehn Prozent des Gesamtmarktes - alles Maschinenbauzulieferer.“ Grund: Die schwache Auftragslage. Ein Alarmzeichen. Denn Südwestfalen ist eine Region der Schmieden. 20 Prozent der deutschen Schmiedeindustrie sind in der Region ansässig - mit Schwerpunkt im Märkischen Kreis. Die amtliche Produktionsstatistik weist für die ersten drei Quartale des vergangenen Jahres einen Produktionsrückgang um real 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus.

Wirtschaft
Märkische Metall- und Elektroindustrie verhalten optimistisch

Die Erwartungen in der Metall- und Elektroindustrie des Märkischen Arbeitgeberverbands haben sich eingetrübt, bleiben aber auf hohem Niveau.

Aber nicht allen Schmieden geht es schlecht - Stichwort gespaltene Konjunktur. „Diejenigen, die an die Autoindustrie zuliefern, sind bei stabilen Wachstumsraten gut ausgelastet, und teilweise mehr als das“, ergänzt Ade. Überauslastung sei auch nicht gut. Das habe man alles schon gehabt. Geschmiedet werden Auto- oder Maschinenbauteile, die im Alltagsbetrieb hohen Belastungen standhalten müssen - das ist teurer, aber sicherer.

Seit längerem kostengünstige Rohstoffe etwa behindern den Absatz von Bergbaumaschinen, mit denen diese Rohstoffe abgebaut werden. Deutliche Überkapazitäten gibt es an Stahlwerken auf der ganzen Welt - Anlagenbauer wie SMS in Hilchenbach bleiben auf ihren Produkten sitzen. In diesem Jahr ist wohl noch keine Änderung zu erwarten. „Der Ausblick auf das Jahr 2016 fällt angesichts der Erwartungen der wichtigsten Kunden der Massivumformung in Deutschland verhalten optimistisch aus“, teilt der Geschäftsführer des Industrieverbandes, Tutmann, mit. „Nur“ wäre zu ergänzen.

Konjunktur
Auftragseingänge: Firmen in Südwestfalen in Sorge

Eine Umfrage der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen lässt eine „Konjunkturberuhigung“ erwarten.

Stagnation erwartet

Den Angaben zufolge erwartet der Verband der Autoindustrie ein Produktionsplus von einem Prozent, der Maschinenbauverband geht von Stagnation aus. Innovationen sind gefragt und sollen Tutmann zufolge in den Kundenprodukten für „echten Mehrwert“ sorgen. Etwa das Thema Leichtbau. „Bei der Autozulieferung ist der Aufwand, dort weitere Fortschritte zu erzielen, inzwischen sehr groß“, sagt Holger Ade. 42 Kilo Gewicht ließen sich Berechnungen zufolge bei Pkw noch einsparen. Bei Landmaschinen, Förderfahrzeugen, Staplern wohl deutlich mehr.

Bleiben die Betriebe in Deutschland angesichts der hohen Energiekosten? Ade zeigt sich skeptisch: „Wenn eine Schmiede eine Investitionsentscheidung treffen muss und schon einen Auslandsstandort hat, erfolgt die Investition in der Regel im Ausland - das bekommt ja keiner mit.“

Stefan Pohl

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Raser-Unfall am Landgericht Hagen
Bildgalerie
Polizei
Scheunenparty 2016 in Eisborn
Bildgalerie
Volles Haus
Kunstgemälde im Osthaus-Muesum
Bildgalerie
Ausstellung
Kanupolo beim KC Wetter
Bildgalerie
Bundesliga
article
11487403
Schmiede-Industrie – einem Drittel droht Kurzarbeit
Schmiede-Industrie – einem Drittel droht Kurzarbeit
$description$
http://www.derwesten.de/region/sauer-und-siegerland/schmiede-industrie-einem-drittel-droht-kurzarbeit-id11487403.html
2016-01-24 08:56
Sauer und Siegerland