Jannis Bäckers Traum von der Heim-WM in Winterberg platzt

Werbetermin in Schalke: Jannis Bäcker (links) mit dem früheren Königsblau-Kicker Olaf Thon am Bob.
Werbetermin in Schalke: Jannis Bäcker (links) mit dem früheren Königsblau-Kicker Olaf Thon am Bob.
Foto: Veranstalter
Was wir bereits wissen
Er hat gehofft und gekämpft, aber am Ende doch verloren: Wegen einer langwierigen Verletzung muss der Winterberger Bob-Abschieber Jannis Bäcker seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft auf der hemischen Bahn absagen. „Es fällt mir wirklich nicht leicht, darüber zu sprechen“, sagt er. Aber die Entscheidung ist gefallen.

Winterberg..  Jannis Bäcker mag sich diese Bilder derzeit gar nicht vorstellen. Diese bunten und fröhlichen Bilder, die in wenigen Wochen auf der Bobbahn in Winterberg, in „seinem“ Eiskanal, produziert werden, wenn dort mit Glanz und Gloria die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Wenn „sein“ Pilot Francesco Friedrich im Zweier- und Viererbob um die Medaillen mitrasen wird. Ohne ihn. Ohne Jannis Bäcker, der Friedrich vor zwei Jahren im kleinen Schlitten in St. Moritz zum Titel schob.

„Die Entscheidung steht“, sagt der 30-jährige Athlet des BSC Winterberg gestern im Gespräch mit dieser Zeitung, „ich werde bei der WM nicht starten.“ Brüchig klingt seine Stimme, wie sehr ihn die Situation mitnimmt, muss Bäcker nicht besonders betonen. „Es fällt mir wirklich nicht leicht, darüber zu sprechen“, sagt er noch.

Mehrere Monate dauerte sein Kampf um die Teilnahme an der Heim-WM vom 23. Februar bis 8. März an der Kappe. Mehrere Monate tastete er sich nach dem - konservativ behandelten - Anriss der Patellasehne vorsichtig wieder zurück ins Training. Nichts überstürzen, um den Start bei der WM im Hochsauerland nicht zu gefährden - das war die Devise.

Fernziel Olympische Spiele 2018

„Ich habe mit angezogener Handbremse versucht, zurück ins Training zu kommen“, erzählt der Modellathlet, „aber wir haben gemerkt, dass wir das Knie nicht zu einhundert Prozent belasten können.“ Nicht ohne zu riskieren, dass die Sehne reißt und dass Bäcker eine erneute lange Pause einlegen muss. „Die Trainer und die Bundeswehr haben mir schließlich den Hinweis gegeben, dass sie mich auch in den nächsten Jahren unterstützen werden“, sagt der Anschieber des BSC.

Heißt: Bundestrainer Christoph Langen und Co. planen mit Jannis Bäcker bereits für die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang 2018. Und dieses Ziel wollen sie nicht dadurch gefährden, dass Deutschlands bester Anschieber sich den Traum vom Start bei der Heim-WM erfüllen möchte. „Ich wollte das natürlich erst nicht akzeptieren“, erzählt Bäcker, „wenngleich ein kleiner Teil im Hinterkopf sofort wusste, dass diese Entscheidung Sinn macht.“ Zumal Bäcker und Friedrich mit den Olympischen Spielen noch eine Rechnung zu begleichen haben. Ihr Auftritt vor gut einem Jahr in Sotschi verlief wie bei allen deutschen Bobs indiskutabel. Rang acht von Friedrich/Bäcker im Zweierbob als bestes deutsches Ergebnis bedeutete bereits ein historisches Debakel, welches sich im Viererbob fortsetzte. „So etwas wird uns hoffentlich nicht noch einmal passieren“, sagt Bäcker.

Nur als Zuschauer an der Kappe

Er wird sich nun in aller Ruhe und intensiv auf die kommende Saison vorbereiten - und die Titelkämpfe an der Kappe lediglich als Zuschauer verfolgen. Emotional werden diese Tage allerdings nicht einfach für den amtierenden Weltmeister im Zweierbob. „Innerlich werde ich sehr aufgewühlt sein“, sagt er vorausblickend.

Und ein bisschen wütend darüber, dass die Verletzung nicht früher diagnostiziert wurde. Was dann vielleicht in Winterberg möglich gewesen wäre... aber auch das will sich Jannis Bäcker eigentlich gar nicht vorstellen.