Schalkes Choupo-Moting ist ein Mann ohne Nerven

Drin ist er: Eric Maxim Choupo-Moting traf hier zum 4:3 per Elfmeter. Foto: Getty
Drin ist er: Eric Maxim Choupo-Moting traf hier zum 4:3 per Elfmeter. Foto: Getty
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
Eric Maxim Choupo-Moting ließ den FC Schalke 04 in der Champions League jubeln, weil er Klaas-Jan Huntelaar den Ball abschwatzte. Dann traf mit seinem bislang emotionalsten Tor für die Königsblauen zum 4:3 gegen Sporting Lissabon. Aber er warnte auch.

Gelsenkirchen.. Dieser Augenblick barg so viel Gefahr, so viel Rückschlag-Potenzial in sich, dass selbst ein erfahrener Mann wie Horst Heldt nicht hinschauen mochte. „Diesmal war die Dramatik zu groß für mich“, sagte der Manager des FC Schalke 04 später. Als er wieder lachen konnte, weil seine Königsblauen dieses verrückte Heimspiel der Champions League gegen Sporting Lissabon (4:3) doch noch gewonnen hatten.

In der dritten Minute der Nachspielzeit zeigte Schiedsrichter Sergei Karasev zur Überraschung aller auf den Elfmeterpunkt. Ein Handspiel von Lissabons Jonathan Silva im eigenen Strafraum wollte einer seiner Torrichter gesehen haben - und Karasev ließ sich binnen Sekunden überzeugen. Ein Irrtum.

Aber plötzlich lag sie da, die Chance für den FC Schalke 04, eine zuvor spielerisch mal gute, mal dürftige und in der Verteidigung teilweise hanebüchende Vorstellung durch einen einzigen Schuss mit drei Punkten zu belohnen. Mit drei Punkten, welche die Tabellensituation in der Gruppe deutlich entspannten, welche den Ärger über die trotz fast 60-minütiger Überzahl noch hergeschenkte 3:1-Führung linderten, und welche dem neuen Trainer Roberto Di Matteo auch international einen ordentlichen Start schenkten.

Kleiner Fortschritt statt Rückschritt

Splitter Einer allerdings blendete die Last dieser drei Punkte einfach aus. Mehr noch: Eric Maxim Choupo-Moting schwatzte Klaas-Jan Huntelaar sogar noch den Ball ab. Er, der 25-Jährige, der erst im Sommer aus Mainz nach Gelsenkirchen gewechselt war, redete Schalkes international erfahrenem Torjäger Nummer 1 aus, seinen zweiten Treffer an diesem Abend erzielen zu wollen. „Eric kam und hat gesagt, dass er schießen will, um seinen Fehler auszubügeln“, erzählte der 31-jährige Niederländer später und witzelte: „Ich weiß nicht welchen, vielleicht hat er auch gar keinen gemacht...“ Der „Hunter“ überließ „Choupo“ nach kurzem Widerstand dennoch den Ball - und bereute dies nicht.

„Ich habe mich gut gefühlt“, erzählte Choupo-Moting irgendwann kurz vor Mitternacht, als er wie alle Schalker gemäß der neuen Kleiderordnung im schicken Anzug die Arena verließ. „Der Drang, den Sieg holen zu wollen, war größer als der Gedanke daran, dass es in die Hose gehen könnte“, sagte er. Und lachte. Erleichtert. Weil ihm vielleicht erst in der Kabine bewusst geworden war, was dieser Treffer für seinen Klub bedeutete, welche Last auf ihm gelegen hatte. Durch seinen Schuss wurde die Partie nicht zum Rückschritt, sondern zu einem weiteren kleinen Schritt nach vorne.

Analyse Für Choupo-Moting war sein insgesamt viertes Tor für Schalke das erste in der Champions League - sowie das bislang emotionalste. Und das, obwohl er überraschend nicht in der Startelf gestanden hatte, weil Di Matteo Chinedu Obasi eine Chance gab, sich zu zeigen. „Das Kollektiv ist für den Trainer wichtig. Er ist noch nicht lange da, muss sich ein Bild machen, aber im Drei-Tages-Rhythmus für die Leute entscheiden“, sagte Horst Heldt zu dieser Entscheidung. Als Kevin-Prince Boateng zur Pause angeschlagen ausgewechselt werden musste, begann auch für Choupo-Moting endgültig ein denkwürdiger Abend. Einer, an dem er sein Defensivverhalten vor Lissabons Ausgleich zum 3:3 kritisch sah. „Deshalb hatte ich das Gefühl, der Mannschaft etwas zurückgeben zu müssen“, sagte er - und machte diesen „Fehler“ als Argument in der Debatte mit Huntelaar geltend.

Fehler analysieren und abstellen

So selbstbewusst und selbstkritisch wie der 31-fache Nationalspieler für Kamerun gaben sich nach dem Schlusspfiff alle Schalker. „Wir haben uns den Sieg über 93 Minuten verdient, auch wenn wir uns zwischenzeitlich stümperhaft angestellt haben“, sagte etwa Kapitän Benedikt Höwedes.

Vor dem Liga-Duell mit Bayer Leverkusen am Samstag muss sich besonders die Schalker Abwehr steigern. „Wenn wir die Fehler gegen Leverkusen machen“, sagte Choupo-Moting, „werden wir viel nach hinten schauen und nicht so glücklich wie heute aus dem Stadion gehen.“ Sprach’s und verschwand. Nicht allerdings, ohne im Weggehen grinsend zu hinterlassen: „Wir werden die Fehler vermeiden.“