Mehr gescheiterte Versuche

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Was wir bereits wissen
Wohnungseinbrüche sind rund um Weihnachten und Neujahr nicht selten. Die Kreispolizeibehörden können nicht bestätigen, dass es zu einer Zunahme gegenüber den Vorjahren gekommen ist. Wohl aber, dass die Zahl der gescheiterten Einbruchsversuche gestiegen ist.

Hagen..  Die unbekannten Täter müssen am Heiligen Abend zwischen 17.30 und 23 Uhr in die Wohnung des Schwelmer Mehrfamilienhauses eingedrungen sein. Als die Familie spätabends in ihr Domizil zurückkehrt, haben die Eindringlinge die Abwesenheit schamlos ausgenutzt: Es fehlen Schmuck, Bargeld und bereits verpackte Weihnachtsgeschenke. Eine böse Weihnachtsüberraschung.

Wohnungseinbrüche sind rund um Weihnachten und Neujahr nicht selten. Die Kreispolizeibehörden können nicht bestätigen, dass es zu einer Zunahme gegenüber den Vorjahren gekommen ist. Wohl aber, dass die Zahl der gescheiterten Einbruchsversuche gestiegen ist.

Besser abgesicherte Wohnungen

„In unserem Zuständigkeitsbereich ist in 40 bis 45 Prozent der Fälle ein geplanter Einbruch im Versuchsstadium stecken geblieben“, sagt Meik Reichmann (Kreispolizei Siegen-Wittgenstein). Das Landeskriminalamt (LKA) kommt Sprecher Frank Scheulen zufolge auf einen Wert von 42 Prozent für ganz NRW. Sein Fazit: „Die Aufklärung greift: Die Leute sichern ihre Wohnungen besser ab.“

Ein Einbruch ist eine Sache von wenigen Minuten. Verstreicht viel Zeit, weil der Täter Probleme beim Aufhebeln gut gesicherter Fenster und Türen hat, lässt er oft von seinem Vorhaben ab, weiß Stephan Clemens (Kreispolizei Olpe). Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor viele Wohnungsmieter und -besitzer es den Dieben zu leicht machen. „Wenn man nicht da ist, sollten nicht bereits um 11 Uhr morgens alle Jalousien unten sein“, so Clemens weiter.

Wohnungseinbrecher haben es in der Regel auf Bargeld, Schmuck und Wertgegenstände abgesehen („Alles, was in eine Tasche passt“). Sie dringen in Häuser ein, die ihnen unbewohnt erscheinen. „In der Dämmerung sieht ein Einbrecher mit einem Blick, ob jemand zu Hause ist“, sagt Ludger Rath (Polizei Hochsauerlandkreis). Zudem seien naturgemäß in den Weihnachtsferien (Reisen) und an den Weihnachtstagen (Verwandtenbesuche) viele Häuser verwaist - „ideale Strukturen für die Täter.“

Eine Friedenspflicht für Kriminelle rund um das Fest der Liebe und um Silvester gibt es nicht. Auch wenn Birte Boenisch (Polizei Ennepe-Ruhr-Kreis) sich vorstellen kann, dass so manches Mitglied einer reisenden Diebesbande sich Weihnachten im Kreise der Familie in der Heimat aufhält, scheren sich andere Tätergruppen nicht um Feiertage - Täter, die am Ort oder in der nahen Umgebung wohnen, oder Beschaffungskriminelle, die ihre Drogensucht mit Einbrüchen finanzieren.

„Es gibt eben nicht nur eine bestimmte Täterklientel“, sagt der Soester Polizeisprecher Frank Meiske. In seinem Beritt werden im Schnitt zwei bis drei Einbrüche am Tag gezählt - in der dunklen Jahreszeit. „Die Zahlen steigen ab Ende Oktober, Höhepunkt ist in den Monaten Dezember und Januar.“

Der typische Einbrecher „versucht zu verhindern, dass er bei seiner Tat auf jemanden trifft“, sagt Stephan Clemens (Olpe). Sollte ein Bewohner dennoch auf einen Eindringling stoßen, rät der Polizeisprecher zur Besonnenheit. „Spielen Sie nicht den Helden“, warnt er. „Ein solches Aufeinandertreffen ist purer Stress für den Einbrecher.“ LKA-Mann Scheulen ergänzt: „Eine Konfrontation kann man nicht beherrschen.“

Pilotbehörden testen Software

Die Polizei will auch in Zukunft Einbrechern das Leben so schwer wie möglich machen. In der zweiten Jahreshälfte 2015 soll in den Pilotbehörden Duisburg und Köln eine Software getestet werden, mit der Prognosen aufgestellt werden können, wann und wo die Wahrscheinlichkeit von Einbrüchen am höchsten ist. „Wir werden schauen, ob uns die Software weiter helfen kann“, sagt Scheulen, der betont, dass man datenschutzrechtliche Bestimmungen einhält. Eine unbekannte Größe bleibt ohnehin immer der Faktor Mensch, also das Verhalten des Täters: „Wir werden keine Straftaten auf den Punkt genau vorhersagen können.“