Kristina Sprehe kürt sich zur Königin von Balve

Meisterehrung: Kristina Sprehe wird als Deutsche Meisterin in der Kür geehrt. Auf Platz zwei landete Isabell Werh (links), Dritte wurde Jessica Bredow-Werndl.
Meisterehrung: Kristina Sprehe wird als Deutsche Meisterin in der Kür geehrt. Auf Platz zwei landete Isabell Werh (links), Dritte wurde Jessica Bredow-Werndl.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Dressurreiterin verteidigt sowohl im Grand Prix Special und Kür ihre Titel bei den deutschen Meisterschaften. „Jetzt kann geheiratet werden“, sagt die Mannschafts-Weltmeisterin, die am kommenden Samstag standesamtlisch getraut wird.

Balve..  Die Gefahr nähert sich, ohne dass es Kristina Sprehe bemerkt. Die Ehrung der Gewinnerin ist bereits beendet, die Nationalhymne im Reitstadion verklungen, als die Kolleginnen plötzlich zupacken, die Siegerin ein paar Meter über den Sand tragen und sie im seichten Wasser eines Sprunghindernisses abladen. Sie wehrt sich, sie will die Täterinnen Isabell Werth und Jessica Bredow-Werndl, die gerade noch so friedlich neben ihr auf dem Siegerpodest gestanden hatten, mit ins Nass ziehen. Vergeblich.

Aber Kristina Sprehe lacht, lacht das weiße und unbeschwerte Lächeln von jemandem, der gerade nicht baden gegangen ist, sondern der spontan getauft wurde. Getauft als die Königin von Balve. Die 28-Jährige aus Dinklage verteidigte in der Dressur ihren deutschen Meistertitel im Grand Prix Special sowie am Sonntag in der Kür. „Jetzt“, sagt sie, als hätte das Ergebnis irgendeinen Einfluss darauf, „kann geheiratet werden.“ Es ist nämlich nicht nur sportlich ein möglicherweise goldenes Jahr für Kristina Sprehe.

Auf Desperados schwebte die Mannschafts-Weltmeisterin der Konkurrenz beim Balve Optimum erhaben schön davon. Als sie am Sonntag ins Viereck ritt, da herrschte spannungsvolle Stille. Der einzige, der sich zu regen wagte, war Sprehes Vater Paul. Und auch der eher ungewollt. Der Geschäftsführer des Sprehe-Feinkost-Imperiums zitterte am ganzen Körper vor Anspannung. „Die Kristina ist im Gegensatz zu mir ganz cool“, sagt er. Aber Desperados tänzelte so präzise und anmutig durch den Sand, dass Bestnoten heraussprangen. „Gewaltig“, meinte Bundestrainerin Monica Theodorescu, als am Sonntag das Ergebnis in der Kür auf der Anzeigetafel aufleuchtete: 87,275 Prozentpunkte.

„Ich wusste, dass Desperados gut drauf ist“, sagt Kristina Sprehe über ihren Hengst, dessen schwarzes Fell in der Sonne glänzt, „er ist ein Macho, der gern mal Unsinn macht, aber wenn es darauf ankommt, dann ist er bei der Sache. Als wenn er einen Schalter umlegen könnte.“ Das war umso wichtiger, weil das Balve Optimum als Sichtungsturnier für die Europameisterschaft in Aachen im August ausgeflaggt war. Kristina Sprehe und Desperados sind zur Stunde das Paar, das es national zu schlagen gilt.

Am ehesten könnte dies noch Isabell Werth gelingen. Sie trat in Balve mit ihrem Zweitpferd Don Johnson an und landete jeweils auf dem zweiten Platz. Die fünfmalige Olympiasiegerin hofft beim zweiten Sichtungsturnier in Hagen am Teutoburger Wald und natürlich auch bei der EM wieder auf die nach Verletzung gerade erst wieder zu alter Stärke findende Bella Rose zurückgreifen zu können.

Traumprinz gefunden

Kristina Sprehe sorgt das nicht. Sie steht da, tropfnass von ihrem unfreiwilligen Badeausflug. Die weißen, durchnässten Handschuhe hat sie ausziehen müssen. Zum Vorschein kommen Finger, an denen kein Verlobungsring zu sehen ist. „Der hat einen Stein, damit komme ich nicht so gut zurecht, aber den Ehering werde ich zukünftig tragen“, sagt sie.

Und lacht. Unbeschwert.

Die Königin von Balve wird ihren Traumprinzen am kommenden Samstag standesamtlich heiraten, im August dann kirchlich. Wenige Tage nach der EM in Aachen. Und sie hofft, dass sie ihren Satz dann so freudig wiederholen wird: „Jetzt kann geheiratet werden.“