Jacqueline Lölling kämpft bei Junioren-WM um WM-Ticket

Jacqueline Lölling will bei der Junioren-WM ihren Titel verteidigen. Foto: Matthias Graben
Jacqueline Lölling will bei der Junioren-WM ihren Titel verteidigen. Foto: Matthias Graben
Was wir bereits wissen
Ihr Traum vom Start bei der Heim-WM in Winterberg lebt. Aber dafür muss sich Jacqueline Lölling am besten als Junioren-Weltmeisterin im Skeleton qualifizieren. Gelingt der 20-Jährigen das nicht, wartet ein Qualifikations-Krimi auf sie.

Altenberg..  Sie will diesen Gedanken so gerne verdrängen, will ihn wenigstens weit nach hinten bugsieren. Doch ständig schwirrt er wieder kreuz und quer durch den Kopf von Jacqueline Lölling. Gerade in diesen Tagen, gerade während der Vorbereitung auf die Junioren-WM. Beim Training im Kraftraum, bei der Arbeit am Schlitten - ständig wird die Konzentration auf den Höhepunkt ihrer Saison unterbrochen. Denn diesem könnte ein weiterer folgen, ein höchster Höhepunkt quasi: Die Teilnahme an der Bob- und Skeleton-WM in Winterberg.

„Natürlich ist das irgendwo ein Ziel“, sagt Jacqueline Lölling während einer Trainingspause. „Es wäre ein Traum, da es für mich ja eine echte Heim-WM ist“, erklärt sie über die Titelkämpfe vom 23. Februar bis zum 8. März in Winterberg. Die 20-jährige Skeleton-Pilotin stammt aus Brachbach und startet für die RSG Hochsauerland - der Eiskanal an der Kappe ist ihr sportliches Zuhause.

Konkurrenz aus dem Weltcup

Seit einigen Tagen bereitet sich Lölling im sächsischen Osterzgebirge auf die Junioren-Weltmeisterschaft vor. Akribisch. Zielstrebig. Denn ihr Weg nach Winterberg führt über Altenberg und die zwei dort zu absolvierenden Rennen am Samstag. Die Rechnung ist einfach: Verteidigt die Pilotin aus dem Sauerland ihren Titel, erhält sie automatisch das Startrecht für die „große“ WM wenige Tage später.

Doch obwohl Lölling im Intercontinentalcup und im Europacup in dieser Saison von Sieg zu Sieg oder mindestens von Podestplatzierung zu Podestplatzierung raste und bei den deutschen Meisterschaften in Winterberg sogar zum zweiten Mal den Titel gewann, gibt sie sich zurückhaltend. „Die Konkurrenz bei der Junioren-WM ist eine ganz andere. Es wird verdammt schwierig“, sagt sie. Unter anderem die Russin Elena Nikitina, Olympia-Dritte in Sotschi, sei auf Grund ihrer Weltcup-Erfahrung eine starke Konkurrentin.

Lölling hält den Titelgewinn dennoch für möglich und hofft auch auf den gewissen Heimvorteil in Altenberg. „Ich fahre hier gerne“, erzählt die Siegerländerin, die in diesem Jahr ihre Ausbildung zur Bundespolizistin im bayrischen Bad Endorf beginnen wird. „Aber man muss wach und konzentriert sein, weil die Bahn sehr anspruchsvoll ist.“ Die Omega-Kurve und den Kreisel sieht Lölling in Altenberg als Knackpunkte, „die man wirklich treffen muss, um auf Geschwindigkeit zu kommen“.

Über wie viel Potenzial sie verfügt, bewies die 20-Jährige bereits vor dieser Saison, als sie im Kampf um die drei Plätze im deutschen Weltcup-Team zwei so genannte Selektionsrennen gewann, am Ende aber wegen der nicht erfüllten Start-Norm Tina Hermann, Anja Selbach-Huber und Sophia Griebel den Vortritt lassen musste. Doch Lölling verzagte nicht - und raste im Schatten des Trios einfach weiter von Erfolg zu Erfolg.

Es droht ein Qualifikations-Krimi

Den Bundestrainern Jens Müller und Dirk Matschenz blieb das übrigens nicht verborgen. Und deshalb eröffneten sie der Pilotin der RSG Hochsauerland bereits vor der Junioren-WM, dass die Chance auf einen Start bei der WM in Winterberg nicht null und nichtig sei, wenn sie ihren Titel in Altenberg nicht verteidige. Wird Jacqueline Lölling am Samstag statt Junioren-Weltmeisterin nur Zweite, Dritte, Vierte oder Fünfte, nimmt der Kampf um die Heim-WM an Dramatik zu.

Denn in diesem Fall wird sie ein Ausscheidungsrennen um den dritten deutschen WM-Startplatz gegen die derzeit schlechteste Weltcup-Pilotin fahren. In Winterberg. Kurz vor der WM. Zwar starten Hermann, Selbach-Huber und Griebel an diesem Wochenende noch beim Weltcup in Sotschi, aber alles andere als ein Duell Lölling gegen Griebel wäre in diesem Fall schon eine Überraschung. „Darüber mache ich mir aber noch gar keine Gedanken“, sagt Lölling. Sie versucht es wenigstens.