Kinder- und Kochbücher als Umsatzmotor

Rund 7100 Verlage präsentieren sich auf der Frankfurter Buchmesse.
Rund 7100 Verlage präsentieren sich auf der Frankfurter Buchmesse.
Foto: Arne Dedert/dpa
Was wir bereits wissen
  • Harry Potter & Co. kurbeln die Umsätze der Buchhändler an
  • Rund 7100 Verlage präsentieren sich auf der Messe
  • Wichtiges Thema: Geschäftsnachfolge in Zeiten des demographischen Wandels

Frankfurt..  Ein Selfie mit Donna Leon ist fast so schön wie ein selbst geklauter Roman. Bei der Frankfurter Buchmesse geht das Publikum auf die Jagd nach Prominenten und Trophäen. Die Verleger hingegen sind auf der Suche nach einem neuen Harry Potter. Selbst das Textbuch zum neuen Bühnenstück von Joanne K. Rowling beschert der Branche zauberhafte Zahlen pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.

Das Kinder- und Jugendbuch ist der Wachstums- und Umsatzmotor der Branche. Knapp 9100 Titel erscheinen jährlich in diesem Segment in Deutschland, das sind elf Prozent der Gesamtproduktion. Tendenz weiter wachsend. Entsprechend belegen die großen Kinderbuch-Verlage wie Carlsen oder Oetinger den größten Teil der publikumsträchtigen Halle 3. Zu den klassischen Themen wie Internat und Pferde haben sich längst im Gefolge von Harry Potter unzählige phantastische Parallelwelten gesellt. Auch die Science Fiction ist im Jugendbuch wieder im Kommen. Der Erfolg lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass immer mehr Erwachsene zu Jugendbüchern greifen.

Ähnlich umsatzstark behauptet sich das Kochbuch am Markt. In Frankfurt wird nicht nur in 1000 neuen Kochbüchern geblättert und geschmökert; in der neuen Gourmet Gallery rühren und schnippeln Fernsehköche am laufenden Meter, und das Buchvolk drängelt sich, um ein Probierhäppchen zu ergattern. Ein Ende des Kochbuch-Booms scheint nicht in Sicht. Allein das wachsende Interesse am Grillen inklusive Wintergrillen hat immer neue Titel mit Rezepten und Tipps zur Folge, dazu kommen Ernährungstrends wie die vegane Küche, deren Anhänger ebenfalls nach Lektüre rufen.

Stefan Könemann, Geschäftsführer des Barsortiments Könemann mit Sitz in Hagen und Vorstandsmitglied im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, gibt auf der Buchmesse dagegen den Startschuss für ein wichtiges, aber nicht ernst genug genommenes Problem. „Wir greifen das Thema demographischer Wandel auf, also die Inhabernachfolge“, so Könemann. Alleine in NRW sind ein Drittel der Buchhändler über 55 Jahre alt. Und wie bei anderen mittelständischen Unternehmen gibt es Schwierigkeiten, wenn die Betriebsübergabe nicht sorgfältig geplant wird. „Heute muss ein Buchhändler das Wissen, das er über sein Geschäft im Kopf hat, mit verkaufen“, betont Könemann. „Dazu gehören eine moderne Kundendatenbank, ein Online-Auftritt, eine funktionierende Warenwirtschaft und das Netzwerken mit anderen Buchläden, um Kennzahlen vergleichen zu können.“ Könemann möchte diese Prozesse moderieren, „wir nehmen dafür wirklich Geld in die Hand“. Ganz uneigennützig ist das natürlich nicht. „Wir erhalten dadurch einen gesunden Buchmarkt, unser Eigeninteresse besteht darin, dass wir Buchhandlungen erhalten wollen. Ich möchte meinen Einfluss als Börsenvereinsvorstand geltend machen, damit auch der Verband die Moderation der Unternehmensnachfolge als seine Bringschuld ansieht.“

Magdalena Neuner stellt Strickideen für Babys vor

Das Thema Digitalisierung, das die Branche in den Vorjahren fast in Schockstarre versetzt hat, scheint dagegen durch. Der Buchhandel ist, durch den Internetkonzern Amazon gezwungen, Vorreiter des digitalen Geschäfts im Einzelhandel geworden. Ob ein lokaler Buchladen aber seine digitalen Kanäle voll ausspielt, hängt vom Einzelfall ab. Könemann, der den Buchhandlungen Online-Shops einrichtet, resümiert: „Die meisten haben einen Shop. Aber nicht alle leben das.“

Auf der Buchmesse jedenfalls sind die Stars nicht virtuell, sondern geben ganz leibhaftig Autogramme oder lesen aus ihren Werken. Und dem Sog dieses internationalen Literaturkarussells kann sich von Nele Neuhaus bis Hardy Krüger kaum ein Literat entziehen. 600 Autoren reisen an. Der Buchbegriff wird dabei traditionell weit gefasst. So stellt Biathletin Magdalena Neuner im Rahmen einer Benefiz-Aktion ihr brandneues Werk „Meine liebsten Strickideen für Babys“ vor.