Missbrauchs-Opfer in Litauen gefunden

Hagen/Frankfurt..  Das Missbrauchs-Opfer ist gefunden. Bundesweit hatten Ermittler im vergangenen Herbst an den Schulen Fotos eines Kindes verteilt. Bilder von einem Mädchen zwischen zwölf und 14 Jahren, das über Jahre hinweg in seinem Kinderzimmer missbraucht worden ist – vermutlich auch noch zum Zeitpunkt, als die Ermittlungen schon begonnen hatten. Nachdem sie alle anderen Möglichkeiten erschöpft, alles technisch Machbare versucht hatten, sahen die Fahnder keinen anderen Weg mehr, als die Lehrer im gesamten Bundesgebiet zu befragen. In der Hoffnung, dass einer von ihnen das Mädchen kennt, man das Opfer so aus seiner Notlage befreien und den Täter fassen kann.

Über Interpol vernetzt

Ohne Ergebnis in Deutschland. In Litauen jedoch konnte das Mädchen identifiziert werden. Denn die Ermittlungen wurden in mehreren Ländern parallel geführt. Die Kinderpornografie-Ermittler sind über Interpol vernetzt. Interpol hatte auch dem Bundeskriminalamt im aktuellen Fall die Bilder übergeben, nachdem die Fotos in Moldawien bei einer Durchsuchung gesichert worden waren.

Weil die Ermittler bei der Auswertung „verschiedene Gegenstände“ auf den Bildern erkannten, die darauf hindeuteten, dass die Aufnahmen im deutschsprachigen Raum gemacht worden sein könnten, fahndetet man auch hierzulande. Fündig wurden aber die Kollegen in Litauen. Dort ist ein Ermittlungsverfahren gegen den Tatverdächtigen eingeleitet. Ob es sich um einen Angehörigen des Mädchens handelt, ob weitere Kinder seine Opfer geworden sind – dazu könne man keine Auskünfte geben, so Oberstaatsanwalt Alexander Badle, Pressesprecher der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Der Fall zeige, wie wichtig es sei, die Ermittlungen länderübergreifend zu führen.

Und auch wenn es diesmal nicht die Schulfahndung war, mit der man dem Tatverdächtigen auf die Spur kommen konnte, zieht er eine positive Bilanz dieses neuen Instruments. Denn in einem weiteren Fall hatten die Ermittler im vergangenen Oktober ein Opfer identifizieren können: Eine Schulleiterin in Bayern hatte den Jungen erkannt. Festgenommen wurde der Vater des Siebenjährigen.

Nicht inflationär

Eine weitere Schulfahndung läuft derzeit nicht. Das Instrument bleibt für Badle das letzte Mittel, auf das er nur setzen will, wenn alle anderen Methoden gescheitert sind: Zum einen sei der Aufwand immens. Zum anderen dürfe man die Schulfahndung nicht inflationär nutzen, „weil sonst die Aufmerksamkeit der Lehrer und ihre Bereitschaft mitzuarbeiten schwindet“.