Musik wie ein großes Gebet

Tomislav Talevski (Essen) an den Zimbeln.
Tomislav Talevski (Essen) an den Zimbeln.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Schlagzeuger aus fünf NRW-Orchestern spielen in Hagen, Siegen und Remscheid ein Percussion-Projekt. Über 100 Instrumente sind beim Konzert im Einsatz.

Hagen.. Antike Zimbeln, japanische Klangschalen, arabische Darabukkas, karibische Steeldrums, indonesische Angklungs, indianische Regenmacher und Kuhglocken aus den Alpen: So klingt eine musikalische Weltreise. „Wir versuchen, ein bisschen zu zaubern“, beschreibt Heiko Schäfer, Soloschlagzeuger der Hagener Philharmoniker, das große Percussion-Projekt, das er derzeit mit vier Kollegen aus NRW-Orchestern vorbereitet.

Die fünf Musiker müssen weit über 100 Instrumente bändigen. „From me flows what you call time“, so heißt das Konzert für fünf Soloschlagzeuger und Orchester, das der japanische Komponist Toru Takemitsu (1930 -1996) im Jahr 1990 für die New Yorker Carnegie Hall geschrieben hat. Takemitsu ist über das klassische Publikum hinaus Kinofreunden bekannt, denn er hat die Filmmusik zu Akira Kurosawas „Ran“ komponiert.

Für Initiator Heiko Schäfer erfüllt sich ein Traum. „Die Schlagzeugkonzerte, die ich bisher gehört habe, waren nur auf Artistik ausgelegt, höher, weiter, schneller. Aber das ist für mich nichts, was Bestand hat, kein innerlicher Gewinn.“ Der Takemitsu ist anders. „Das Stück ist nicht auf den Rhythmus reduziert, keine Materialschlacht um der Effekte willen. Hier geht es darum, viele Klänge zu schaffen.“

Die Seele wird tief angesprochen

Time Percussion Group, so haben die Schlagzeuger sich als Ensemble genannt: in Verbeugung vor Takemitsu und als Arbeitsbeschreibung. Denn die Fünf reisen wahrlich durch Zeit und Raum. Wie ein großes Gebet, so hat der Komponist selbst sein Opus beschrieben.

Klaus Bertagnolli vom Philharmonischen Orchester Bielefeld versucht, die Magie des Stücks in Worte zu fassen: „Es gibt viele Klangfarben aus der asiatischen Kultur, die die Seele ganz tief ansprechen.“ Heiko Schäfer: „Wir spielen kultische Instrumente, die in religiösen Ritualen eingesetzt werden.“ Oliver Hudec von den Bergischen Sinfonikern: „Das fängt mit den Zimbeln an, die man aus der katholischen Messe kennt.“ Heiko Schäfer: „Takemitsu holt die unterschiedlichsten Instrumente zusammen und schafft es in dieser Kombination, eine ganz neue Klangsprache zu entwickeln. Aber er quält die Instrumente nicht, er lässt sie so klingen, wie die Natur das vorgesehen hat.“

Seit Sommer probt das Quintett in Hagen. Allein anderthalb Stunden dauert jeweils der Aufbau und der Abbau. Schlagzeuger fahren Kombis, mindestens. „Die Instrumente sind auch für uns teilweise ungewöhnlich zu besorgen“, schildert Heiko Schäfer. „Und zu lernen“, ergänzt Slavik Stakhov von der Philharmonie Südwestfalen.

Das Publikum wird viel hören und dazu viel sehen. Denn Toru Takemitsu arbeitet mit dem Raum. Marimbas und Jazzbecken, Glockenspiele, Bongos, Congas und Vibraphon werden rund um das Orchester aufgestellt. „Über den Zuhörern hängen an der Decke Glocken, die wir an farbigen Bändern betätigen“, macht Oliver Hudec neugierig.

Hunderte von Instrumenten

Tomislav Talevski von den Essener Philharmonikern schätzt besonders, dass die Instrumente von allen fünf Kontinenten stammen. Uralte aus der Frühzeit der Menschheit gehören ebenso dazu wie solche, die erst vor kurzem erfunden wurden. Dieser Farbenreichtum erzeugt beides: meditative Ruhe und Spannung. Es ist ein Abenteuer, sogar für erfahrene Schlagzeuger. Oliver Hudec hält ein knapp zwei Meter langes bizarres Rohr in die Höhe. Die Riesengurke ist in Wahrheit ein Kaktus, dessen Stacheln nach innen getrieben wurden. Die daran vorbei rasselnden Samen lassen es plätschern. Entsprechend wurde der Regenmacher zuerst von chilenischen Indianern eingesetzt.

Hunderte von Instrumenten, Hunderte von Geschichten, und ein ganzes Universum aus Klängen: Die Time Percussion Group macht das Bekannte neu hörbar und lädt zur musikalischen Entdeckungsreise ein.

Das Konzert erklingt am 27. Januar, 20 Uhr, in der Stadthalle Hagen. Weitere Aufführungen sind in Siegen und Remscheid. Auch Bielefeld und Essen wollen das Stück auf den Plan setzen. Karten: 02331 / 2073218 oder www.theaterhagen.de