Mann, über 40 Jahre alt, Zwillinge

Köln..  Das Motorrad ist verkauft, die Ski-Ausrüstung eingemottet, die Dauerkarte beim Lieblingsverein gekündigt, und der Urlaub ist auch nicht mehr das, was er mal war. Rucksack-Reisen nach Übersee sind passé. Aber ich habe es ja nicht anders gewollt.

Wir hatten uns schon frühzeitig geeinigt: Heike geht nach dem Mutterschutz wieder voll arbeiten, ich tausche Redaktion gegen Wickeltisch, nehme Elternzeit, kümmere mich um unser Kind. Zweifel an diesem Rollentausch hatte ich zu keiner Zeit. Auch nicht, als sich „unser Kind“ auf dem Ultraschallbild beim Frauenarzt mal eben verdoppelt hatte.

Gut zwei Jahre ist das nun her – und ich bereue immer noch nichts. Kaiserschnitt, Kinderklinik und schlaflose Anfangsmonate sind Vergangenheit. Längst hat sich im Alltagsleben mit Mats und Torben eine allseits geschätzte Routine eingespielt; Rituale und strukturierte Abläufe bestimmen den Rhythmus. Dazu zählen das morgendliche Fläschchen und vier weitere Mahlzeiten des Tages ebenso wie die kleinen und großen Inspektionen am Wickeltisch, die nach mehr als 5000 gewechselten Windeln zügig und unfallfrei von der Hand gehen.

An die dreifache Außenseiterrolle in Krabbel- und sonstigen Gruppen (Mann, über 40, Zwillinge) habe ich mich schnell gewöhnt, auch daran, dass Termine strikte Planung und Zeitmanagement erfordern – zwei Kleinkinder wollen erst einmal gewickelt und wetterfest verpackt sein. Dienstags ist Baby-Turnen (besser: Toben), freitags Zwillingsgruppe (auch Toben) und sonntags Baby-Schwimmen; zweimal die Woche zudem Hindernisrennen mit Doppelkinderwagen zwischen Supermarktregalen. Wenn das Wetter passt, geht’s nachmittags oft auf den Spielplatz oder in den Tierpark, wo mich die Jungs inzwischen gerne in lustige Wettläufe verwickeln (einer nach links, der andere nach rechts).

Schön ist, dass die Jungs erste Worte gelernt haben, Neinsagen zum Beispiel beherrschen beide perfekt – ein Nein aus Papas Mund wird aber nur als unverbindliche Handlungsempfehlung aufgefasst. Bestenfalls. Denn wer ist schon Papa? Für Mats jedenfalls gibt es gleich zwei Mamas, eine davon bin ich. Eine unerschütterliche Überzeugung, die seinen Bruder ins Wanken gebracht hat. Dass auch ich mittlerweile reflexartig darauf höre, finden eigentlich alle lustig – außer Mama.