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Julia Wulf (37) ist schon seit neun Jahren geschäftsführende Gesellschafterin bei Ketten Wulf in Eslohe

14.02.2012 | 19:45 Uhr
Julia Wulf (37) ist schon seit neun Jahren geschäftsführende Gesellschafterin bei Ketten Wulf in Eslohe
Julia Wulf

Eslohe.Irgend etwas muss Günter Wulf (64) aus Eslohe-Kückelheim mit seinen Kindern anders gemacht haben als viele seiner mittelständischen Unternehmer-Kollegen im Sauerland. Die meisten von ihnen sind schon froh, wenn nur ein Sprössling Lust, Neigung und vor allem die Befähigung zeigt, in den elter­lichen Betrieb einzusteigen.

Im Porträt

Bei Wulf sind es gleich drei. „Vater hat uns früh für die Firma begeistert“, sagt Tochter Julia Wulf (37), die Älteste und gemeinsam mit ihrem Vater Günter und ihren Brüdern Tobias (Jahrgang 1976) und Ansgar (1979) geschäftsführende Gesellschafterin. Sie habe sich schon früh, mit 14, 15 Jahren, die Frage gestellt: Was muss ich studieren, um hier arbeiten zu können? Etwas anderes „war nie Thema bei uns.“

Die Firma, in der 1200 Mitarbeiter weltweit, davon allein 550 in Kückelheim, einen Umsatz von zuletzt 170 Millionen Euro erwirtschaften, ist unter dem Namen Ketten Wulf ein Begriff. Sie produziert Kettenräder sowie Förder- und Antriebsketten, die gut versteckt ihren Dienst in Rolltreppen, Schleusen, Getreidesilos, Bändern der Autoindustrie und zum Transport in der Stahl- und Papierindustrie sowie in Sägewerken ihren Dienst tun - unauffällig, aber absolut notwendig, damit alles läuft wie geschmiert. „Solche Produkte haben Bewerber natürlich weniger vor Augen, wenn sie einen Arbeitsplatz in der Region suchen“, sagt Julia Wulf augenzwinkernd. „In dieser Hinsicht haben es unsere Nachbarn wie Veltins oder Falke schon etwas leichter.“

Was macht die Herstellung von Antriebsketten und Kettenrädern attraktiv für ein junges Mädchen, dem die ganze Welt offen stünde? Julia Wulf fand in dieser Zeit auch die Schauspielerei interessant, wie sie einräumt. Ein Groß­onkel war Schauspieler. Er riet ihr: Man muss auf die Bühnen der Welt. „Ich bin gern in der Welt unterwegs, aber beruf­liche Sicherheit ist mir wichtig“, gesteht die Unternehmerin.

Julia Wulf: „Vater hat uns früh begeistert“

So ist sie allmählich in die familiär geprägte Firmenwelt hineingewachsen. Erst, als Kind, bei gelegent­lichen Besuchen im 100 Meter vom Elternhaus entfernten Betriebsbüro, später auch in der Produktion. Der Vater war in dieser Zeit enorm wichtig, und er ist es wohl auch heute noch, wie man spürt. „Er hat mich immer gefördert, wir Geschwister werden absolut gleichberechtigt behandelt“, betont Julia Wulf. „Er hält die Fäden zusammen, und wir alle sagen ihm, er solle bloß nicht an den Ruhestand denken.“

Dabei bleibt für Zoff wenig Raum, die Zusammenarbeit in der Geschäftsführung ist klar geregelt: „Die Aufgaben­teilung ist nicht so schwierig, weil wir unterschiedliche Studienschwerpunkte haben.“ Tobias Wulf hat Maschinenbau studiert und verantwortet den technischen Bereich und die Produktion, Ansgar Wulf, von Haus aus Wirtschaftsingenieur, leitet Vertrieb und Marketing und die Betriebswirtin Julia Wulf den kaufmännischen Bereich und die Personalführung.

Julia Wulf: „Man reibt sich mal aneinander“

Gibt es da überhaupt keine Reibungspunkte? Die Unternehmerin lacht. „Man reibt sich mal aneinander, einigt sich aber danach immer wieder schnell.“ Wobei Julia insofern eine Sonderstellung einnimmt, da sie als einzige aus der Geschäftsführung, der sie seit 2003 angehört, nicht in Kückelheim wohnt, sondern im nahen Eslohe.

Von dort aus hat sie es nicht weit, ihren Hobbys nachzugehen. „Ich liebe alles, was mit Natur zu tun hat - ob Wandern oder die Jagd.“ Seit ihrem 16. Lebensjahr hat sie den Jagdschein. Die Liebe zur Natur macht sich auch bei Urlaubsreisen bemerkbar. „Ich mag die nordischen Länder.“

Julia Wulf

Was hat sich geändert in der Firma, seit 2003 die neue Generation in die Geschäftsleitung eingetreten ist? „Wir sind internationaler geworden“, sagt Julia Wulf. „Aber das liegt nicht allein an mir.“ 2004 expandierte die Unternehmensgruppe in die USA und ein Jahr später ging das Unternehmen Hangzhou Wulf Chain zu 100 Prozent in die Ketten Wulf Gruppe ein. Schon 1990 war der österreichische Produktionsstandort Ferlach am Wörthersee hinzugekommen.

China ist ein heikler Punkt: „Wir haben kein Billiglohnland gesucht“, betont Julia Wulf, „sondern wir wollen den chinesischen Markt gewinnen.“ Das sichere die Arbeitsplätze im Stammwerk Kückelheim. Auch die Auslandsbesuche teilen sich die Geschwister auf. Für die Vertriebsstandorte sind Ansgar und Julia zuständig, für die Fertigungsstätten Tobias. Julia hält sich drei- bis viermal im Jahr mit ihrem Vater in China auf und zweimal mit Ansgar in den USA.

Was war für die 29 Jahre junge neue Geschäftsführerin Julia Wulf 2003 am schwierigsten. Die Durchsetzungskraft? Wohl eher ihre Ungeduld. „Ich hatte viele Ideen, die ich sofort umsetzen wollte. Seitdem ist die Einsicht gewachsen, dass manches seine Zeit braucht“, räumt sie ein. „Vielleicht wollte ich zu viel auf einmal.“ Und die Perspektive? „Momentan macht es einfach Spaß. Und so soll es bleiben.“

Stefan pohl

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