Nicht mehr länger Symbol für Verfall
15.12.2011 | 19:13 Uhr 2011-12-15T19:13:00+0100
Menden.Er hat eine zweifelhafte Karriere hinter sich: Deutschlandweit musste der Mendener Bahnhof immer wieder als Symbol des Verfalls herhalten. Damit soll nun Schluss sein. Heute ist der Spatenstich zum Umbau des brach liegenden Bahnhofsgeländes in ein neues Einkaufszentrum für die 57 000-Einwohner-Stadt.
Er hat es sogar zu literarischen Ehren gebracht: Schriftsteller Ralph Giordano hat den Mendener Bahnhof in seinem Buch „Deutschlandreise“ verrissen – eine Schmach für die Stadt an der Hönne. Und irgendwann ist der Bahnhof einmal in den Bild-Archiven der Nachrichten-Agenturen gelandet und dort auch nicht mehr herausgekommen.
Immer wieder haben Zeitungen in ganz Deutschland das Bild des verfallenen Mendener Bahnhofs gedruckt – wenn auch meist im falschen Zusammenhang. Mal musste er als Symbol für die Finanznot der Kommunen herhalten, mal als Sinnbild für den schlechten Zustand der Deutschen Bahn. Dabei ist das Mendener Bahnhofsgelände schon länger im Privatbesitz – und das war Teil des Problems.
In den 90er-Jahren, als die Bahn privatisiert wurde, hatte nicht die Stadt bei dem Gelände zugegriffen, sondern dem Mendener Geschäftsmann Peter Albert den Vortritt gelassen. Der wollte dort das Bahnhofsgebäude abreißen und ein Einkaufszentrum bauen lassen, scheiterte aber im Stadtrat, der den nötigen Bebauungsplan ablehnte. Albert starb, eine komplizierte Erbengemeinschaft folgte. Andere Investoren entwickelten Pläne – umgesetzt wurde letztlich keiner von ihnen.
Der Bahnhof verfiel indes immer mehr. In der Unterführung zu den Gleisen beißt ein permanenter Uringeruch in der Nase, die ehemalige Güterbahnhofhalle wurde zur Schlafstätte von Obdachlosen. Und auch der Bahnsteig vergammelte – obwohl er immer noch im Besitz der Bahn ist. Die wollte jahrelang nicht investieren, so lange nicht klar war, was mit dem Bahnhofsgebäude geschehen sollte und wer den höhengleichen Zugang zu dem Bahnsteig baut.
Es war ein Teufelskreis, der den Mendener Bahnhof immer mehr zum Symbol für den Stillstand in der Stadt werden ließ. Mendener holten ihre Gäste extra in der Nachbarstadt Fröndenberg ab, um ihnen den Anblick zu ersparen.
Anfang dieses Jahres dann die überraschende Wende. Mit der List + Wilbers GmbH aus Nordhorn trat ein Investor auf den Plan, der zwar auch ein Einkaufszentrum bauen, aber ebenso zumindest einen Teil des historischen Bahnhofsgebäudes erhalten wollte. Bei der Mehrheit der Kommunalpolitikern rannte er damit offene Türen ein. In weniger als einem Jahr wurde ein rechtskräftiger Bebauungsplan erlassen. Jetzt sollen die Arbeiten beginne, Anfang 2013 könnten die Geschäfte eröffnen.
Die sind zunächst nichts besonderes: Ein großer Edeka-Markt wird auf dem lang gezogen Bahnhofsgrundstück entlang der Schienen entstehen, ebenso ein Aldi, ein Drogerie-Markt, ein Schuh-Center und wahrscheinlich ein Textil-Geschäft. Doch Investor Gerhard List verspricht eine anspruchsvolle Architektur. Die Anbieter würden mit ihren modernste Marktkonzepten nach Menden kommen. „Insofern ist das für uns kein Allerweltsprojekt“, sagt Gerhard List. „Der Erhalt eines Teils des historischen Bahnhofsgebäudes ist städtebaulich interessant.“
Was genau in dem Bahnhofsgebäude entstehen soll, ist noch unklar.. Der Plan der Stadt, das Gebäude anzumieten und dort mit Bundesmitteln ein Mehrgenerationenhaus einzurichten, ist gescheitert. Dennoch sieht Bürgermeister Volker Fleige den heutigen Tag als wichtiges Zeichen für die Stadt, die zu den 34 höchst verschuldeten Kommunen NRWs gehört und erst Dienstag ein großes Sparpaket beschließen musste. „Der neue alte Bahnhof ist das Signal für Mendens Aufbruch.“
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