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Kopfrechnen-WM in Münster - Der Wettstreit der Superhirne

02.11.2012 | 18:59 Uhr
Kopfrechnen-WM in Münster - Der Wettstreit der Superhirne
David Perk im Jugendgaestehaus am Aasee in Muenster vor einem Blatt mit Kopfrechenaufgaben, neben ihm steht der neunfache Weltmeister im Kopfrechnen Dr. Gert Mittring.Foto: Bernd Lauter

Münster.   Sie ziehen Kubikwurzeln, errechnen, welcher Wochentag zu einem bestimmten Datum passt: In Münster messen sich am Samstag 34 Jungen und Mädchen zwischen acht und 17 Jahren bei der dritten Kinder- und Jugend-Weltmeisterschaft im Kopfrechnen.

Da sitzen sie im Jugendgästehaus am Aasee: 34 Kinder und Jugendliche aus aller Welt, aus China, aus Indien, den USA, Deutschland und vielen anderen Nationen. Nachwuchs, der sich seit Freitag  in Münster in Workshops kennenlernt - und beäugt. Harmlos dreinblickende Erdenbürger. Wer sie aber näher kennt, der weiß, Vorsicht ist geboten. Das sind Zahlenakrobaten, Rechenkünstler, die Wurzeln lieber ziehen als sie zu essen, gegen die man selbst mit einem Taschenrechner keine Chance hat. Noch bevor der Automat gezückt ist, hat die richtige Lösung einen bereits getroffen.

Die 8- bis 17-jährigen Talente, darunter sieben Mädchen, kämpfen am Samstag in zwei Altersgruppen unterteilt um die Krone der dritten Kinder- und Jugend-Weltmeisterschaft im Kopfrechnen. Disziplinen wie Addieren und Multiplizieren beherrschen sie im Schlaf. In Münster erwartet sie Kniffligeres, zum Beispiel sechsstellige Zahlen zu jonglieren oder aus dem Stand zu errechnen, dass der 1. April 1976 ein Montag war. Sympathisch macht das Ganze für unter Mathe-Phobie Leidende nur, dass die Kinder mit dem geringstmöglichen Aufwand zum Ergebnis kommen sollen.

Die Akrobaten im Kopfrechnen messen sich u.a. in Primfaktorenzerlegung, in Wurzel-, Währungs- und Kalenderberechnung. 16 verschiedene Aufgabentypen gilt es auf 43 Seiten zu lösen. „Das sieht dann aus wie bei einer Abi-Klausur“, berichtet Mitorganisatorin Martina Lange-Blank. Zwei Stunden Zeit hätten die Schüler für die Aufgaben.

Kampf um Medaillen

Um eine Medaille kämpft der zwölf Jahre alte David Perk aus Münster. Aufgeregt sei er, teilt er der WAZ Mediengruppe mit. Zahlen seien sein „Ding“, führt er fort und ­erzählt, wie er mit Ungehorsam die Leidenschaft fürs Kopfrechnen entdeckte: „Ich hab mich ­erfolgreich meiner Grundschullehrerin widersetzt, die darauf bestand, Rechenaufgaben auf einem Blatt Papier zu erledigen. Ich habe es einfach nicht getan - und war ohne immer schneller als die anderen.“

Einen Taschenrechner benutzt David Perk per se nicht. Dafür, so berichtet er, beherrsche er zu viele Tricks. Tricks? „Ja, zum Beispiel wie man Subtraktionen vereinfacht, indem man Zahlen in überschaubar kleine Gruppen gliedert. Durch Rundung des Subtrahenden kann man die Differenz ebenfalls vereinfachen. Ein Spezialfall stellen Minuenden als 10er-Potenzen da . . .“ Aha!?

Eine Chance, die WM-Krone zu erringen, spricht sich der Schüler aus Münster ab: „Martin ist besser, Vincent erst recht und Alexander auch.“ Nur in seiner Königsdisziplin, „den Kubikwurzeln“ sei er fast unschlagbar. Wenn er groß und stark ist, will er, nein kein Informatiker, sondern Paläontologe werden. „Auch da ist Logik gefragt: Hat man einen alten Oberschenkel gefunden, kann man schnell errechnen, wo der Unterschenkel liegt!“

Neunfacher Weltmeister

Organisator Gert Mittring aus Bonn will sich mit der WM der kleinen Rechengenies - gemeinsam mit der Andreas-Mohn-Stiftung und zusammen mit der Universität Münster - für die „Kulturtechnik Kopfrechnen“ stark machen. Die Lust an Zahlenakrobatik, so der neunfache Erwachsenen-Weltmeister, könne noch an allen Schulen des Landes weiter gesteigert werden. „Kopfrechnen hilft einem sein Leben lang. Wer es kann, der zahlt nie zu viel, der lernt Rücklagen zu bilden, der gewinnt im Alltag Vorteile.“ An so mancher Schule würde immer noch der Fehler begangen, Rechnen sinnfrei zu gestalten. „Damit Schüler motiviert mit Zahlen umgehen, ist es wichtig, ihnen mitzuteilen, wofür es nützlich ist“, sagt der Mann, dessen Buch „Rechnen mit dem Weltmeister“ ganz oben in den Bestseller-Listen steht.

Seit neun Weltmeisterschaften in Folge hat niemand mehr Gert Mitt­ring im Kopfrechnen geschlagen. Ein „echter Konkurrent“, so der 46 Jahre alte Großmeister, sei auch beim aktuellen Nachwuchs nicht in Sicht. Dass der Mann, der von vielen als Genie bezeichnet wird, von Haus aus Psychologe ist, dient dabei nicht immer seinem Streben, Vorbild für die Jüngeren zu sein. So etwa, wenn er beim Einkaufen im Supermarkt die Kassiererin mit seiner Schnellig- und Genauigkeit im Kopfrechnen völlig aufgelöst zurücklässt.

Rudi Pistilli


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