Mit dem Klappstuhl auf Kreuzung Hilfe gesucht

Siegen..  Warum er denn mehrfach mit einem Klappstuhl mitten auf einer der verkehrsreichsten Kreuzungen in Siegen gesessen habe, wollte Amtsrichter Uwe Stark vom Angeklagten S. wissen. „Ich will doch nur eingesperrt werden“, entgegnete der 57-jährige Mann, der seit Jahren an schwerem Alkoholismus leidet und nach eigenem Bekunden bis zu sieben Flaschen Wodka täglich schafft, auch schon mal Parfüm konsumiere. Der Betreuer ging davon aus, dass L. inzwischen heftige Hirnschäden davongetragen habe, nur so sei die Latte von mehr als 40 Straftaten zu erklären, für die sich der Angeklagte gestern im Schöffengericht verantworten musste. 60 Zeugen waren geladen, die über mehrere Stunden den gesamten Flur bevölkerten und das bestätigten, was L. aufgrund der ständigen Alkoholisierung selbst nicht mehr erinnerte. Neben den Verkehrsdelikten wurden ihm Beleidigungen, Körperverletzungen, Ladendiebstähle, ein räuberischer Diebstahl und das Randalieren im Bürgerbüro vorgeworfen. Am Ende der Verhandlung standen zwei Jahre und neun Monate Gefängnis, dazu die bittere Erkenntnis des Vorsitzenden, dass „eine solche Strafe überhaupt nichts hilft. Aber es gibt wohl auf der ganzen Welt keine Hilfe dafür“. Das Gericht habe keine andere Möglichkeit, als das Gesetz anzuwenden: „Sie sehen uns hilflos.“