Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Hartz IV

Jobcenter verhängen mehr Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose in Südwestfalen

16.10.2012 | 20:00 Uhr
Jobcenter verhängen mehr Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose in Südwestfalen
Auch in Hagen sind mehr Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose verhängt worden. Bundesweit könnte die Zahl dieses Jahr erstmals über eine Million steigen.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen/Nürnberg.   Weil es weniger Hartz-IV-Empfänger gibt, können die Jobcenter ihren Kunden mehr Beratungsgespräche anbieten, mithin werden auch mehr Termine versäumt - und Sanktionen verhängt. Strafen wegen Ablehnung einer zumutbaren Arbeit hätten nur einen kleinen Teil ausgemacht, heißt es.

Die Zahl der von Jobcentern verhängten Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher könnte Medienberichten zufolge in diesem Jahr erstmals auf mehr als eine Million steigen. Im vergangenen Jahr waren es noch 912.000 Strafmaßnahmen. Die Prognose beruht auf Zahlen für das erste Halbjahr 2012: In den ersten sechs Monaten wurden 520.792 Strafen verhängt.

In zwei Dritteln der Fälle waren Meldeversäumnisse Grund für die Sanktionen: Hartz-IV-Empfänger erschienen nicht zum Beratungsgespräch, so dass ihnen die Hartz-IV-Bezüge gekürzt wurden. Strafen wegen Ablehnung einer zumutbaren Arbeit hätten nur einen kleinen Teil ausgemacht, heißt es.

Trend zu mehr Sanktionen auch in Südwestfalen

Der Trend zu mehr Sanktionen zeigt sich auch in Südwestfalen. So hat das Jobcenter Hagen bis Ende September dieses Jahres rund 3800 Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose verhängt. 4000 waren es im gesamten vergangenen Jahr. Pro Monat seien 2012 etwa 420 Strafen verhängt worden, im Jahr 2011 dagegen 340, so ein Sprecher des Jobcenters. Damit würden etwa vier Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit Strafen belegt (gegenüber 3,5 Prozent 2011). Was umgekehrt bedeutet, dass sich 96 Prozent der Kunden regelkonform verhalten.

Um 22,4 Prozent ist die Zahl der Sanktionen sogar im Kreis Soest im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Wurden in den ersten sechs Monaten 2011 noch 1423 Strafen verhängt waren es in diesem Jahr 1833.

Einen „leichten Anstieg“ von sechs Prozent verzeichnet der Hochsauerlandkreis von 855 Sanktionen im Jahr 2011 auf 905 im Jahr 2012, jeweils von Januar bis September. Das sind acht Prozent von den erwerbsfähigen Leistungsempfängern, deren Zahl - wie überall - im Vergleich zum Vorjahr weiter zurückgegangen ist.

Jobcenter können mehr Angebote machen

Weniger Hartz-IV-Empfänger, aber mehr Sanktionen - wie passt das zusammen? So ist in Siegen-Wittgenstein im September dieses Jahres die Zahl der Sanktionen verglichen mit dem Vorjahresmonat um elf Prozent gestiegen, die Zahl der Kunden aber um 4,3 Prozent gesunken. Man könne sich nun um den einzelnen Kunden intensiver kümmern, mehr Angebote machen, so die Antwort aus den Jobcentern. Und man deutet an, dass man sich verstärkt um etwas schwierigere Kunden bemühe.

Keine Steigerung verzeichnen übrigens die Jobcenter im Märkischen und im Ennepe-Ruhr-Kreis. Mit 2,8 Prozent im Märkischen und 2,5 Prozent im EN-Kreis liegt der Anteil der sanktionierten Leistungsempfänger hier unter dem Landes- (2,9 %) und dem Bundesdurchschnitt (3,3 %).

Nina Grunsky



Kommentare
20.10.2012
09:32
Jobcenter verhängen mehr RECHTSWIDRIGE Sanktionen gegen Arbeitslose
von telekomrichter | #2

Die veröffentlichten Zahlen sind eine vorsätzliche Irreführung.

Die Erfassung der Sanktionen geschieht über die PCs der Jobcentermitarbeiter und werden direkt an die BA in Nürnberg übermittelt und nach drei Monaten in die Statistik eingearbeitet.

Viele Sanktionen erweisen sich aber als rechtswidrig und müssten die Statistik bereinigen.
Widerspruchsverfahren, Klage und Revisionsverfahren dauern aber länger als drei Monate, so dass eine Bereinigung der Statistik nicht erfolgt.

Die Erfolgsquote bei Widersprüchen und Klagen ist hoch, bedauerlicherweise wagen nur wenige den Widerspruch. Hier können Arbeitslosenhilfevereine und Rechtsanwälte für Sozialrecht oft kostenlos oder für kleines Geld helfen. (Bei Beratungshilfe sind 10,00 € Eigenbeteiligung zu entrichten.)
Hilfe finden Sie z.B. in der folgenden Adressdatenbank:
http://www.my-sozialberatung.de/adressen

16.10.2012
22:13
Jobcenter verhängen mehr Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose in Südwestfalen
von Kantor101 | #1

Wurde auch Zeit, Arbeitslose bekommen so schon zu viel finanzielle Unterstützung. Es lohnt sich zum Teil nicht mehr arbeiten zu gehen. Wer von den Hartzern dann noch besch.... muss richtig gerade gezogen werden.

Aus dem Ressort
Supermodell 2014 ist aus Arnsberg
Modellautos
In aufwendiger und teurer Kleinarbeit musste Peter Brunner in einem Automuseum Maß nehmen - doch die Arbeit hat sich gelohnt. Der Modellauto-Hersteller Schuco feiert mit dem Nachbau eines Autos vom fast vergessenen Arnsberger Autohersteller Kleinschnittger große Erfolge.
Sauerländer Ralf Kersting soll Chef der IHK NRW werden
Wirtschaft
Die 16 Industrie- und Handelskammern aus Nordrhein-Westfalen in Bochum wählen am 4. November einen neuen Präsidenten ihres Landesverbandes. Ein Sauerländer hat wohl gute Chancen auf diese Position: Ralf Kersting, Präsident der IHK Hellweg-Sauerland in Arnsberg, soll zu den Favoriten gehören.
Stimmung bei Mietern in der Rathaus-Galerie am Boden
Shopping-Center
Verzweiflung, Wut, Unverständnis. Teile der Mieterschaft in der Rathaus-Galerie sagen, dass man sie rücksichtslos vor die Pumpe laufen lassen hat. Dass der neue Eröffnungstermin eingehalten werden kann, wird bezweifelt. Ein Rundgang.
Steuerschulden waren Motiv für Mord mit Vorschlaghammer
Mordprozess
Ein bestialischer Mord: Ein 63-Jähriger hat im April seine Frau im Schlaf erschlagen. Vor Gericht gab er an, finanzielle Probleme hätten ihn zu der Tat getrieben. Nun muss der Mann lebenslang ins Gefängnis. Bei seinem Schlusswort versagte ihm vor Gericht die Stimme.
25-Jährige verscheucht Angreifer mit Tritt in Genitalien
Angriff
Einer Mischung aus Mut, Gegenwehr und Glück hat es eine 25-jährige Frau zu verdanken, dass sie am Mittwoch wohl einer Vergewaltigung entgangen ist. Sie konnte ihrem Angreifer in die Genitalien treten. Die Polizei sucht nun nach dem Täter und bittet um Hinweise.
Umfrage
Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Forschung über Street Art in Siegen
Bildgalerie
Street Art
WP-Schützenköniginnen
Bildgalerie
Preisverleihung
Katastrophenübung in Brilon
Bildgalerie
Großeinsatz
Oktoberfest in Schmallenberg
Bildgalerie
Party