Jacques Berndorf über Neonazis in den Wäldern der Provinz

Schriftsteller Jacques Berndorf hat einen neuen Eifel-Krimi veröffentlicht.
Schriftsteller Jacques Berndorf hat einen neuen Eifel-Krimi veröffentlicht.
Foto: Archiv/Funke Foto Services/Franz Luthe
Was wir bereits wissen
Der Bestseller-Autor Jacques Berndorf schreibt seinen neuen Krimi „Eifel-Krieg“ mit Wut und Wissen. Ein Heckenschütze treibt sein Unwesen in der Eifel, der Alptraum für jede Mordkommission. Zumal sich die Anwohner vor Ort längst ein eigenes Urteil gebildet haben.

Hagen.. Der Schriftsteller Michael Preute alias Jacques Berndorf gilt mit seinen Eifel-Morden als Erfinder des deutschen Regionalkrimis. Doch über diese Bezeichnung ist der 74-Jährige nicht wirklich glücklich, spielt doch der Handlungsort in jedem Krimi eine Hauptrolle. Also könnte man entsprechend Donna Leon als Autorin von venezianischen Regionalkrimis einordnen und den von Berndorf so geschätzten Raymond Chandler als Erfinder des Los-Angeles-Regionalkrimis. Es versteht sich von selbst, dass solche Katalogisierungen Unfug sind.

Zwischen Region und Heimat

Gleichwohl hat Berndorf mit seinen Romanen die Eifel berühmt gemacht, auch in touristischer Hinsicht. Aber das resultiert aus einer hohen Kunst: Region ist für den gebürtigen Duisburger mehr als die Angabe von Landmarken, die das Navigationsgerät finden kann. Sie bietet die Chance für Heimat. Und deshalb ist der bekennende Eifler Berndorf ein Bestseller-Autor, dessen Werke im Sauerland ebenso geschätzt werden wie im Schwarzwald oder im Ruhrgebiet. Denn er schreibt über das Leben in der angeblichen Provinz, weil genau diese Provinz der Ort ist, an dem die Dinge tatsächlich passieren.

Literatur In „Eifel-Krieg“ wird das besonders sichtbar, dem neuen Krimi von Berndorf. Es geht um ein Problem, mit dem die meisten dünn besiedelten Mittelgebirgs-Landschaften zu kämpfen haben. In einem abgelegenen Bauernhof in der hintersten Eifel hat sich eine Gruppe eingenistet, die einen Hotelbetrieb mit Schießübungen und nächtlichen Lagerfeuer-Lesungen aus verbotenen Büchern anbietet. „Neonazis“, flüstern die Einheimischen. Doch Genaues weiß man nicht, und Beweise gibt es schon gar nicht.

Dann wird ein junger Mann erschossen. Der Journalist Siggi Baumeister, Berndorfs langgediente Ermittlerfigur, muss sich bei seinen Recherchen zusammenschlagen lassen, und Jugendliche prügeln Baumeisters Freund Rodenstock ins Koma. Anschließend beginnt ein Unbekannter, im Wald auf Jäger zu schießen: ein Heckenschütze, der Alptraum jeder Mordkommission.

Das Private wird zum Politischen

Schlechte Autoren würden jetzt den Konflikt zwischen idyllischem Dorfalltag und dumpfer Gewalt strapazieren. Berndorf dagegen ist ein viel zu begabter Erzähler, um nicht zu wissen, dass das Dorf keine heile Welt ist. Er zeichnet lieber Zwischentöne, wenn er die Suche nach dem Täter als einen Prozess der zornigen Verunsicherung beschreibt. Die unter Verdacht stehenden Neonazis drehen den Spieß um und beschuldigen nun ihrerseits die Lehrer und Schüler des örtlichen Gymnasiums, die Kinder des Hotelhofes zu mobben.

Gespräch Das Private lässt sich im Lauf der Ermittlungen von dem Politischen kaum noch trennen, zumal die hochbetagte Tante von Roden­stocks jüdischer Frau Emma aus Australien zu Besuch kommt. Deren Angehörige wurden in den NS-Konzentrationslagern ermordet, die es den Bewohnern des Nazi-Hofes zufolge nie gegeben haben soll.

Berndorf hat seinen hervorragend recherchierten neuen Roman mit erkennbarer Wut auf alle die geschrieben, die sich vom rechten Überlegenheitswahn anstecken lassen. Sein Herz gehört eben den kleinen Leuten, die aufrecht um ein bisschen Glück im Leben kämpfen, was auf dem Dorf genauso mühsam ist wie in der Großstadt. Diese erkennbare persönliche Haltung macht „Eifel-Krieg“ von einem spannenden Krimi zu einem richtig guten Buch.

Jacques Berndorf: Eifel-Krieg. KBV-Verlag, 342 Seiten, 9,95 Euro.