Kettler-Insolvenz: Zeichner des ersten Kettcar blickt zurück

Wilfried Bialowons aus Arnsberg-Bruchhausen zeichnete vor 53 Jahren den ersten Kettcar von Kettler.
Wilfried Bialowons aus Arnsberg-Bruchhausen zeichnete vor 53 Jahren den ersten Kettcar von Kettler.
Foto: WP Ted Jones
Wilfried Bialowons aus Arnsberg-Bruchhausen zeichnet das erste Kettcar für Kettler. Der 76-Jährige sieht die Zukunft der in Ense mit Sorge.

Ense/Arnsberg.. „Mir geht das sehr nahe“, sagt der 76-Jährige. „Es tut mir so leid für die Leute, die dort beschäftigt sind. Ich lese jede Zeile.“ Wilfried Bialowons aus Arnsberg-Bruchhausen ist dem Familienunternehmen Kettler verbunden. „Ich weiß noch, wie Heinz Kettler mit dem Prokuristen Willi Knoppe zu uns nach Hause gekommen ist, eine Art Kinderauto aus den USA auf den Küchentisch gestellt hat und mich aufgefordert hat, eine Zeichnung anzufertigen.“

Das war vor 53 Jahren, die Geburtsstunde des Kettcars, absoluter Renner unter den Produkten aus dem Hause Kettler. Der Maschinenbau-Ingenieur erinnert sich gerne daran zurück. Eine Erfolgsgeschichte. Nicht nur er verbindet mit Kettler Vergangenheit und Wertarbeit. Auch Ilona Lange, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hellweg-Sauerland, kennt Kettler aus der Studentenzeit: „Meine Eltern haben mir als Studentin in Braunschweig ein Kettler-Rad gekauft. Es ist 30 Jahre alt und fährt heute noch.“

Unruhe unter den Mitarbeitern

Die 48-Jährige hofft, dass das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Unternehmen wieder in die richtige Spur kommt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es das Unternehmen Kettler nicht mehr geben wird.“ Verständnis zeigt sie für die große Unruhe unter den Mitarbeitern. „Das kann jeder nachfühlen.“

Werl und Ense ohne Kettler entzieht sich auch dem Vorstellungsvermögen des Werler Bürgermeisters Michael Grossmann (CDU): „Die geplante Insolvenz ist hoffentlich der Anfang für einen neuen fruchtbaren Weg.“ Dass dabei Arbeitsplätze verloren gehen, hält der 66-Jährige für nicht unwahrscheinlich. „Es wäre eine Illusion zu glauben, alle könnten ihren Arbeitsplatz behalten. Das würde jeder Erfahrung widersprechen.“ Sein Wunsch ist es, „den Abbau von Arbeitsplätzen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.“

Die Stadt Werl werde alles unternehmen, um dabei Hilfestellung zu leisten. „Auch wenn die Mittel einer Kommune begrenzt sind.“ Mut macht Landtagsvizepräsident Eckhard Uhlenberg (CDU): „Es gibt Hoffnung, dass es mit einem zusätzlichen Investor einen Weg in die Zukunft gibt.“ Der 67-Jährige aus Werl weiß um die Unsicherheit und Belastung der Beschäftigten. „Mein Nachbar hat mir schon vor Wochen gesagt, irgendetwas im Unternehmen stimme nicht.“ Jetzt gehe es darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten: „Es ist eine der ganz großen Traditionsfirmen, die zu Westfalen gehören.“ An der Suche nach Gründen für die Krise beteiligt er sich nicht: „Das kann ich als Außenstehender gar nicht.“

Sohn Heinz früh gestorben

Andere fragen sich, ob es Firmengründer Heinz Kettler versäumt hat, einen Nachfolger aufzubauen. Auch der frühe Unfalltod seines Sohnes Heinz, er starb mit 21 Jahren bei einem Verkehrsunfall in Ense, durchkreuzte alle Pläne.

Nach Kettlers Tod im März 2005 im Alter von 78 Jahren schrieb das Unternehmen im Folgejahr schwere Verluste. Seine Tochter Karin, Alleininhaberin und Geschäftsführerin, lebte lange im Saarland und ist Biologin.

Sie will den Mitarbeitern am Montag in der Stadthalle Werl sagen, wie es weiter gehen soll. Wilfried Bialowons ist gespannt: „Ich werde jede Zeile lesen.“

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