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Provinzial stellt den Garantiezins in Frage

25.06.2012 | 18:29 Uhr
Provinzial stellt den Garantiezins in Frage

Münster.   Angesichts schrumpfender Erträge am Kapitalmarkt erwägt der Versicherer Provinzial Nordwest die Abkehr von den bisher üblichen, festen Renditezusagen im Geschäft mit Lebensversicherungen. Noch sind die Einführung zeitlich befristeter Zinsgarantien oder schwankender Renditen aber nicht beschlossen.

Wer beim größten westfälischen Versicherer Provinzial eine Lebensversicherung abschließen will, muss in Zukunft womöglich auf die bisher übliche, feste Renditezusage verzichten. Der Mutterkonzern Provinzial Nordwest prüft den Abschied vom Jahrzehnte lang etablierten Garantiezins-Modell in Neuverträgen, wie Vorstandschef Ulrich Rüther am Montag auf der Bilanzpressekonferenz in Münster ankündigte. „Es gibt Überlegungen, die Garantien stattdessen gekoppelt an bestimmte Marktwerte schwanken zu lassen oder sie nur noch befristet - zum Beispiel für zehn Jahre - auszusprechen und danach neu zu verhandeln.“

Motiv dieser branchenweiten Gedankenspiele sind die seit Jahren anhaltend niedrigen Renditen am Kapitalmarkt, die die Erträge der Versicherer aus ihren Geldanlagen empfindlich schrumpfen lassen. Ein Trend, dem sich auch die Provinzial nicht entziehen kann. So sank das Kapitalanlage-Ergebnis der Lebensversicherung im Vorjahr um 67 auf 679,1 Millionen Euro, wodurch sich die Nettoverzinsung von 4,4 auf 3,9 Prozent verringerte. Was dennoch „zufriedenstellend“ sei, betonte Rüther mit Verweis auf die schwierige Finanzmarktlage, und keinesfalls problematisch: „Wir müssen unseren Kunden derzeit einen Garantiezins von 3 Prozent zahlen, wir verdienen 3,9 Prozent, und unsere Anlagen haben noch eine durchschnittliche Laufzeit von 9,2 Jahren.“

Erstmals Reserve gebildet

Der Puffer, räumte Rüther allerdings ein, „schrumpft deutlich“. Für Verträge, die mit einem Zins von 4 Prozent kalkuliert wurden, musste die Provinzial daher 2011 erstmals eine Zinszusatzreserve von knapp 41 Mio. Euro bilden. Eine Pflichtrücklage, die sich für das laufende Jahr nach Schätzungen der Provinzial sogar auf rund 120 Mio. Euro verdreifachen dürfte. „Das deutsche Modell der Lebensversicherung und über lange Jahre anhaltende Niedrigzinsphasen - das passt nicht zusammen“, sagte Rüther. Aber ob die Provinzial vor diesem Hintergrund tatsächlich vom festen Garantiezins abrückt und wann sie es tut, das ließ der Konzernchef bewusst offen. „Die Garantien sollte man nicht um jeden Preis halten, aber auch nicht leichtfertig aufgeben.“ Heißt: Sollten die Zinsen an den internationalen Kapitalmärkten absehbar wieder anziehen, könnte sich das Thema auch rasch wieder erledigt haben.

Gewinn gesteigert

Zufrieden äußerte sich Rüther zu den Eckdaten aus der Jahresbilanz des Versicherungsriesen, der nach dem deutlichen Rückgang im Jahr zuvor seinen Gewinn 2011 wieder deutlich von 74,8 auf 116,2 Millionen Euro gesteigert hat. Den Löwenanteil dazu (80,4 Mio.) steuerte die Westfälische Provinzial bei. „Das ist das Rückgrat, die Perle unseres Konzerns“, sagte Rüther. Deren Ertragskraft lässt sich unter anderem daran ablesen, dass lediglich 92,1 Prozent der Beitragseinnahmen für Kosten und Schadenfälle verwendet werden (Branchenschnitt: 99 Prozent). Auch deshalb, weil sich die Westfälische Provinzial am „teils sehr unvernünftigen“ Preiskampf in der Kfz- und Wohngebäudeversicherung bewusst nicht beteilige, wie Rüther betonte. „Es gab 2011 bundesweit nur drei Versicherer, die in der Autoversicherung kein Geld verloren haben - und die Provinzial gehört dazu.“ Dafür nimmt der regionale Branchenführer auch billigend in Kauf, dass die Beitragseinnahmen (+1,2 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro) langsamer steigen als im Marktdurchschnitt (+2,7%). Rüther: „Wir verzichten zugunsten des Ertrages lieber auf ein bisschen Wachstum.“

Sven Nölting

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Kommentare
26.06.2012
22:20
PROVINZIAL-Versicherung kündigte uns nach 77 Jahren Beitragszahlungen die Gebäudeversicherung
von hkn | #2

Zu Gebäudeversicherung:

Nach 77 Jahren Beitragszahlung hat uns die PROVINZIAL nach einem kleinen Wasserschaden gekündigt. Eine solche Versicherung sollte man meiden!
Es wird verwiesen auf und um Berichterstattung durch WAZ gebeten:
Siehe Bundestag Petition - Pet 2-17-51-761-034471
Siehe bafin - Q 22-QB 4400-5093-2012-0001
Siehe Landtag NRW - Petition l.3-15-P-2012-07202-00 -
Siehe Staatswanwaltschaft Hagen - 715 Js 21-12 -
Siehe Versicherungsombudsmann - 01518-2012-K -
MfG H.K.

26.06.2012
06:04
Gerade als die Bürger begriffen haben,
von meigustu | #1

das Kapitallebenslebensversicherungen in der Vergangenheit ein Schneeballsystem waren, erzwingt die FDP von Merkel wieder staatliche Zuschüsse zum ähnlich windigen Modell der Pflegeversicherung. Denn die ist schlicht eine Kapitallebensversicherung, die das Todesfallrisiko nicht abdeckt und auch nur dann zahlt wenn es dem Versicherungsnehmer schlecht geht.

Ansonsten aber das gleiche Modell. eine dauerhafte Verpflichtung Zockern Geld zu geben. Kontrolle wer am meisten profitiert unmöglich. Ohne Garantiezins, fällt das letzte Argument für diese merkwürdige Sparform.

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