Mit dem Aufzug von Altena geht es spürbar aufwärts

Mit dem Fahrstuhl auf Burg Altena.Ein echtes Vergnügen.
Mit dem Fahrstuhl auf Burg Altena.Ein echtes Vergnügen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Altena tunnelte den Berg unter der Burg, baute einen Lift und freut sich über den Erfolg. 81. 420 Besucher  kamen seit der Eröffnung vor einem Jahr.

Altena.. Sie sitzt an der Kasse, verkauft Eintrittskarten und Souvenirs. Sie ist die Projektleiterin des Erlebnisaufzuges. Wer staunt, hört diese Antwort. „Das gehört zu meinen Aufgaben“, sagt Daria Fikus. „Neben dem Marketing, den Buchungen, den Dienstplänen und dem Betrieb der Anlage.“ Im Dezember 2013 hat sie ihre Arbeit aufgenommen.

Die 29-Jährige kommt aus Gudensberg-Maden. Woher? „Das liegt im Nordhessischen, nicht weit von Kassel.“ Die junge Frau hat Altena seit ihrem Vorstellungsgespräch ins Herz geschlossen. „Die Stadt am Fluss mit der Burg hat mir auf Anhieb gefallen. Manchmal habe ich das Gefühl, Einheimische sehen das gar nicht mehr.“

Die Freude über die riesige Resonanz für das zunächst umstrittene Regionale-Projekt steht ihr ins Gesicht geschrieben. „Es läuft, und es gibt noch viel Potenzial, das brach liegt.“ Und die Stimmen, die gegen dieses Vorhaben wetterten, sind leise geworden. „Ich war dagegen, weil ich große Sorgen hatte“, sagt Wilfried Bracht, „ob der Aufzug überhaupt das Geld einspielt, das für den Unterhalt gebraucht wird.“

Kritiker sind verstummt

Heute sieht es der 71-Jährige, einer der Initiatoren des gescheiterten Bürgerbegehrens gegen das Projekt, gelassener: „Es ist besser, als wenn gar nichts passiert wäre. Die Fußgängerzone ist in Verbindung mit dem Bau der Lenneterrassen attraktiver geworden.“ Der Pensionär hofft, „dass der Aufzug auf lange Sicht keine Pleite wird“. Ein letztes kritisches Wort will er noch loswerden: „Uns ist ein Leuchtturmprojekt versprochen worden, für mich ist es eher eine Laterne.“

Das sieht Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU) anders: „Für die Stadt ist der Aufzug ein Geschenk. Es sind mit bislang 81 420 Besuchern deutlich mehr gekommen, als wir erwartet haben. Wir hatten mit 50 000 bis 60 000 im ersten Jahr gerechnet.“ Mit Freude sieht Hollstein wie die einst verwaiste Fußgängerzone mit Leben erfüllt wird. „Der Leerstand ist von dreißig auf fünf Läden gesenkt worden.“ Sorge, dass die Zahl der Besucher mit der ersten Welle nach der Eröffnung abnimmt, hat er nicht. „Wir müssen diese Entwicklung aber verstetigen, müssen weiter, gerade bei Bus-Touristen, werben.“ Bei 65 000 zahlenden Gästen im Jahr trage sich der Aufzug finanziell selbst.

Einzelhandel profitiert

Dass der barrierefreie Zugang zur Burg angesichts der älter werdenden Gesellschaft kein Nachteil ist, muss nicht erklärt werden. Bequemer kommt kein Senior auf eine Burg. Hollstein: „Wir sind überrascht, wie oft Oma und Opa schon heute mit den Enkeln zur Burg kommen.“ Wenn sie sich im Anschluss in der Stadt aufhalten, ist ­alles gut.

Ist das so? „Es ist viel mehr Leben und Bewegung in der Stadt, besonders am Wochenende“, sagt Ulrike Betzler, Inhaberin eines Juweliergeschäfts und Mitglied im Vorstand vom Altenaer Stadtmarketing. „Sonntags hat man sonst keine Menschenseele gesehen. Auch lässt die ständige Mäkelei der Leute nach. Es gibt eine deutlich positivere Grundstimmung in der Stadt.“

Die 69-Jährige trägt das Symbol der Hoffnung als Schmuckstück um den Hals: das Maskottchen Burghard aus der eigenen Werkstatt. Nicht weniger optimistisch ist Gabi Fuhrmann, die mit drei Frauen ein Antiquitäten-Geschäft betreibt: „Der Burgaufzug tut Altena gut.“ Ein Satz, der Daria Fikus in den Ohren klingeln würde. Doch sie hat an der Kasse zu tun.