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Libyen schickt Kriegsverletzte nach Bad Laasphe

22.02.2012 | 16:49 Uhr
Libyen schickt Kriegsverletzte nach Bad Laasphe
Die Patientenzimmer in den Gebäuden sollen saniert werden. Hier ist am Beispiel Schlossbergklinik zu sehen, wie ein Balkon in das Patientenzimmer integriert wird und so mehr Raum für Behandlung und Aufenthalt schafft.

Bad Laasphe.Es ist eine Chance für schwer verletzte Opfer des libyschen Bürgerkriegs: Sie werden in Deutschland behandelt und gepflegt. Und es ist eine Chance für das Gesundheitszentrum Wittgenstein in Bad Laasphe, das sich nach der Insolvenz vor einem Jahr im Neuaufbau befindet. Finanziert wird die Versorgung der Patienten über die libysche Botschaft mit Geld, das auf den Auslandskonten von Ex-Diktator Gaddafi lag.

Ein 29-jähriger Libyer ist zur Zeit in Begleitung seines Vaters auf dem Schlossberg, 16 weitere sind angekündigt, darunter mehrere mit Begleitpersonen. „Der Kontakt kam über einen Vertriebsleiter für medizinische Geräte zustande“, berichtet Geschäftsführer Jörg Moses. Libysche Delegationen hätten dann die stillgelegte Klinik besichtigt, bevor Ende Januar der erste Kriegsversehrte eintraf. „Er hat eine schlimme Schussverletzung und ist querschnittgelähmt“, sagt Moses. „Zu uns kam er nach der Operation, jetzt geht es um Stabilisation und Reha.“ Sein Zustand sei schon wesentlich besser, auch wenn es ihm schwer falle, die Behinderung zu akzeptieren. „Aber er fühlt sich gut versorgt, und das hat den Ausschlag gegeben für die neuen Patienten.“

An das Gesundheitszentrum, das gerade Pflegeheim und ambulanten Pflegedienst aufbaut, Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie anbietet ein Fitnessstudio baut, die Konzession zur Rehaklinik hat und auf die zur Akutklinik wartet, stellen die Libyer besondere Ansprüche: „Wir haben eine junge Frau aus dem Libanon, die werktags dolmetscht und einen palästinensischen Medizinstudenten aus Marburg, der am Wochenende kommt“, sagt Moses. Chefarzt Prof. Said Moshef Dehkordy stammt aus dem Iran und hat Verständnisse für Bedürfnisse von Muslimen. Am Freitag kommt ein arabischer Koch zum Vorstellungsgespräch. Aber man stößt an Grenzen: „Wir können unsere beiden männlichen Pfleger nicht ständig im Dienst lassen, weil die Versorgung durch Schwestern zu Peinlichkeiten führt.“

20 neue Stellen können durch die Libyer besetzt werden. Gut 50 Beschäftigte sind es jetzt. 350 waren es einmal. Moses hofft, bis 2015 wieder auf 200 bis 250 zu kommen. Auch dank arabischer Patienten. 80 000 Menschen in Libyen bräuchten noch medizinische Hilfe. Und in Syrien tobt der Bürgerkrieg gerade erst.

Harald Ries

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