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Diakonie

Nicht Großunternehmen, sondern Netzwerk mit regionalem Gesicht

03.06.2012 | 17:19 Uhr
Nicht Großunternehmen, sondern Netzwerk mit regionalem Gesicht
Medizinstudenten im ehrenamtlichen Einsatz in Luthers Waschsalon der Hagener Diakonie.

Hagen. Der Kalender ist auf acht Wochen im Voraus praktisch komplett ausgebucht - bei vier bis sieben Terminen pro Tag. Keine Frage, Martin Wehn führt ein Managerleben. Dabei ist der Mann von Hause aus Theologe, als Gemeindepfarrer war er mehrere Jahre im Kirchenkreis Iserlohn tätig.

Dann wechselte der gebürtige Siegener in die Diakonie, und seit gut einem Jahr ist er jetzt Mitglied und Sprecher der Geschäftsführung der Diakonie Mark-Ruhr.

Die 2011 erfolgte Fusion aus fünf Kirchenkreisen, allen voran Iserlohn und Hagen, hat nun ein riesiges Gesamtgebiet erschlossen, das von Hattingen bis Kirchhundem, von Schwerte bis Meinerzhagen und von Balve bis Breckerfeld reicht. Gut 3500 Mitarbeiter sind in diesem Diakonie-Verbund beschäftigt, „Tendenz noch immer steigend“, wie Martin Wehn nicht ohne einen gewissen Stolz betont.

Damit ist die Diakonie einer der größten Arbeitgeber in der Region. „Wir verstehen uns aber eher als Netzwerk, denn als Großunternehmen“, erklärt Wehn ein Stück Hausphilosophie. Rein wirtschaftlich gesehen macht „das Kirchliche“ nur einen verschwindend geringen Teil aus; bei einem jährlichen Gesamtumsatz von 200 Millionen Euro fließen lediglich 2,2 Millionen aus Kirchensteuermitteln in den Diakonietopf, also gerade einmal ein Prozent. „Alles andere müssen wir selbst erwirtschaften“, sagt der Chef, der sich schon neben seinem Pfarrerberuf mehrere Jahre lang in Organisations- und Unternehmensentwicklung weitergebildet hat: „Heute darf ich behaupten, dass ich eine Bilanz sehr wohl lesen kann, ohne dass ich gleich ein ausgewiesener Kaufmann bin.“ Ein weiterer Theologe und eben zwei Kaufleute bilden bei der Mark-Ruhr-Diakonie die Geschäftsführung, Martin Wehn ist dabei nach eigener Formulierung „der Erste unter Gleichen“.

Von der Eingliederungshilfe bis zum Pflegedienst, vom Seniorenheim bis zum Krankenhaus und von der Suchtberatung bis zur Mitarbeiterqualifizierung spannt sich ein breiter Betätigungsbogen dieser Diakonie-GmbH. Das Wir-Gefühl aller Beteiligten möchte Martin Wehn in seinem Amt unbedingt stärken: „Es ist unsere Aufgabe, eine gemeinsame Identität noch besser zu entwickeln. Schließlich ist ja gerade das regionale Gesicht unserer Stärke.“ Dafür gibt es ein paar dezentrale Projekte, aber auch zentrale Zusammenkünfte und Veranstaltungen.

Längst nicht alle Mitarbeiter der evangelischen Einrichtung sind Protestanten, „aber“, so Wehn, „mindestens 90 Prozent gehören einer Kirche an.“ Dass der Chefarzt in einem der beiden Diakonie-Krankenhäuser Moslem ist, stört den Geschäftsführer keineswegs: „Die Grundüberzeugung in unserem Sinne muss stimmen, darauf kommt es an. Loyalität zum Arbeitgeber gehört dazu, aber auch ein hohes Maß an Mitmenschlichkeit ist gefordert.“

Und deshalb ärgert es den Diakonie-Mann umso mehr, wenn sich die Gewerkschaft Verdi immer wieder gegen den vermeintlich unfairen Arbeitgeber Diakonie auflehnt: „Es stimmt einfach nicht, dass es bei uns an Mitsprache mangelt, und wir sind schon gar keine Ausbeuter. Hinter den Verdi-Attacken steckt doch eine regelrechte Strategie; die wollen mehr Mitglieder aus unseren Reihen gewinnen.“ Wehn wünscht sich, dass die Diakonie in Deutschland lauter und deutlicher mit einer Stimme gegen solche Beschuldigungen angeht: „Da sind wir einfach noch zu zaghaft und nicht selbstbewusst genug.“

Bei dem sicher nicht leichten Zusammenschluss zum Großprojekt Mark-Ruhr-Diakonie habe es keine Entlassungen gegeben, unterstreicht Wehn in diesem Zusammenhang und verweist darauf, dass allein in diesem Jahr 130 neue Mitarbeiter in den verschiedenen Einrichtungen eingestellt worden sind: „Ohnehin stand bei uns die Qualität und nicht die Ökonomie als Fusionsgedanke im Vordergrund, und genau daran werden wir auch weiter arbeiten.“

Von Andreas Thiemann



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