Iserlohn Roosters verlässt in Schwenningen die Kraft

Jonas Liwing mochte in Schwenningen am Ende nicht mehr hinschauen.
Jonas Liwing mochte in Schwenningen am Ende nicht mehr hinschauen.
Foto: imago/Eibner
Was wir bereits wissen
Dem Triumph gegen die Kölner Haie folgte der Katzenjammer in Schwenningen: Mit 2:3 verloren die Iserlohn Roosters bei den Wild Wings und verpassten es, den Vorsprung in der DEL auf Platz elf zu vergrößern. Nach der Pleite steht eine Personalie in der Diskussion.

Schwenningen/Iserlohn..  Sein trauriger Blick, seine tief in die Seitentaschen der Jeanshose vergrabenen Hände, sein irgendwie schlaff am eigentlich durchtrainierten Oberkörper herunter hängendes Sakko. Jeff Giuliano passte nicht in das Jubel-Gemälde, welches die Iserlohn Roosters am Freitagabend nach dem irren 7:1-Erfolg gegen die Kölner Haie gemeinsam mit ihren euphorischen Fans malten. Selbst das Trainerduo Jari Pasanen und Jamie Bartman wurde vielkehlig und inbrünstig wieder raus aus der Kabine auf das Eis gerufen, um mit der Mannschaft und den Zuschauern die Welle zu inszenieren.

Jeff Giuliano beobachtete das muntere Treiben von der Bande aus. Neidisch.

Als die Sauerländer am Sonntagabend das Eis verließen, stand Giuliano nicht an der Bande. Und in ihren Gesichtern zeigte sich nicht dieses zufriedene stolze Grinsen, sondern pure Enttäuschung. Mit 2:3 hatten die Roosters ihr Auswärtsspiel bei den Schwenninger Wild Wings verloren. Außerdem hatten sie es versäumt, ihren Vorsprung in der Tabelle der Deutschen Eishockey Liga auf den stets beäugten elften Platz, der eben nicht mehr zur Teilnahme an den Play-offs berechtigt, auszubauen. Beim Vorletzten. Der zuvor sechsmal in Serie verloren hatte.

Foster und Wruck treffen

Alex Foster brachte seine Mannschaft zwar bereits in der sechsten Minute der Partie mit 1:0 in Führung und Dylan Wruck glich den Vorsprung der Gastgeber, Kyle Greentree und MacGregor Sharp hatten dafür gesorgt (15./30.), wieder aus, doch auf das 2:3 von Daniel Hacker (47.) wussten die Sauerländer keine Antwort. Bei einem Pfostenschuss von Brooks Macek sechs Sekunden vor der Schlusssirene hatten sie zudem ein wenig Pech. „Wir waren nicht bereit und haben viele Fehler gemacht. Das war eine schlechte Leistung von uns“, klagte Roosters-Trainer Jari Pasanen.

Bei der Analyse kommt wieder Jeff Giuliano ins Spiel, obwohl er die Reise nach Süddeutschland, welche die Roosters über Schwenningen am Dienstag zum ERC Ingolstadt führt (16.30 Uhr), gar nicht mitmacht. Nach seiner Kopfverletzung funktioniert die gesamte Nackenmuskulatur nicht richtig, so dass an geregeltes Training nicht zu denken ist. Selbst das Karriereende des 35-Jährigen ist nicht mehr ausgeschlossen. „Die Situation ist besonders für ihn, aber auch für uns unbefriedigend“, erklärte Manager Karsten Mende.

Denn ohne Giuliano fehlt den Roosters nicht nur Spielintelligenz und Torgefahr, sondern - ganz schlicht und einfach - auch eine Wechselmöglichkeit. So stark die Leistung am Freitagabend gegen die Kölner Haie war, so viel Kraft kostete das von der ersten Sekunde an druckvolle Spiel. Und anders als im Vorfeld des West-Schlagers konnte Pasanen seinen Jungs diesmal keine Ruhepause gönnen - in Schwenningen waren die Beine der Roosters müde. Die Gastgeber hingegen sprühten dank des für sie spielfreien Freitags vor Elan.

Beruhigender Vorsprung

Zwar besitzen die Sauerländer weiterhin beruhigende elf Punkte Vorsprung auf Rang elf, Mende weiß aber, dass Leistungen wie gegen Köln konstant nur zu bringen sind, wenn alle Spieler an ihre Grenzen gehen - und ein voller Kader zur Verfügung steht. Derek Whitmore (Fußbruch) und Collin Danielsmeier (Haarriss in der Hand) werden zurückkehren. „Bei Jeff ist eine Prognose schwieriger, deshalb sondieren wir den Markt“, sagte Mende. Und klang so traurig, wie Giuliano derzeit schaut.