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Kampfmittelbeseitigung

Jeden Tag wird ein Stück Geschichte des Zweiten Weltkriegs aufgearbeitet

14.08.2012 | 12:30 Uhr
Jeden Tag wird ein Stück Geschichte des Zweiten Weltkriegs aufgearbeitet
Auswertung der Luftbilder: Regierungspräsident Gerd Bollermann schaut Geografin Charlotte Albers über die Schulter. Foto: Thomas Nitsche

Hagen.   Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe entschärft Blindgänger. 130 000 Luftbilder der Alliierten liegen zur Auswertung vor. Im vergangenen Jahr sind in Nordrhein-Westfalen 284 Fliegerbomben gefunden und unschädlich gemacht worden.

Seine Frau Petra zittert nicht um ihn, wenn er morgens aus dem Haus geht. „Wir sprechen kaum über die Arbeit“, sagt Gerd Matthee. Seit 1980 ist er als Truppenführer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) Westfalen-Lippe der Bezirksregierung Arnsberg. „Als gelernter Kfz-Mechaniker bin ich seit 1980 dabei.“ Bomben, Granaten und Minen aller Art sind sein Geschäft. Angst? „Nein, eher Respekt“, sagt er. „Ein Risiko besteht immer. Für die Arbeit braucht man innerliche Ruhe.“

Entschärfte Beispiele hochexplosiver Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg sind auf dem Hof am Standort in Hagen-Bathey zu besichtigen. Der KBD will mit Regierungspräsident Gerd Bollermann über seinen gefährlichen Auftrag informieren. Dass ein Porträt Bollermanns, ein Foto älteren Datums, am Eingang hängt, überrascht selbst den Sozialdemokraten. Das hat der gebürtige Olsberger bei keiner Einrichtung der Bezirksregierung bislang erlebt. KBD-Mitarbeiter scherzen: „Wir wollen wissen, wer unser aktueller Chef ist.“

Bollermann bestaunt die Blindgänger, vornehmlich aus England und den USA. Er weiß um die Gefahren bei der Entschärfung. „Sie alle genießen hohe Wertschätzung bei uns, sie verrichten eine der schwierigsten Aufgaben im öffentlichen Dienst.“ Und freut sich, dass mit der Digitalisierung der Arbeitsprozesse „ein Durchbruch gelungen ist“. Dauerte früher die Bearbeitung eines Antrages drei bis sechs Monate, sind es heute höchstens vier Wochen.

Von sich aus wird der KBD Westfalen-Lippe nicht tätig. Die 37 Frauen und Männer bekommen ihre Aufträge in der Regel von den Ordnungsämtern der Kommunen. Sei es bei einem Bauantrag oder bei einem Zufallsfund bei Bauarbeiten: Die Kommune erteilt den Auftrag. „Wir arbeiten die Geschichte des Zweiten Weltkriegs auf“, sagt der Dezernent für Kampfmittelbeseitigung, Hans-Peter Eser. „Jeden Tag sind wir unterwegs und sammeln Sprengkörper ein.“ Die statistische Auswertung der Einsätze liefert den Beleg. „393 Zufallsfunde gab es im vergangenen Jahr, Überprüfungen vor Ort 2462.“

Grundlage für die Ortung eines Blindgängers und die Überprüfung des Geländes sind in der Hauptsache die Luftbildaufnahmen der britischen Aufklärer aus dem Zweiten Weltkrieg. 130 000 Aufnahmen von November 1944 bis April 1945 liegen vor. Das Land Nordrhein-Westfalen hat für die Nutzungsrechte der Auswertung mehr als 1,5 Millionen Mark bezahlt. Wer privat eine schwarz-weiße Luftansicht über den Bombenteppich seiner Heimatstadt erwerben will, bezahlt 80 Euro. Acht Frauen und Männer der Abteilung Luftauswertung tauchen täglich am Bildschirm in die Vergangenheit ab, schauen, welche Bombe nicht detoniert ist.

Die Präzision der Bilder überrascht. Geografin Charlotte Albers: „Hier ist Kirmes, da sind Kühltürme mit Netzen getarnt.“ Die Erkenntnisse übernimmt die Abteilung Detektion, die vor Ort versucht, Blindgänger über die Verzerrung des Magnetfeldes aufzuspüren. Dabei helfen die Sensoren des Gradiometers. Gefunden heißt aber nicht entschärft. Niemand weiß, ob die Fliegerbombe mit einem Säure-Langzeitzünder versehen ist. Er löst bei der kleinsten Temperaturschwankung aus.

Joachim Karpa


Kommentare
12.09.2012
19:00
Bürger können in allen Bundesländern hautnah mit Spuren des II. Weltkrieges konfrontiert werden
von thomas-w-schmidt | #1

Auch die deutsche Geschichte gibt Aufschluss über noch vorhandene Lagerstätten von "Blindgängern".
Beispiel: Torgau, Sachsen, Stadt der Begegnung - Amerikaner und Russen am 25. 04. 1945. Hier existierte z. B. die WASAG. (Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-Actien-Gesellschaft). Torgau und Umgebung war auch Aufmarschgebiet von Truppen,, die das Ruder noch im April 1945 herumreißen wollte.(mot. Schützen u. Artillerie nebst Flakstellungen in Wäldern) Als die Deutschen kapitulierten, wurden Kampfmittel in höchster Eile in der Natur „verklappt“.
Munitionsvernichtung durch Sprengung nach 1945:
Trinitrotoluol (TNT), heute noch im Einsatz, wurde hier als ungiftige, gegen Witterung widerstandsfähige chemische wachsartige Verbindung buchstäblich im Gelände verstreut. (Beim Zerreißen des Geschossmantels). Experimentierfreudige Bürger versuchten sich pyrotechnisch. Die Staatssicherheit der DDR hatte ein Auge auf jene, die es sammelten. Literatur: „Im Auftrag des Großen Bruders"AAVAA-Verlag,

1 Antwort
Zu Zweiter Weltkrieg - Korrektur
von thomas-w-schmidt | #1-1

6. Zeile v. oben: ... die das Ruder noch im April 1945 herumreißen wollten.
(wollten anstelle wollte)

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