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Kleine Kliniken überleben

02.01.2012 | 17:23 Uhr
Kleine Kliniken überleben

Hagen.Am Nachmittag rudert der Chef der größten deutschen Krankenkasse zurück: Nein, um Bettenabbau und Klinikschließungen gehe es gar nicht, nur um mehr ambulante Versorgungsangebote. Aber klar ist: Viele Krankenhäuser gerade im ländlichen Raum stehen unter Druck.

Im Marienkrankenhaus in Wickede-Wimbern hält seit Dezember nur noch ein Notarzt Wache, und für das St.-Marien-Hospital Balve mit seinen 90 Betten fürchten Bürger das Schlimmste: Die Katholische Hospitalvereinigung im Märkischen Kreis, die auch Kliniken in Iserlohn und Menden betreibt, schreibt hat eine Unternehmensberatung mit einem Strukturkonzept beauftragt. Das soll Ende Januar vorliegen. Die Balver organisieren Widerstand gegen für Sommer erwartete Schließung, die auch Neuenrade und Sundern treffen würde.

Und das könnte so weiter gehen: Der Krankenhaus Rating Report 2011 rechnet damit, dass ohne Gegenmaßnahmen etwa zehn Prozent der zurzeit rund 2000 deutschen Kliniken schließen müssten - vor allem kleinere auf dem Land.

Was könnten Gegenmaßnahmen sein, um die Gesundheitsversorgung wohnortnah aufrechtzuerhalten, wo auch niedergelassene Mediziner knapp werden? Da besteht im Prinzip Einigkeit: Krankenhäuser und Arztpraxen müssen besser verzahnt werden. Das meint der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Christoph Straub, nachdem seine Schließungsforderungen von der Ärztekammer Westfalen-Lippe als „Todesstoß“ gerügt wurden. Das meint Lothar Kratz, Sprecher der Krankenhaus Gesellschaft Nordrhein-Westfalen: „In vielen Orten tut sich schon etwas. Hier sollten die Versicherer Modelle fördern, statt nach Schließungen zu rufen.“

Und das sieht die Politik nicht anders. Der Iserlohner SPD-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler, Mitglied im Gesundheitsausschuss, meint, kleinere Krankenhäuser, auf die man im ländlichen Raum nicht verzichten könne, müssten stärker in Verbünde gehen. Hubert Kleff aus Olsberg, Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Gesundheitsfragen, nennt das aktuelle Beispiel dafür: das Klinikum Arnsberg, der Zusammenschluss des St. Johannes Hospitals Neheim und des Karolinen Hospital Hüsten, beide in kirchlicher Trägerschaft, mit dem bisherigen städtischen Marienhospital.

Das war langwierig und kompliziert. Aber notwendig, wie Werner Kemper, Sprecher der Geschäftsleitung, meint. Weil nun kein Haus von Schließung bedroht sei und man so Qualität sichern und ausbauen könne: „Sonst sind die Patienten schnell weg.“ In Hagen sind die katholischen Häuser St. Johannes, St. Josef und St. Marien schon länger in einer GmbH vereint. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Geschäftsführer Alfred Tomczak.

Und was macht das Land, das bis Ende des Jahres einen neuen Krankenhausbedarfsplan vorlegen will? „Wir müssen mit den Krankenkassen, der Krankenhausgesellschaft und den niedergelassen Ärzten analysieren, wo wir zu viele Behandlungen in Krankenhäusern haben und wo wir zusätzlichen Bedarf haben“, so Gesundheitsministerin Barbara Steffens. „Einfache Lösungen wie eine pauschale Schließung von Krankenhäusern bringen keine Verbesserung.“ Ein Problem sei aber, dass eine Regionalplanung, die ambulante Mediziner und Kliniken gemeinsam betrachte, nicht möglich sei. Hier müsse die Bundesregierung gesetzgeberisch aktiv werden.

Harald Ries

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