Rouven Schröder will mit Werder die Party des BVB entern

Bremer Erfolgsduo: Rouven Schröder (links) mit Trainer Viktor Skripnik. Foto: Imago
Bremer Erfolgsduo: Rouven Schröder (links) mit Trainer Viktor Skripnik. Foto: Imago
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Was wir bereits wissen
Der Sauerländer Rouven Schröder ist seit Saisonbeginn Direktor Profifußball bei Werder Bremen. Am Samstag sind die Norddeutschen zum Bundesligafinale zu Gast in Dortmund. Schröder spricht über den BVB, die Europa League und blaue Lagunen.

Bremen..  Ruhe und Erholung sind für Rouven Schröder in diesen Tagen Fremdworte. Ständig ist der gebürtige Sauerländer unterwegs. So kurzfristig ereilen ihn als Direktor Profifußball beim Bundesligisten Werder Bremen die Termine, dass der 39-Jährige auch mal spontan einen Flug ins benachbarte Ausland benötigt. Im Interview spricht er über das Saisonfinale bei Borussia Dortmund, Werders Möglichkeiten und die Wahrscheinlichkeit, unbekannte Spieler mit Potenzial vor allen anderen zu entdecken.


Frage: Herr Schröder, wartet am kommenden Samstag in Dortmund eine Art Halbfinale um die Teilnahme an der Europa League auf den SV Werder Bremen?
Rouven Schröder: (hüstelt) Wir haben uns in der Vergangenheit immer dadurch ausgezeichnet, schön auf dem Teppich und demütig zu bleiben. Wir spielen vor über 82 000 Zuschauern im ausverkauften Signal-Iduna-Park und Jürgen Klopp wird seinen Abschied vom BVB feiern – das wird ein Nachmittag voller Emotionen. Unsere Jungs sollen dieses Erlebnis genießen und, natürlich, alles raushauen.


Ein Auswärtssieg bei Borussia Dortmund, ein Erfolg des VfL Wolfsburg eine Woche später im Finale des DFB-Pokals gegen den BVB – und Ihr Klub spielt statt der Dortmunder nächste Saison international.
Wir fahren gewiss nicht nur nach Dortmund, um gute Gäste zu sein. Warten wir mal das Spiel ab und wenn wir Ende Mai irgendetwas zu feiern haben, können wir darauf anstoßen.


Sie scheinen sehr gelassen zu sein. Hängt Ihre Arbeit, die Kaderplanung, nicht davon ab, ob Werder in der nächsten Saison in der Europa League spielt?
Wir planen unabhängig. Wir können doch glücklich und zufrieden sein, uns rechtzeitig aus dem Tabellenkeller befreit zu haben, so eng wie es dort zugeht. Trotzdem möchten wir das letzte Spiel der Saison gewinnen.


Werder war wie der BVB übrigens auch mal Tabellenletzter in dieser Saison.
Niemand hätte damals zu träumen gewagt, dass wir nochmal in die Situation kommen, in der wir jetzt sind und Chancen auf den Einzug in die Europa League bestehen.


Es scheint allerdings, als ob speziell Sie wenig Zeit zum Genießen hätten. Ist der Direktor Profifußball mit den Schwerpunkten Kaderplanung und Scouting derzeit besonders im Stress?
(lacht) Durchschnaufen kann ich erst ab dem 1. September, wenn das Transferfenster wieder geschlossen ist. Für zwei oder drei Wochen ist es dann ruhiger, bevor es heißt: Ja, was können wir denn im Winter tun? Wir beobachten den Markt eigentlich ständig.


Sie gelten als einer der besten Scouts der Liga.
Ach, das müssen andere beurteilen. Ich versuche, den bestmöglichen Job zu machen und möglichst viele Spiele live zu sehen. Wir haben ein gutes Scouting-Team beim SV Werder, das insgesamt eine tolle Arbeit liefert.


Können Sie sich eigentlich ein Fußballspiel nur aus Spaß an der Freude anschauen?
Grundsätzlich ja. Aber ich ertappe mich ziemlich oft dabei, wieder analytisch zu denken und zu überlegen, ob dieser oder jene Spieler in die eigene Kaderplanung passen könnte.


Müssen Sie ein Experte für gute, aber gleichzeitig günstige Spieler sein?
Wir sind in einer Nische, in der wir auf Spieler mit Entwicklungspotenzial und nicht auf komplett fertige Spieler setzen. Die Summen sind in der Bundesliga derart nach oben geschnellt, dass wir bei gewissen Zahlen einfach aussteigen müssen. Das ist bekannt und auch kein Problem.


Träumen Sie davon, mal einen Transfer a la Mario Götze zu tätigen, der für 37 Millionen Euro vom BVB zum FC Bayern ging?
Es wäre sicherlich reizvoll, mit Werder Bremen mal mehr Geld auszugeben. Aber wir haben finanzielle Rahmenbedingungen und an diese müssen wir uns halten. Die Verpflichtung von Anthony Ujah vom 1. FC Köln zum Beispiel ist ein Top-Transfer für uns. Er ist als Stürmer reizvoll und hat seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen.


Anthony Ujah kommt aus der Bundesliga. Gibt es heutzutage noch geheime Märkte, etwa im benachbarten Ausland?
Mittlerweile ist jeder Verein so gut aufgestellt und durch Scoutingportale im Internet ist man quasi weltweit informiert – ich glaube nicht, dass es noch eine blaue Lagune gibt, in der ein Verein alleine fischen kann.


Ihr Kollege Jörg Schmadtke fand während seiner Zeit bei Hannover 96 den damals unbekannten Stürmer Didier Ya Konan beispielsweise in Norwegen, wo Spieler mit Potenzial für die englische Premier League geparkt wurden.
Das stimmt. Es gibt immer wieder Tendenzen. Mal sind Spieler aus Asien, mal aus Afrika interessant. Zeitweise beobachteten viele den polnischen Markt. Aber glauben Sie mir, jeder Verein weiß, wo es solche angeblich geheimen Talente gibt.


Ohne gewichtige finanzielle Argumente im Gepäck zu haben - geht es also darum, schneller als die anderen zu sein oder ein besseres Netzwerk zu haben?
Natürlich ist es wichtig, ein breites Netzwerk zu haben und es zu pflegen. Dazu kommt aber auch respektvoll und verbindlich miteinander umzugehen. Außerdem darf man nie sauer sein, wenn sich ein Spieler anders entscheidet. Jannik Vestergaard (wechselte im Januar 2015 von 1899 Hoffenheim nach Bremen, d.Red.) kam auch erst im zweiten Anlauf.


Sie informieren sich über die verschiedensten Kanäle über einen Spieler, Sie beobachten ihn, Sie sprechen mit seinem Berater – und dann?
Dann kommt es zu einem persönlichen Gespräch, in dem wir herauszufinden versuchen, was für ein Typ Mensch uns gegenüber sitzt. Schaut er uns in die Augen, schaut er auf den Boden - und so weiter und so fort. Das ist wie ein Personalgespräch in jedem anderen Unternehmen.


Den Vertrag von Franco Di Santo möchte Werder über 2016 hinaus verlängern, der Spieler ziert sich. Wie viele Personalgespräche gibt es in diesem Fall noch?
Wir sind im ständigen Austausch mit Franco und seinem Berater, um ständig auf dem neuesten Stand zu sein. Für uns ist das eine sehr, sehr wichtige Entscheidung, die die nächsten Schritte in der Kaderplanung bestimmt.