Offener Streit um Verkauf von Thyssen-Krupp-Tochter VDM

Heißes Eisen, hoher Druck: bei der Thyssen-Krupp-Tochter VDM Metals derzeit wohl nicht nur in der Formenschmiede.
Heißes Eisen, hoher Druck: bei der Thyssen-Krupp-Tochter VDM Metals derzeit wohl nicht nur in der Formenschmiede.
Foto: Thyssen-Krupp/VDM
Was wir bereits wissen
Thyssen-Krupp soll beim Verkauf seiner Tochter VDM Metals am Betriebsrat vorbei bis zur Unterschriftsreife verhandelt haben. Stimmung ist aufgeheizt.

Siegen/Werdohl.. Der Verkauf der Thyssen-Krupp-Tochter VDM Metals steht offenbar unmittelbar bevor: Neuer Eigentümer soll nach Informationen dieser Redaktion die Kapitalbeteiligungsgesellschaft Lindsay, Goldberg und Vogel in Düsseldorf werden; angeblich soll für Mittwochnachmittag bereits die Unterzeichnung eines Vertragswerks vorgesehen gewesen sein.

Derweil verschärft sich der Ton zwischen dem VDM-Betriebsrat und der Konzernmutter; der Betriebsrat spricht offen von „einem massiven Vertrauensbruch gegenüber den Beschäftigten“. Hauptkritik: Thyssen-Krupp halte sich nicht an Vereinbarungen, die auch beim Verkauf von VDM Standort- und Beschäftigungssicherung vorsehen.

Unternehmen Aufgeheizte Stimmung bei betroffenen Standorten

Die Stimmung ist aufgeheizt am Mittwochvormittag. Nicht nur im Warmwalzwerk im Siegener Ortsteil Geisweid. Auch an den anderen VDM-Standorten in NRW, in Altena, in Werdohl, in Unna, und in Essen, an denen die Beschäftigten vor den Werkstoren stehen. Der große Mutterkonzern, die Thyssen-Krupp AG, hat offenbar einen Käufer für die ungeliebte Tochtergesellschaft gefunden. Nur: Gemeinsam haben der Essener Konzern, die VDM-Geschäftsführung und die IG Metall eine Vereinbarung getroffen, die das schlimmste für die Beschäftigten bei einem Verkauf verhindern soll.

Stichworte: Standort- und Beschäftigungssicherung. Darauf wolle sich der künftige Eigentümer, die Beteiligungsgesellschaft Lindsay, Goldberg und Vogel, aber nicht einlassen – Thyssen-Krupp aber dennoch verkaufen.

„Wir stehen kurz vor einer Eskalation“

„Es gibt erhebliche Differenzen zwischen dem VDM-Betriebsrat und dem potenziellen Käufer“ hieß es am Mittwoch aus der Mitarbeitervertretung. „Wir stehen kurz vor einer Eskalation“, ordnete VDM-Betriebsratschef Gerd Bendiks die Situation ein. Die Beschäftigten aller VDM-Standorte sind am Donnerstag, 16. April 2015, zu einer „außerordentlichen Betriebsversammlung“ in die Stadthalle in Unna eingeladen.

IG Metall und VDM-Betriebsrat wollen den Druck erhöhen und pochen auf die Einhaltung von Vereinbarungen – und verweisen auf die bisher gelebte Unternehmenskultur bei Thyssen-Krupp. „Alles andere wäre ein Angriff auf die Mitbestimmung“, sagt Gerd Bendiks.

Angeblicher Kaufpreis: 500 Millionen Euro

Der Betriebsrat fordert die Konzernmutter jedenfalls auf, eine Vertragsunterzeichnung abzusagen und die Gespräche, unter Einbeziehung der Beschäftigtenvertreter, wieder aufzunehmen. Es gelte den „fairsten und besten Käufer“ zu finden. So sei es vereinbart. Jedes Abweichen davon habe „Konsequenzen, bis zum Konfliktfall“, heißt es aus dem Betriebsrat.

Die Gespräche mit dem potenziellen Käufer seien am Donnerstagabend letzter Woche abgebrochen worden, weil es keine Verständigung über eine Beschäftigungssicherung und ein Garantie für alle Standorte gegeben habe. Inzwischen hat der Betriebsrat offenbar den Eindruck gewonnen, dass hinter seinem Rücken weiterverhandelt worden ist. Bis hin zur Unterschriftsreife. Der gehandelte Verkaufspreis: angeblich 500 Millionen Euro. Der eigentliche Wert von VDM dürfte nach Branchenkreisen eher bei 1 Milliarde Euro liegen.

Thyssen-Krupp schweigt

Thyssen-Krupp mochte die Vorgänge am Mittwoch, auch auf Nachfrage, nicht kommentieren. Dieter Vogel von Lindsay, Goldberg und Vogel, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu sprechen.

Am Donnerstag, 16. April 2015, will der Betriebsrat die Beschäftigten auf seine Linie, also gegen einen vorschnellen Verkauf, einschwören; 1300 VDM-Mitarbeiter werden in Unna erwartet. Die Stimmung dürfte wiederum aufgeheizt sein.