Nach dem ersten echten Heimsieg freut sich Hagens Todd Brown auf sein Bett

Konzentriert in der Verteidigung, erfolgreich in der Offensive: Hagens Todd Brown.
Konzentriert in der Verteidigung, erfolgreich in der Offensive: Hagens Todd Brown.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Ja, ein Sieg steht bereits zu Buche: Crailsheim war im Schnee stecken geblieben und konnte bei Phoenix Hagen nicht antreten. Nun aber haben die Basketballer aus Westfalen ihren ersten echten Heimsieg eingefahren. Mit 90:81 (43:48) bezwang die Mannschaft von Trainer Ingo Freyer den direkten Konkurrenten Tigers Tübingen. Der Sieg war auch den 20 Punkten von Todd Brown zu verdanken.

Hagen..  Niemand benötigte länger für die Ehrenrunde nach dem Spiel als Todd Brown. Der Mann mit der Rückennummer 21 nahm sich Zeit und genoss diese Augenblicke in der Halle am Ischeland. Es ist eine kleine lärmende Halle, die den heimischen Basketballern von Phoenix Hagen sonst unerwartete Siege in hitziger Atmosphäre garantierte, in den vergangenen Wochen und Monaten aber zu einem Ort der Niederlagen geworden war: Wann immer der Gegner antrat und nicht gerade auf einer verschneiten Autobahn festsaß wie jüngst Crailsheim, konnte Hagen nicht gewinnen. Bis zu diesem Sonntagabend, als mit den Tigers Tübingen ein Konkurrent im Abstiegskampf mit 90:81 (43:48) besiegt werden konnte. Maßgeblichen Anteil daran hatte: Todd Brown.

Nervöser Start

Geduldig schrieb er seine Autogramme und setzte ein weißes Lächeln zwischen seinen markanten schwarzen Bart. 20 Punkte hatte der extrovertierte 27-Jährige beigesteuert und damit seine Mannschaft gerade in der ersten Halbzeit im Spiel gehalten. Fast verunsichert wirkte das Team von Trainer Ingo Freyer in den ersten 20 Spielminuten: Es verstrickte sich in wilde Offensivaktionen, stolperte Bälle ins Aus und brachte Angriffe nicht rechtzeitig vor dem Herunterticken der Uhr zu Ende.

Murmeln, Grummeln auf der ­Tribüne, sogar Pfiffe. Nur Browns Dreier fielen zuverlässig in den Korb und machten den Fünf-Punkte-Rückstand zur Halbzeit erträglich - und noch alles möglich.

„Wir haben die Körpersprache gehabt, die man in so einem Spiel braucht. Auch die Spieler, bei denen sie schonmal hinten rüber fällt“, formulierte Trainer Ingo Freyer nach der Partie. Nicht unwahrscheinlich, dass er auch Brown meinte. Zwischendurch sah es nicht gut aus für die Feuervögel. Mit 13 Punkten lagen sie in der ersten Halbzeit hinten. Oliver Herkelmann, der Geschäftsführer saß auf seinem Stuhl neben dem Parkett, und sah ein wenig besorgt aus: Die Hände wie zum Gebet gefaltet und die Augen geschlossen. Eine weitere Heim-Niederlage hätte schon historische Züge gehabt. Eine ganze Hinrunde ohne Erfolgserlebnis in eigener Halle hatte es am traditionsreichen Basketball-Standort Hagen noch nie gegeben. „Alle“, sagte Herkelmann später, „alle haben sich gegen das Drama gestemmt.“

Natürlich auch der Kapitän David Bell. Mit sehenswerten Assists und Dreiern in Serie begann er Ende des dritten Viertels, aus einem Rückstand einen kleinen Vorsprung zu machen. Seine Kollegen bauten diesen dann weiter aus. Höhepunkt: Ein Dreipunktwurf von Brown 30 Sekunden vor dem Ende, aus der Not geboren, von weit, weit weg. Vom Brett prallte der Ball durch das Netz. Lärm in der Halle, ein Grinsen auf dem Feld - und völlig neue Erfahrungen für Brown.

Erst im Sommer war er aus Finnland nach Hagen gewechselt. Jubelfeierlichkeiten in der neuen Halle kannte er bisher nicht, da will man nichts verkehrt machen. Hinsetzen, Fans singen lassen, aufstehen, wild herumspringen. „Ich habe den Jungs einfach alles nachgemacht. Es war großartig, unseren Fans diesen wichtigen Sieg zu schenken. Ich liebe es, hier vor unseren Fans zu spielen“, sagt er: „Ich hoffe, es geht so weiter.“

Das wird aber erst nach der Allstar-Pause möglich sein. Für knapp eine Woche reisen die US-Amerikaner nun in die Heimat, das ist gut für die Seele. Die Koffer sind gepackt, Montag geht es für Todd Brown nach Ohio. Heimsieg, Heimflug - Todd Brown wird auch die nächsten Tage genießen: „Ich freue mich auf mein Bett“, sagt er.