SC Paderborn: Siegen wie einst im Aufstiegs-Finale

Uwe Hünemeier zeigt die Marschrichtung an: Der SCP will noch auf den Relegationsplatz.
Uwe Hünemeier zeigt die Marschrichtung an: Der SCP will noch auf den Relegationsplatz.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Uwe Hünemeier und der SC Paderborn gehen als abgeschriebener Außenseiter in den letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga. Doch die Paderborner glauben fest an einen Heimsieg gegen den VfB Stuttgart - die Erinnerung soll helfen.

Paderborn..  Als Uwe Hünemeier diesen Satz ausspricht, huscht dem Fußballer des SC Paderborn 07 ein Lächeln über die Lippen. Ein flüchtiges. Seine Worte nehmen zig Mikrofone auf, drei Fernsehkameras sind auf den jungen Mann in der kurzen schwarzen Sporthose und der blauen Trainingsjacke gerichtet. Hünemeiers Füße stecken noch in seinen leicht verdreckten Fußballschuhen, seine Arme verschränkt er wie bei einem Appell hinter dem Rücken.

Keine falsche Äußerung - darauf konzentriert sich Hünemeier. Niemand soll sich provoziert fühlen, niemand ein Zitat von ihm als Motivationshilfe in die Kabine hängen können. Er ist der Kapitän der Ostwestfalen, die als Tabellenletzter am kommenden Samstag, wenn der VfB Stuttgart zu Gast in der Benteler-Arena ist (15.30 Uhr), Teil des wohl dramatischsten Abstiegskampfes der vergangenen Jahre in der Fußball-Bundesliga sind. Und Hünemeier gibt den Takt vor, auch fern des Rasens.

Lächelnde Botschaft

Doch mitten hinein in allgemeine Aussagen, in das einem Abwehrspieler wie Hünemeier liegende verbale Defensivverhalten, platziert der 29-Jährige eine Botschaft - und lächelt dabei. Dass die Paderborner gegen den VfB gewinnen wollen, um noch auf den Relegationsplatz zu springen, wenn der Hamburger SV parallel nicht gegen den FC Schalke 04 gewinnt - das ist selbstverständlich und nicht die Botschaft. Uwe Hünemeier sagt: „Wir wissen, dass viel auf dem Spiel steht. Aber dass wir in solchen Spielen unseren Mann stehen können, haben wir in der vergangenen Saison bewiesen.“

Während die Fachwelt sich einig ist, dass der kleine SC Paderborn 07, dieser Überraschungs-Aufsteiger mit dem niedrigsten Etat aller Erstligisten, dieser von der ersten Saison-Minute an erste Kandidat auf den Abstieg, ohnehin gegen die Schwaben verliert und wieder in die 2. Bundesliga fällt, denken Hünemeier und Co. ganz anders. Und dabei hilft die Erinnerung an die vergangene Zweitliga-Saison, an den Aufstiegskrimi im Mai 2014.

Damals mussten die Paderborner am 34. Spieltag ihr Heimspiel gegen VfR Aalen gewinnen, um im Fernduell mit Greuther Fürth den zweiten Platz zu behaupten. Nach neun Minuten lag der SCP mit 0:1 zurück, nach 21 Minuten stand es durch Tore von Marc Vucinovic und Mario Vrancic 2:1 - und dabei blieb es. Es folgte eine schwarz-blaue Jubelfeier, die Paderborn zu Partyborn machte.

Die Party macht Pause, aber sie soll am Abend des 1. Juni wieder durchstarten. Wenn der SCP nach dem Sprung auf Relegationsplatz 16 und dem Hin- und Rückspiel gegen den Tabellendritten der 2. Bundesliga in das zweite Jahr seiner Erstklassigkeit geht.

„Wir haben eine großartige Saison gespielt, die wir am letzten Spieltag krönen wollen“, sagt Trainer Andre Breitenreiter wenige Augenblicke später, nachdem Uwe Hünemeier den Platz vor der Werbewand geräumt hat, in die Kameras und Mikrofone. Und: „Wir haben nicht mehr alles in der eigenen Hand, aber die Möglichkeit, die Sensation zu schaffen. Das hat uns vor der Saison keiner zugetraut.“

Mental starke Auftritte

Weil seine Mannschaft in den zurückliegenden Spielen mental stark auftrat, spielerisch durchaus überzeugte und lediglich das Toreschießen vergaß, verzichtet Breitenreiter auf Trainingslager-Folklore oder andere Maßnahmen. Er lässt an diesem Mittwochvormittag, in der letzten öffentlichen Einheit vor dem Spiel, Torabschlüsse trainieren und verbreitet gute, positive Laune.

Nur einmal staucht er sein Team lautstark zusammen. Zu viel Hacke, Spitze, eins, zwei, drei - das gefällt Breitenreiter nicht. In diesem Augenblick offenbart sich, dass Klubs wie der Hamburger SV oder der VfB Stuttgart vielleicht deutlich mehr unter Druck stehen, die Nerven beim SCP aber ebenfalls angespannter sind, als es öffentlich sichtbar werden soll. „Wir haben das Endspiel in der vergangenen Saison auch gewonnen“, sagt Breitenreiter ebenso selbstbewusst wie Hünemeier. Das ist die Botschaft: Der Außenseiter glaubt an sich - auch wenn im Idealfall noch drei Endspiele auf ihn warten.