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Rodeln, Weltcup in Winterberg

Rodlerin Corinna Martini hat "nichts mehr zu verlieren"

17.01.2013 | 19:51 Uhr
Rodlerin Corinna Martini hat "nichts mehr zu verlieren"
Will in Winterberg jubeln: Corinna Martini.

Winterberg.   Eigentlich sollte das Rennen auf ihrer Heimbahn die Generalprobe für die Weltmeisterschaft in Whistler werden, doch nach ihrer Ausbootung durch den Bundestrainer ist der Weltcup in Winterberg der Saisonhöhepunkt für Rodlerin Corinna Martini.

Der Regen, der ist das Problem. Er fällt ungehindert in die riesige Eisrinne, friert fest, verändert das Profil der Bahn. Seit Weihnachten sind bis zu zehn Mitarbeiter der Bahncrew damit beschäftigt, die Spur, durch die die Schlitten beim Rodel-Weltcup in Winterberg am Wochenende mit Höchstgeschwindigkeit schießen werden, zu präparieren. „Es sind noch ein paar Unebenheiten drin“, sagt ­Corinna Martini (27) nach ihren ersten Trainings-Eindrücken. Und wenn es eine wissen muss, dann sie.

Denn diese Bahn ist ihre Bahn, ihre Heim-Bahn. Dort hat alles angefangen, dort hat sie all das gelernt, was sie in der Eisröhre benötigt, dort kennt sie jeden Zentimeter jeder Kurve. Dort holte sie im vergangenen Jahr ihren bislang einzigen Weltcup-Sieg. Dort hätte es für sie vor den Augen von Familie und Freunden um das große Ding gehen sollen.

Denn der Weltcup in Winterberg ist die Generalprobe für die Weltmeisterschaft zwei Wochen später im kanadischen Whistler (1. bis 2. Februar). Nach der Zeiten-Jagd von Winterberg, so war es von Bundestrainer Norbert Loch angekündigt worden, sollte die endgültige Entscheidung über die WM-Nominierungen fallen.

Martini muss die Entscheidung akzeptieren

Doch Loch warf den Vorsatz über den Haufen, zog andere Rennen als Entscheidungsgrundlage heran und entschied sich vor genau einer Woche gegen Corinna Martini und für ihre ärgste Konkurrentin Aileen Frisch. Ein herber Rückschlag. „Natürlich ist das enttäuschend“, sagt Martini ruhig, „aber ich muss die Entscheidung akzeptieren wie sie ist.“

Rodeln
Doppelsitzer Geueke/Gamm bei Deutschen auf Platz vier

Corinna Martini vom BSC Winterberg belegte bei der Deutschen Meisterschaft im Rodeln nur den sechsten Platz. Auf Rang vier landete der Doppelsitzer mit Robin Geueke aus Fredeburg und David Gamm aus Winterberg.

Sie weiß, dass ihre Saison bislang nicht die beste war. Zu schwankend die Leistungen, zu unkonstant die Platzierungen. Um so mehr will sie sie nun auf sich aufmerksam machen. „Ich weiß, dass ich hier schnell sein kann“, sagt sie. Vor einem Jahr, bei ihrem großen Triumph, da legte sie beinahe den perfekten Ritt durchs Eis hin, schoss beinahe blind durch die Röhre und musste den Kopf eigentlich nur einmal heben - und zwar im Ziel, um auf der Anzeigetafel zu sehen, wie weit sie die Konkurrenz distanziert hatte. Sie hofft, dass es wieder so kommen möge. Allein schon, weil sie zeigen will, dass es die falsche Entscheidung war, sie nicht zu nominieren. So viel Trotz steckt mindestens in ihr. „Ich werde jetzt nicht aufgeben nicht auf­stecken. Im Gegenteil: Das stachelt mich erst so richtig an. Ich mache mir für Winterberg keinen Druck. Ich habe eh nichts mehr zu verlieren.“

Finales Krätemessen in Sotschi als Generalprobe für Olympia

Wobei das so nicht ganz richtig, schließlich geht es auch in Winterberg noch um einiges für sie. Um weitere Weltcup-Einsätze, die nach der WM in Aussicht gestellt sind. Der internationale Rodel-Zirkus macht im Februar noch in Lake Placid und in Sotschi Halt. Besonders das finale Kräftemessen in Russland ist von besonderer Bedeutung, schließlich finden ein Jahr später genau auf dieser Bahn die Olympischen Spiele statt. Sie sind das große Ziel von Corinna Martini. Jede Fahrt dort ist wichtig, denn ohne die entsprechende Erfahrung vor Ort, „sieht’s schlecht aus für Olympia“, sagt sie.

Ein Grund mehr, in Winterberg voll auf Sieg zu fahren, obwohl die gesamte Elite - fast schon traditionell aus dem eigenen Lager - mit der Weltcup-Führenden Natalie Geisenbeger und ihrer Verfolgerin Anke Wischnewski vor Ort ist. „Ich habe große Lust, die anderen ein bisschen zu ärgern“, sagt Corinna Martini. Denn sie hat sich in den vergangenen Tagen genug geärgert.

Daniel Berg



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