Iserlohner Autorin führt Liebesroman-Autoren an

Ohne Liebe gibt es keine Literatur. Die deutschsprachigen Liebesromanautoren setzen sich für das Genre ein.
Ohne Liebe gibt es keine Literatur. Die deutschsprachigen Liebesromanautoren setzen sich für das Genre ein.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Die Iserlohner Autorin Andrea Reichart ist am Wochenende zur Präsidentin der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autoren gewählt worden

Iserlohn.. Das romantische Knistern zwischen Mann und Frau spielt eine Hauptrolle in der Literatur, egal ob im Krimi oder in der Familiensaga. Und doch wird der eigentliche Liebesroman als Gattung gerne abgewertet. Das zu ändern ist das Ziel von „DeLiA“, der Vereinigung deutschsprachiger Liebes­romanautoren. Die Iserlohner Schriftstellerin Andrea Reichart ist am Samstag zur neuen Präsidentin des Vereins gewählt worden, dessen über 200 Mitglieder mit mehr als 30 Millionen verkaufter Bücher im Literaturbetrieb eine starke Stimme haben. Im Interview spricht die studierte Literaturwissenschaftlerin über Qualitätskriterien und die Umbrüche im Markt.

Was versteht man unter einem Liebesroman?

Andrea Reichart: Ursprünglich ein Roman, in dem sich alles, aber auch wirklich alles um die Liebe dreht. Trivialliteratur nannte man das früher, aber die Zeiten sind vorbei. Die literarische Qualität ist enorm gestiegen. Ohne die Liebe geht nichts in der Literatur. Und weil dies genreübergreifend gilt, verstehen wir uns auch als Autoren von Unterhaltungsromanen. ­„DeLiA“ bemüht sich seit seiner Gründung, dass das Thema Liebe aus der Schmuddelecke herauskommt.

Damit verbindet man doch diese Heftchenromane?

Die werden ja bis heute belächelt, zu Unrecht, denn es gibt eine große Leserschaft dafür. „DeLiA“ ist 2003 unter anderem auch von ­Autorinnen gegründet worden, die Heftromane geschrieben haben. Für viele Autorinnen spielen die Heftromane heute nur noch eine Nebenrolle. Sie schreiben, teils unter verschiedenen Pseudonymen, genreübergreifend in verschiedenen Bereichen.

Trifft die Bezeichnung Trivialliteratur noch?

Den Begriff verwende ich nicht mehr gern, er klingt immer etwas abwertend und unterstellt, dass diejenigen, die sich einfach nur ein wenig unterhalten lassen wollen, zu blöd sind, um Anspruchsvolleres zu lesen. Ich unterscheide eher zwischen Unterhaltungsliteratur und ernster Literatur. In der Unterhaltungsliteratur werden – um das mal sehr vereinfacht auszudrücken - die Konflikte nach außen in die Handlung verlegt (A jagt B durch die halbe Welt), in der ernsten Literatur spielen sie sich gerne innerlich ab. Aus meiner Sicht verschwimmen die Grenzen zwischen anspruchsvoll und unterhaltend zusehends, da immer mehr Autoren im Unterhaltungsgenre auf höchstem sprachlichem Niveau schreiben.

Wann ist ein Liebesroman gut?

Wenn er sprachlich nicht zu platt ist, überzeugende Charaktere aufweist, eine originelle Geschichte erzählt und den Leser zutiefst ­berührt.

Und der Sex? Muss es heiße Stellen geben?

Die erotische Literatur ist wieder eine ganz eigene Baustelle. Durch die E-Bücher ist dieser Markt in den vergangenen Jahren übrigens gewachsen.

Wie stellt sich das Frauenbild im Liebesroman dar? Ist die Heldin schwach und willig?

Mit Frauenbildern wird nach wie vor gespielt. Das schwache Weibchen, das nicht weiß, was es sich zutrauen kann, wird gerne in der Erotikliteratur eingesetzt. Die ­Jugendfantasy arbeitet demgegenüber mit Teenagern, die zwar unscheinbar und auf den ersten Blick schwach daherkommen, dann aber unerwartete Kräfte in sich entdecken, die sie zum Guten einsetzen. Autorinnen und Autoren ­geben ihren Figuren zunehmend auch ein wunderbares Selbstbewusstsein mit, finde ich. Frauencharaktere, die wissen, was sie ­können, kommen bei den Lesern gut an.

Und die Männer? Gibt es da ebenfalls Rollen-Klischees?

Die Männer sind oft wie im richtigen Leben angelegt. Man kann nicht ohne, aber mit ist auch nicht immer einfach. Persönlich lese ich am liebsten Bücher, wo mich sowohl die Frauen als auch die Männer überzeugen. Wir leben in Zeiten großer Umbrüche und Unsicherheiten, diese Zeiten werden wir ohne positive Leitfiguren nicht meistern, das kann man durch die Bank beobachten. Figuren, die zu Gunsten der Gemeinschaft über sich hinauswachsen, sind als Heldinnen und Helden immer gefragt.

Wo sehen Sie Ihre Aufgaben als Präsidentin?

Zunächst einmal wirken wir als Vorstands-Team im Ehrenamt, das beschränkt die Zeit, die man zur Verfügung hat, denn wir müssen ja ­alle auch arbeiten. Eine Hauptaufgabe wird aus meiner Sicht sein, die Vereinigung durch die turbulenten Zeiten zu bringen, denn der Literaturmarkt verändert sich seit ein paar Jahren völlig. Es gibt neue Vertriebswege, Verlage geben auf, neue kommen, es gibt sehr viele Selbstverleger, die den Markt mit zum Teil erstaunlich guten Büchern überfluten. Es war früher so verpönt, sich selbst zu verlegen, heute sind die Selbstverleger ein wichtiger Teil des Marktes – aber jede Biene sticht. Dann gibt es noch die Nebenkriegsschauplätze: Der Kampf um das Urheberrecht und der Kampf darum, die Schwarzkopiererei bei den E-Büchern einzudämmen, sind überlebenswichtige Punkte. Es war nie leicht, sein Geld mit Bücherschreiben zu verdienen, doch heute müssen Autoren um ihre Existenzen bangen.

Was ist Ihr Herzensanliegen?

Dass alle Beteiligten ein wenig entspannt bleiben können. Und dass die Liebesroman-Tage wieder nach Iserlohn kommen.