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Saatkrähen

Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen

19.02.2013 | 10:00 Uhr
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
Die Krähen nerven die Anwohner in Soest.Foto: ThinkStock

Hagen/Soest.   Die Stadt Soest will etwa 200 Saatkrähenpaare zum Umzug an einen geeigneteren Standort bewegen, damit die Bürger wieder zur Ruhe kommen können. Denn die Vögel sind nicht gerade leise. Viele Soester werden morgens von den Krähen geweckt - im Sommer bereits ab 4 Uhr morgens.

Die Zwangsräumung wurde am frühen Morgen vollstreckt: Um 8 Uhr rückten die Baumkletterer gestern am Soester Clarenbachpark an, schnitten dort 80 Krähennester aus den Bäumen heraus. Etwa 20 davon werden nun versetzt - in die Baumkronen auf einem etwa 1,5 Kilometer entfernten Bahn Gelände. In der Hoffnung, dass die Saatkrähen ihren Nestern dorthin folgen. Um den Bürgern ihre Ruhe zurückzugeben, setzt die Stadt Soest nun auf ein in Deutschland neues Verfahren.

Saatkrähen stehen unter Artenschutz, weil sie längst selten geworden sind. In Soest allerdings wurden bereits im Jahr 2010 etwa 1000 Brutpaare gezählt. Mehr als 200 Paare hat Annette Haverland im vergangenen Jahr allein im Clarenbachpark gezählt, also in unmittelbarer Nähe ihres Wohngebietes. 200 Paare also auf einer Fläche von etwa 2 Hektar, so die Mitbegründerin der Initiative „Krähen zurück in die Börde“. Mehr als 200 Paare mit 3,8 Jungen im Durchschnitt.

Lärmgrenzwerte überschritten

200 Familien, die im Sommer ab 4 Uhr morgens mit den ersten Sonnenstrahlen munter sind. Als das Umweltamt im Jahr 2006 Schallmessungen durchführte, da seien die zulässigen Grenzwerte um 4.30 Uhr überschritten worden, berichtet Karl-Josef Meier, ebenfalls von der Initiative „Krähen zurück in die Börde“. Damals allerdings gab es nur 94 Horste auf dem Gelände, mittlerweile sind es doppelt so viele. „Jeder Industriebetrieb würde bei einer solchen Lautstärke sofort geschossen“, so Karl-Josef Meier.

Nun hat sich die Stadt Soest in den vergangenen Jahren durchaus darum bemüht, gegen die „Ruhestörer“ vorzugehen. Mit Laserpointern wollte sie die Tiere „vergrämen“, also verscheuchen - ohne Erfolg. Auch habe man versucht, die Nester zu entfernen und die Vögel so zu vertreiben. Doch die Tiere kehrten umso zahlreicher zurück, vermutlich weil sie andernorts durch den Einsatz einer Böllerschussanlage verjagt wurden, wie Henning Vierhaus vom Arbeitskreis Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest (ABU) erklärt.

18 Stunden Dauerbeschallung

Seitdem sei morgens ab 4.30 Uhr und abends von 23 Uhr an Schlaf kaum noch zu denken, so Karl-Josef Meier. Wer zum Beispiel zur Frühschicht zeitig aufstehen müsse, der komme abends viel zu spät zur Ruhe. „18 Stunden Dauerbeschallung - das zehrt an den Nerven“, sagt Meier und erzählt, dass manche Nachbarn aufgrund des Schlafmangels unter psychosomatischen Störungen litten. Nicht einmal am Wochenende käme man zur Ruhe. Hinzu komme im Sommer noch der Ärger über den Vogelkot auf der Kaffeetafel im Garten, im Bierglas, in der Cappuccinotasse, auf der Wäsche.

Daher wendet die Stadt Soest in diesem Jahr nun ein neues Verfahren an, damit die Anwohner am Clarenbach ihre Ruhe finden, die Saatkrähen aber nicht andernorts an einer ebenso ungünstigen Stelle wieder auftauchen. So hat die Stadt den holländischen Biologen Diederik van Liere bereits im vergangenen Jahr damit beauftragt, die Saatkrähenkolonie zu beobachten - und eine Lösung zu finden. Die Krähen sollen also nicht mehr einfach verschreckt und vertrieben werden. Stattdessen hat der Biologe in 1,5 Kilometern Entfernung auf einem Bahngelände ein Plätzchen für sie gefunden, wo sie die vom Clarenbach gewohnten Baumsorten und das gewohnte Nistmaterial finden. Nur dann werde der neue Platz von den Tieren angenommen, schreibt der Niederländer in seinem Gutachten.

Drei Jahre lang werden die Nistplätze am Clarenbach jeweils bis Mitte April kontrolliert. 7000 Euro kostet die Umsiedlung pro Jahr.

Nina Grunsky



Kommentare
19.02.2013
16:58
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von firefighter | #11

Neuer Bericht ist online! Die Zwangsumsiedlung ist vorläufig gerichtlich gestoppt worden!
Hoffentlich bleibt das auch so!

19.02.2013
15:49
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von jessiesrevenge | #10

da fragt man sich doch glatt wie die menschliche Rasse die Evolution überhaupt überlebt hat...so wie da übertrieben wird, wären ja die Steinzeitmenschen am Schlafmangel, wegen zu lauter Tiere gestorben....lächerlich! Aber hauptsache im Sommer wieder nach Malle, im Hotel am Besten direkt über ner Diskothek....

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #10-1

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19.02.2013
15:05
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von Fipsos | #9

Mal ganz ehrlich,
war irgendeiner der Poster schon mal vor Ort und hat sich die Situation mal angeschaut und angehört?
Hier geht es nicht um die "Ausrottung" der Tierwelt, sondern lediglich um eine "Umsiedlung" der meisten Krähenhorste!
Artenschutz hin oder her, aber meine Kinder vor Lärm zu schützen, der morgens um 4:00 Uhr beginnt und Abends um 22:00 Uhr endet, finde ich nur legitim.

2 Antworten
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von zool | #9-1

keine Ahnung, wie alt Ihre Kinder sind, aber was machen Sie, wenn sie in dem Alter sind und in diversen Clubs und Diskotheken die Nächte durchfeiern wollen.

Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von firefighter | #9-2

Ziehen Sie jetzt auch um, weil Ihre Kinder den Nachbarn zu laut sind???

19.02.2013
14:51
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von ExWalsumer | #8

Warum sollen so viele Krähen umziehen, wenn es ein paar Menschen stört? Können doch die Menschen umziehen.
Diese Vögel gehören zur Gattung der intelligentesten Tiere und nisten bestimmt nicht dort, weil dort gerade in Nest frei ist. Wohl eher wegen der Artenverteilung der anderen Vögel (unterschiede in größe, gewicht usw.) und weil sie dort am besten ans Futter kommen.
Ich denke den Kampf werden die Menschen verlieren.

19.02.2013
13:28
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von berni44 | #7

Das Foto zeigt eine Aaskrähe und keine Saatkrähe.( Welch ein Glück für die Soester Arbeiter)
Hier sind von der Stadt Soest, wie bei den Kommunen oft zu finden, nur Laien am Werk.
Wenn Saatkrähen nach dem Naturschutzrecht geschützt sind, dürfen ihre Nester nicht entfernt werden und iIhren Lebensraum darf man nicht zerstören.
Dies gilt auch, wenn Menschen durch die Geräusche sich gestört fühlen.
Verstösse gegen das Naturschutzgesetz kann zu hohen Strafen für die betroffen
Saatkrähenvertreiber führen.
Auch eine Kommune sollte sich an Gesetz und Ordnug halten.

19.02.2013
13:14
Nachtrag zu meinem vorherigen Kommentar
von firefighter | #6

Ich habe mal gegoogelt wo sich der Clarenbachpark in Soest befindet.
Mich stört die Bahnstrecke direkt daneben viel mehr!
Wird die jetzt auch zwangsumgesiedelt?
Bestimmt nicht, vorbeifahrende Züge sind ja Alltagslärm und kein Naturlärm!

Dass einige Anwohner dort psychosomatische Störungen haben, kann ich mir jetzt wirklich gut vorstellen! Bei dem Zuglärm!

19.02.2013
13:07
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von firefighter | #5

Die Vögel stehen also laut dieses Berichts unter Artenschutz.
Warum siedelt man sie dann um?
Und was ist mit den restlichen 60 Nestern, wenn nur 20 umgesiedelt werden?

Nett ist auch das Fettgedruckte:
Lärmgrenzwerte überschritten
Erklären Sie das mal bitte den Krähen!

Die Natur besteht nunmal auch u.a. aus Krähen.
Allein schon das Wort "Lärmgreznzwert" finde ich an dieser Stelle lachhaft!

Ich bin beim besten Willen kein Grüner, aber diese Aktion halte ich für absolut überzogen und schon ein klein wenig für Tierquälerei!


1 Antwort
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von rally | #5-1

Das wir Menschen eh schon, also genießen wird diese noch, und die 30-40 Jahre die ich noch zu leben hab *hehe*, also nach uns die Sintflut!

19.02.2013
12:51
jetzt werden wir schon von der Natur genervt!
von cui.bono | #4

Wenn man solche Artikel und Kommentare leist, dann muss man sich nicht wundern, dass Natur keinen Stellenwet mehr hat und die Menschen am liebsten die Natur ausrotten.

Auch Tier haben keinen Stellenwert mehr und am besten rottet man dies auch aus.

In was für einer armen Gesellschaft leben wir?

19.02.2013
12:47
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von zool | #3

Das Foto zeigt keine Saatkrähe, sondern eine Aaskrähe, oder auch Rabenkrähe genannt. Diese sind alles andere als selten.

19.02.2013
12:15
Nachbarn genervt - 200 Soester Krähenpaare müssen umziehen
von Juelicher | #2

Saatkrähen sind selten geworden? Aufgrund dieser angeblichen Erkenntnis stehen sie unter Schutz? In unseren meisten Nachbarländern würde man wohl über eine derartige Argumentation nur den Kopf schütteln.
Was ein verrückter Aufwand wegen einiger Krähenvögel. Trotz hoch verschuldeter Kommunen. Dieses Land wird langsam aber sicher zu einer riesigen Irrenanstalt!

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