„Risikovorsorge für die Zukunft“

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Was wir bereits wissen
Umbau der Wälder im Sauerland zu mehr Mischwald gestaltet sich schwierig. Branchengespräch im Holzzentrum Olsberg bringt alle Experten an einen Tisch

Olsberg..  „Man muss schon dicke Bretter bohren – im Wald geht nichts schnell.“ Dies könnte als Leitmotiv über dem Branchengespräch stehen, zu dem sich gestern Waldbesitzer aus dem Sauerland, Sägewerker, Vertreter der Holzindustrie, der Landesbetrieb Wald und Holz und die Politik mit NRW-Umweltstaatssekretär Becker an der Spitze in Olsberg trafen.

Ökologisch geboten

Das Problem: Der Umbau der Wälder im Land zu mehr Mischwald ist aus Gründen des Klimawandels ökologisch geboten – Laubwälder haben Orkanen wie Kyrill mehr entgegenzusetzen – aber die in NRW starken privaten Waldbesitzer sehen nicht genügend finanzielle Anreize zum Umdenken. Denn: Holz ist nicht gleich Holz – marktfähige Produkte aus Laubholz wie Buche müssen erst noch entwickelt werden, als Brennholz ist es zu schade. Und die Modewellen im Möbelbau kommen und gehen. Die Fichte gilt seit ihrer Einführung in Preußen vor 200 Jahren als Brotbaum der Waldbauern.

Staatssekretär Becker verwies beim Pressegespräch auf erste Erfolge der Laubholzanpflanzungen in NRW („vor zehn Jahren waren es noch 39 000 Hektar weniger“), räumte aber auch Probleme ein: „Die Laubholz verarbeitende Industrie braucht eine Perspektive.“ Langfaseriges Fichtenholz gilt für Produkte wie Bauholz und Dachlatten als geeigneter, Buche muss erst mit teuren thermischen Verfahren vorbehandelt werden.

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Investitionschancen gesteigert werden, dass Holzindustrie und Logistik davon profitieren“, machte der Staatssekretär klar. Laubwälder bezeichnete er als „Risikovorsorge für die Zukunft.“ Eine Studie im Auftrag des Ministeriums, die am 11. Mai in Hannover vorgestellt wird, soll nach den Worten Beckers die Perspektiven des Laubholzes in NRW nachhaltig beleuchten: Welche ökonomischen Perspektiven hat Laubholz? Welche Auswirkungen haben geplante Flächenstilllegungen? Wie kann die Wertschöpfungskette bei der Laubholzverwendung verbessert werden? Wie kann man vermeiden, dass der Großteil des Laubholzes in privaten Kaminen verbrannt wird? Der anschließende Workshop zu diesem Thema war nicht öffentlich.

Hubertus Flötotto, als Möbelunternehmer Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrats und im Sauerland kein Unbekannter, forderte, die Verwendungsmöglichkeiten von Laubholz verstärkt zu erforschen. Die Industrie setze fast ausschließlich auf Nadelholz – im Sauerland sei Laubholz früher gern in der Zellstoffindustrie und zur Holzkohlegewinnung verwendet worden. Die Entwicklung von Produkten aus Buche müsse vorangetrieben werden, so Flötotto: „Das wird nicht einfach, und das wird dauern.“ Aber auch der Holzverwendung beim Bau insgesamt stünden heute nicht mehr stichhaltige Vorbehalte entgegen. Etwa beim Bau von mehrgeschossigen Häusern aus Holz, die bei uns verboten seien oder beim Brandschutz. NRW sei bundesweit Schlusslicht bei der Holzbauquote, hier sei länderübergreifend eine gleichmäßigere Nachfrage wünschenswert.

Zu wenig als Baustoff eingesetzt

Einig waren sich die Holzexperten, Politiker und Branchenvertreter darin, dass Holz noch viel zu wenig als Baustoff eingesetzt werde – steige der Anteil, so wachse auch der Absatz von Laubholz. Gebäudesanierungen mit Holz zur Außenwanddämmung seien ein Riesenmarkt, betonte der Autor der Studie, Martin Redmann. Der Anteil von Holzhäusern betrage in NRW 13 Prozent, in Süddeutschland dagegen 15 bis 20 Prozent. Die strenge Landesbauverordnung sei hier nicht mehr zeitgemäß. Aber auch bei der Verwendung von Laubholz gibt es Grenzen. Flötotto: „Bestimmte Bereiche werden immer eine Domäne des Nadelholzes bleiben.“