Jasmin Schornberg paddelt den Frust weg und denkt positiv

Jasmin Schornberg während eines Wettkampfes. Sie konzentriert sich diesmal auf Weltcup und DM. Foto: Imago
Jasmin Schornberg während eines Wettkampfes. Sie konzentriert sich diesmal auf Weltcup und DM. Foto: Imago
Foto: imago/Buthmann
Es war eine hauchdünne Entscheidung: Jasmin Schornberg, Slalom-Kanutin als Lippstadt, verpasste in diesem Jahr die Qualifikation für die Nationalmannschaft. Zum ersten Mal nach zehn Jahren. Trotzdem ist der Sommer nicht verloren.

Augsburg/Lippstadt..  Jasmin Schornberg trägt einen weißen Helm, dem das Visier fehlt und unter dem ihre langen blonden Haare hervorlugen. Fröhlich lacht die gebürtige Lippstädterin in die Kamera und reckt den Daumen ihrer rechten Hand in die Höhe. Alles ist gut, alles prima - zeigt Schornberg an. Kurz darauf rennt sie los und entschwebt in den Gurten ihres Gleitschirms hängend. Hinauf in den blauen Himmel über Lofer im Salzburger Land tragen sie die Winde, dorthin, wo nicht nur die Gedanken frei sind, aber besonders sie.

Beim Deutschland Cup im ­Kanu-Slalom auf der Saalach paddelte Jasmin Schornberg zuvor zweimal auf den ersten Platz. Wie sie eine Woche zuvor auch beim 1. ECA European Boater-Cross Cup in ihrer Wahlheimat Augsburg gewann. Deutschland Cup? Boater-Cross, diese Rennvariante, bei der vier Kanuten gleichzeitig von einer sehr hohen Startrampe ins Wasser rutschen, um anschließend um vordere Plätze zu kämpfen?

Das sind eigentlich nicht die Wettbewerbe, welche Jasmin Schornberg zu diesem Zeitpunkt der Saison und zudem eine Woche vor der Heim-EM in Markkleeberg/Sachsen, bestreitet. Sie, die Junioren-Weltmeisterin, Weltmeisterin und Olympia-Fünfte der Spiele 2012 in London. Doch dieser Sommer nimmt in Schornbergs Karriere eine Sonderstellung ein. Und das - trieb der Blondine für einige Tage das ansteckende Lachen aus dem Gesicht.

Tränen nach dem Scheitern

Erstmals seit zehn Jahren gehört die 29-jährige Schornberg, vom Boulevard mal zur hübschesten Kanutin des Landes gekürt, nicht mehr der Nationalmannschaft, dem Team Deutschland, an. „Vielleicht tut diese Verschnaufpause ganz gut“, sagt sie - mit etwas zeitlichem Abstand zu den jährlichen Qualifikationsrennen.

Unmittelbar nachdem ihr Scheitern feststand, kullerte allerdings die eine oder andere Träne über Schornbergs Wangen. „Man trainiert sechs, sieben Monate lang und scheitert dann so blöd. Das war schon sehr nervig und enttäuschend“, sagt sie. Aus vier Rennen bestand die nationale Qualifikation - und in jedem fuhr die Lipp-städterin unter die besten Drei. Auf Grund des gültigen Punktesystems wurde sie aber Gesamtvierte hinter Ricarda Funk (Bad Kreuznach), Melanie Pfeifer (Augsburg) und der punktgleichen, aber im Gegensatz zu Schornberg einmal siegreichen Lisa Fritsche (Halle/S.). Platz zwei statt drei im wohl dramatischsten Finale der diesjährigen Serie - und Schornberg gehörte statt Fritsche zum Team Deutschland im Kajak-Einer der Damen.

„Das war schon Pech“, sagt die Kanutin des KR Hamm rückblickend. „Die einzige Konstellation, die für mich das Aus bedeutete, ist eingetreten.“ Nachdem der Frust verflogen ist, schaut sie aber positiv auf die weitere Saison. EM und WM (Ende September auf der Olympia-Strecke in London) verpasst sie - im Weltcup startet sie.

Das große Ziel bleibt Rio

„Außerdem kann ich mich ein bisschen besser als sonst auf die deutsche Meisterschaft Ende Juli in Augsburg vorbereiten“, sagt Jasmin Schornberg. Und: Die Studentin hat mehr Zeit für ihre anstehende Master-Arbeit. „Ich muss in dieser Beziehung nicht so einen extremen Spagat wie sonst hinbekommen“, sagt sie.

Wenn es überhaupt einen guten Zeitpunkt für das Verpassen des Nationalteams gibt, dann in dieser Saison. Denn im nächsten Jahr trägt die Qualifikation für Team Deutschland die Chance auf einen Start bei einem viel bedeutenderen Wettbewerb huckepack: bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, Brasilien.