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"Prince Avalanche" auf der Berlinale - Roadmovie im amerikanischen Nirgendwo

14.02.2013 | 18:07 Uhr
"Prince Avalanche" auf der Berlinale - Roadmovie im amerikanischen Nirgendwo
Paul Rudd (l.) und Emile Hirsch spielen die Hauptrollen im Mini-Roadmovie "Prince Avalanche". Foto: dpa

Berlin.   Bei der Berlinale gibt es Roadmovies: Auf einer einsamen Straße ins amerikanische Nirgendwo spielt "Prince Avalanche" und erinnert ein wenig an "Warten auf Godot". Kino im größeren und auslotendem Format hat der dänische Regisseur Bille August mit der Romanverfilmung „Nachtzug nach Lissabon“ mitgebracht.

„Willkommen in einer neuen Klangwelt!“ Es ist 8.30 Uhr morgens, und da ist man für neue Klänge eigentlich noch gar nicht so aufnahmebereit. Doch schon beim Betreten des Kinos wird offensichtlich, dass hier Beachtliches geboten werden soll: „Dolby Atmos“ heißt die Ton-Zukunft, die eine konsequente Weiterentwicklung von Dolby Surround ist.

Annähernd 50 Lautsprecher sind zur Demonstration im Saal untergebracht worden. Sie hängen an allen Wänden rundherum und zusätzlich an der Decke. Digital wird jeder einzelne von ihnen individuell über eine Computeranlage gesteuert. „Neue Wahrnehmungsebenen, ohne aufdringlich zu klingen“, versprechen die Macher dieser Zukunftstechnik, die jetzt auch in Deutschland an den Start geht.

„Lost Place“ ist ein Mystery-Thriller für Jugendliche, der erstmals hierzulande mit Dolby Atmos ausgestattet worden ist. Dass die Produktion ein 3-D-Film ist, macht das Erlebnis zusätzlich interessant. Es ist ein Fest der Effekte, das sich den Augen und Ohren präsentiert. Es schmettert, wabert und säuselt im steten Wechsel der Tonquellen, das Mittendrin-Gefühl, das schon die 3-D-Vorgabe bringt, wird durch Dolby Atmos quasi noch um eine zusätzliche Dimension erweitert. Wann und ob wirklich Dolby Atmos den Durchbruch im Kino schaffen wird, muss abgewartet werden. In Berlin wurde aber immerhin vorgeführt, dass es überhaupt möglich ist.

"Prince Avalanche" ist wie "Warten auf Godot" als Roadmovie

Zurück im normalen Festivalprogramm beweist die Berlinale überraschend, dass es ihr dann und wann gelingt ist, auch etwas Heiteres zu zeigen. Der amerikanische Film „Prince Avalanche“ ist ein solches Beispiel. Der Titel führt allerdings deutlich in die Irre, denn hier geht es nicht etwa um ein Ritterspiel, sondern um ein Mini-Roadmovie, das mitunter an eine moderne Fassung von Becketts „Warten auf Godot“ erinnert.

Zwei eher schlichte Straßenbauarbeiter markieren tagelang den Mittelstreifen einer einsamen Straße im Nirgendwo mit gelben Strichen. Zeit genug, sich Gedanken über den Sinn des Lebens zu machen. Die Dialoge sind witzig und berührend zugleich. Der überschaubaren Intelligenz der beiden Denker und Streicher entspricht ihr Alltagsprogramm, beruflich wie privat. Regisseur David Gordon Green hat daraus aber kein voyeuristisches Lästerwerk gemacht, sondern eine zutiefst menschliche Studie über das stete Bemühen, das eigene Schicksal zu meistern. Das Ergebnis ist ein kleines Kabinettstück auf offener Straße. Herrlich schräg und herrlich schön gespielt.

„Der wirkliche Regisseur unseres Lebens ist der Zufall“

Kino im größeren und auslotendem Format hat der dänische Regisseur Bille August („Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, „Das Geisterhaus“) mit der Romanverfilmung „Nachtzug nach Lissabon“ mitgebracht. Wie bereits berichtet, hat der gebürtige Kirchhundemer Hansjörg Weißbrich diesen Film geschnitten und ihm dabei auch ein wenig seine eigene Handschrift gegeben. Das Ergebnis ist außerordentlich sehenswert, und Bille August schwärmt über die Entstehung seiner Produktion: „Ich hatte das große Glück, die Besten aus ganz Europa für diese Aufgabe gewinnen zu können“.

Damit meint er seinen Editor Hansjörg Weißbrich, aber auch ein regelrechtes Staraufgebot vor der Kamera. Jeremy Irons spielt die Hauptrolle, Melanie Laurent und Jack Huston gleich neben ihm. Dazu kommen noch Charlotte Rampling und Christopher Lee. Und aus Deutschland sind Martina Gedeck, Bruno Ganz, August Diehl und Burghart Klaußner mit von der Partie. Die Geschichte spielt im Vorfeld der portugiesischen Revolution in den frühen 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts und bildet eine Handlungsklammer mit der Gegenwart; zwei Liebesgeschichten laufen dabei parallel nebeneinander her. Bille August betonte in Berlin, er habe ganz bewusst keinen politischen Film machen wollen. Dennoch prägt der historische Rahmen ganz automatisch die politische Dimension nachhaltig.

„Der wirkliche Regisseur unseres Lebens ist der Zufall“, heißt es an einer Stelle in der Inszenierung. Bille August hat sich an diese vermeintliche Weisheit zumindest nicht gehalten; er hat bei seiner Arbeit nämlich nichts dem Zufall überlassen.

Andreas Thiemann



Kommentare
17.02.2013
22:32
amerikanischer patriotischer streifen
von feierabend | #1

D O O F !!!

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