„Massenhafte Ausreise ist offenbar organisiert“

Arnsberg..  Er kann nicht glauben, was er aus der Heimat hört. „Ich habe mit vielen Bekannten gesprochen“, sagt Kemajl Callaku. „Manche haben geweint. Sie sind in größter Sorge.“

Der 57-Jährige stammt aus Kacanik, lebt seit vielen Jahren mit seiner Familie in Arnsberg und erteilt an der Grimmeschule Arnsberg und der Hauptschule Sundern herkunftsprachlichen Unterricht in Albanisch.

Ob er eine Erklärung für den Exodus hat? „Ich weiß nicht, was dahinter steckt, aber die massenhafte Ausreise ist ganz offenbar organisiert.“ Er wundere sich, wie völlig überfüllte Busse mit 60 bis 70 Menschen an Bord ohne Schwierigkeiten über die Grenze nach Serbien ­kämen und weiter Richtung Ungarn fahren könnten. „Die Polizei macht die Augen zu.“

Wenn er Verwandte besuche und einreise, würde er, so sei es noch vor zwei Monaten gewesen, wie immer gründlich kontrolliert: „Unter einer halben Stunde dauern die Grenzformalitäten nie.“

Warum sich Familien auf den Weg in die Schweiz, nach Österreich und Deutschland aufmachen, ist ihm ein Rätsel. „Eine vierköpfige Familie bezahlt für die Fahrt bis zu 5800 Euro. Viel Geld.“ Die jüngste Geschichte, die er gehört hat: Ein Lehrer, der monatlich 400 Euro verdient, wirft über Nacht alles hin und verabschiedet sich mit seiner Familie Richtung Deutschland. „Ich weiß nicht, wohin das noch führen soll. Für das Land ist das eine Katastrophe.“ Erst jetzt hätten die Behörden vor Ort die dramatische Entwicklung und die damit verbundenen Folgen erkannt. Und Callaku hat Sorge, ob der von ihm organisierte Schüleraustausch mit Mädchen und Jungen aus dem Kosovo in diesem Jahr reibungslos klappt: „Ich hoffe, es gelingt uns.“