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Null-Null-Siebzig gibt dem Alter eine Chance

17.01.2013 | 17:37 Uhr
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Null-Null-Siebzig gibt dem Alter eine Chance
Marlies Ferber lässt den pensionierten Detektiv Null-Null-Siebzig auf Verbrecherjagd gehen.Foto: Dietmar Wäsche

Hagen.   Die Hagener Autorin Marlies Ferber lässt ihren Agenten Null-Null-Siebzig jetzt an Bord eines Kreuzfahrtschiffes ermitteln. Bei „Operation Eaglehurst“ ging es um die ethischen Konflikte, die mit Sterbehilfe verbunden sind. In „Agent an Bord“ muss sich James Gerald durch das Minenfeld des Erbens navigieren.

Null-Null-Siebzig ist in Rente und wird von diversen Zipperlein geplagt. Doch seine alten Tricks hat der Ex-Agent auch als Senior noch drauf. Und so wittert der pensionierte Geheimdienstler Unrat, als bei einer Kreuzfahrt plötzlich Passagiere verschwinden.

Die Hagener Autorin Marlies Ferber schickt den ältesten Detektiv seit Miss Marple wieder auf die Mörderjagd. „Agent an Bord“ ist der zweite Krimi in der Reihe um Null-Null-Siebzig. Mit ihrem Erstling „Operation Eaglehurst“ hat die selbstständige Übersetzerin und Lektorin einen großen Erfolg gelandet.

In der Gegenwart leben, das ist es!

Das kommt nicht von ungefähr. Denn in der Runde der landläufigen Krimihelden ist Null-Null-Siebzig erfrischend anders. Weder Supermann noch charakterlich immer angenehm, hat er all die Schrullen und Macken älterer Leute, aber auch jene gewitzte Menschenkenntnis und scharfe Intelligenz, die man bei Leuten jenseits der 70 gerne übersieht.

Marlies Ferber
Britischer Humor in Buchform

Gut vorstellbar, dass James Gerald und Sheila Humphrey sich bald auch in Halver einer wachsenden Krimifan-Gemeinde erfreuen. Die Hagener Autorin...

Marlies Ferber schreibt mit Leidenschaft gegen Klischees an. War es bei „Operation Eaglehurst“ ein Altersheim, in dem James Gerald Verbrechen auf die Spur kommen musste, geht es in „Agent an Bord“ um eine weitere Domäne von Senioren: Null-Null-Siebzig macht auf Einladung der betagten Mutter seiner Freundin Sheila eine Kreuzfahrt und fühlt glatt noch jung angesichts der grauen Haare seiner Mitreisenden. Und wieder ist das Thema brisant. Bei „Operation Eaglehurst“ ging es um die ethischen Konflikte, die mit Sterbehilfe verbunden sind. In „Agent an Bord“ muss sich James Gerald durch das Minenfeld des Erbens navigieren.

Mutter Phyllis hat eine Reihe von Gästen zu der Kreuzfahrt eingeladen, um ihren 90. Geburtstag zu feiern. „In meinem Alter kann von heute auf morgen Schluss sein! In der Gegenwart leben, das ist es! Alles herausholen, was geht! Es noch mal so richtig krachen lassen!“, ist das Lebensmotto der Greisin.

Der lakonische Humor eines James Bond

Marlies Ferber versucht, in ihrer Ermittlerfigur den lakonischen Humor eines James Bond mit der stillen List einer Miss Marple zu kreuzen. Geralds frühere Kollegin und Freundin Sheila ist eine selbstbewusste Schwester aller Miss Moneypennys dieser Erde. „Dem Minirock war sie bis zum heutigen Tag treu geblieben, und dass ihre Umwelt neidische, bewundernde oder amüsierte Blicke auf eine Dame Mitte sechzig im Minirock warf, schien sie nicht zu bemerken.“

Allerdings lässt sich Marlies Ferber in ihrem aktuellen Roman zu sehr vom Milieu eines Kreuzfahrtschiffs überwältigen. Wo „Operation Eaglehurst“ noch ziemlich flott und mit herrlich trockenem Humor erzählt wurde, muss man sich bei „Agent an Bord“ durch einige langatmige Beschreibungen von Landausflügen mit den zugehörigen gastronomischen Erlebnissen kämpfen, bis das Abenteuer seinem spannenden Finale zusteuert. Dass es zudem eine äußerst zarte Liebesgeschichte gibt, erhöht den Lesereiz sehr.

Marlies Ferber: "Null-Null-Siebzig. Agent an Bord", 352 Seiten, dtv, 9,95 Euro

Monika Willer

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